Segnitz
Fotoausstellung: Ein Blick direkt in die Segnitzer Alltagsgeschichte
Rätselraten: Ist das der Schwiegervater oder ist er es nicht? Ganz sicher sind sich die Damen nicht.
Rätselraten: Ist das der Schwiegervater oder ist er es nicht? Ganz sicher sind sich die Damen nicht.
Foto: Regina Sterk
Vermutlich mit dieser alten Kamera hat Vitus Lauck vor rund hundert Jahren zahlreiche Aufnahmen vom Segnitzer Alltagsleben gemacht.
Vermutlich mit dieser alten Kamera hat Vitus Lauck vor rund hundert Jahren zahlreiche Aufnahmen vom Segnitzer Alltagsleben gemacht.
Foto: Regina Sterk
Von der Negativ-Glasplatte bis zum fertigen Bild sind aufwändige Zwischenschritte nötig.
Von der Negativ-Glasplatte bis zum fertigen Bild sind aufwändige Zwischenschritte nötig.
Foto: Regina Sterk
Entdeckt: "Das war unser Lehrer, Adolf Vogel" sind sich diese Besucher einig.
Entdeckt: "Das war unser Lehrer, Adolf Vogel" sind sich diese Besucher einig.
Foto: Regina Sterk
Segnitz – Gut gefüllt war das Dorfgemeinschaftshaus kürzlich in Segnitz. Es lockte nicht nur das Museumscafé, das an jedem ersten Sonntag im Monat geöffnet ist, es wurde außerdem die neue Sonderausstellung des Museums eröffnet. Nach dem Erfolg im Frühjahr hat die Familie Lauck erneut die Schatzkiste ihre Urgroßvaters Vitus Lauck geöffnet und "neue" alte Fotografien aus der Segnitzer Geschichte zur Verfügung gestellt.

In Zusammenarbeit mit Josef Röll vom gleichnamigen Dettelbacher Verlag wurden die 100 Jahre alten Glasplatten aufwändig digitalisiert und in Postergröße entwickelt. "Sie haben hier eine bildchronische Zusammenfassung des Dorflebens vor 100 Jahren", erläuterte Röll. Manche Anlässe fänden auch heute noch statt. Es sei spannend, Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Traditionen zu entdecken. Geschichte, die sich ereignet hat, sei die Grundlage unseres heutigen Lebens und müsse deshalb immer wieder betrachtet werden, betonte der Verleger.

Auf den Bildern von Vitus Lauck sind Aufnahmen von Familienfeiern, Festumzügen oder Alltagssituationen aus der Gärtnergemeinde zu sehen. Da gibt es Bilder von Kriegsgefangenen aus dem Ersten Weltkrieg und gleich daneben zieht eine Hochzeitsgesellschaft über den Kirchhof.

"Bei dem waren wir auch"

Der stellvertretende Bürgermeister, Christian Lauck, der zusammen mit seinem Bruder Andreas die Ausstellung eröffnete, freute sich, dass nun weitere Schätze seiner Familie öffentlich gemacht werden können. Er lud die Anwesenden ein, auf den Bildern nach bekannten Gesichtern, Urahnen oder eigenen Erinnerungen zu suchen. Und tatsächlich: Der Lehrer Adolf Vogel wird gleich erkannt, "bei dem waren wir auch", stellen drei Herren sogleich fest. Und der Fahnenträger auf dem Bild mit dem Festzug – ist das nicht der eigene Schwiegervater? Die Dame ist nicht ganz sicher. Solche Bemerkungen sind wichtig für die Verantwortlichen der Ausstellung, schließlich ist das einer der letzten Chancen, noch halbwegs Zeitzeugen oder zumindest deren Kinder zu den Ereignissen zu befragen.

Landtagsabgeordneter Volkmar Halbleib zeigte sich beeindruckt von der hohen Qualität der Bilder, sowohl technisch als auch aus fotografischer Sicht. "Es ist wichtig, dass es in einem Ort Menschen gibt, die sich um die eigene Geschichte kümmern. Und so habe ich das in Segnitz immer erlebt", lobte er das Engagement der Museums-Verantwortlichen. Gemeint war damit vor allem Nobert Bischoff, der – so beschrieb es Christian Lauck – "wirklich an jedes Detail denkt". Aber natürlich auch die Helferinnen und Helfer, die für Kaffee und Kuchen sorgten und auch an den anderen Museumssonntagen für die Gäste da sind.

Die Ausstellung "Erinnerungen auf Glas Teil II" ist noch bis 23. Oktober im Dorfgemeinschaftshaus, Sulzfelder Straße, zu sehen. Geöffnet immer sonntags von 14 bis 17 Uhr oder nach Vereinbarung unter Telefon (09332) 9138 oder (09332) 5932454.