Diskussionsveranstaltung
Wie tickt Weltmacht China?
Das Bild zeigt die Diskussionsteilnehmer (von links nach rechts): Hans-Peter Lechner, Professor für Sinologie Michael Lackner, Heinrich von Pierer, Kreisvorsitzende Christa Matschl und Günther Beckstein.
Das Bild zeigt die Diskussionsteilnehmer (von links nach rechts): Hans-Peter Lechner, Professor für Sinologie Michael Lackner, Heinrich von Pierer, Kreisvorsitzende Christa Matschl und Günther Beckstein.
Europa-Union
Erlangen

Noch nie zuvor war unsere Zukunft so sehr mit China verknüpft wie heute. Und das nicht nur mit Blick auf unsere Arbeitsplätze, sondern auch auf unsere Art zu leben und den Weltfrieden zu sichern. „Die Chinesen – Psychogramm einer Weltmacht“ lautete das Thema bei einer Diskussionsveranstaltung der Europa-Union in der VR-Bank Erlangen-Höchstadt-Herzogenaurach. Grundlage war der gleichnamige Spiegel-Bestseller von Stephan Baron und Guangyan Yin-Baron.

Chinas Aufstieg aus mehreren Perspektiven

Kreisvorsitzende Christa Matschl und Hans-Peter Lechner (VR-Bank) begrüßten die drei hochkarätigen Referenten Michael Lackner, Professor für Sinologie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, den langjährigen Vorstandsvorsitzenden von Siemens, Heinrich von Pierer, und Günther Beckstein, den ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten. In seinem historischen Rückblick befasste sich Michael Lackner u. a. mit dem „anderen Men-schenbild“, das auch die Außenpolitik beeinflusse, und sprach vom Aufstieg aus der Erniedrigung, vom unterschiedlichen Rechtsdenken, von der Auswahl der Besten im System und von der Harmonie innerhalb von Hierarchie.

Deutschlands Abhängigkeit

Heinrich von Pierers Vortrag war naturgemäß praxisbezogener und hatte die wirtschaftliche Entwicklung Chinas im Fokus. Die soziale Marktwirtschaft gründe auf einem Staatsmonopol mit kapitalistischen Elementen. Es sei gelungen, 600 Millionen Menschen aus Armut und Hunger zu befreien. Aktuell gebe es im Reich der Mitte 540 Milliardäre.

Natürlich seien wir in wirtschaftliche Abhängigkeit von China geraten, betonte von Pierer. 6000 deutsche Unternehmen würden dort 750.000 Menschen beschäftigen. Hinzu komme, dass das fernöstliche Land über Lithium, Kobalt und seltene Erden usw. verfüge, die für die westlichen Industrienationen von eminenter Bedeutung seien. Der Ex-Manager sieht die Chinesen als Partner, Wettbewerber und systemische Kontrahenten. Aber auch die Menschenrechte spielten eine große Rolle.

Von Pierer bezeichnete die Emissionen von CO2 dort als dramatisch. 750 Kohlekraftwerke seien im Betrieb und weitere 150 geplant. „Und bei uns wird überlegt, ob unser größtes Kraftwerk, das seit 2020 läuft, wieder abgestellt werden soll.“

China als bedeutender Markt

Von Pierer betonte, dass die großen deutschen Unternehmen in China „weitermachen“. So macht VW dort 40 Prozent seines Geschäfts, aber auch BMW, Mercedes und andere seien auf diesem Markt tätig. Der frühere Manager rät davon ab, sich abzuschotten, und fordert statt einer werteorientieren, feministischen Außenpolitik eine „streitbare Koexistenz“. Wir müssten unsere Wettbewerbsfähigkeit erhalten, innovativ sein und nicht mit der Gießkanne die Folgen eines Krieges ausgleichen wollen.

Günther Beckstein argumentierte, dass eine gegenseitige Abhängigkeit besser sei als eine einseitige. China sei zudem militärisch in die 1. Liga aufgestiegen, befürchte aber zentrifugale Kräfte wie einst in der UdSSR.

Und Heinrich von Pierer schob noch nach und zitierte Helmut Schmidt, dass man sei-ne eigenen Werte leben, diese aber nicht anderen aufzwingen sollte. „Auf der Welt soll es anständig zugehen.“ red

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