Castell
Entscheidung gefallen: Castell saniert seine Kläranlage
Die Kläranlage der Gemeinde Castell ist in die Jahre gekommen. Der Gemeinderat entschied sich nun für eine rund fünf Millionen Euro teure Sanierung.
Foto: Andreas Stöckinger
Castell – Der Gemeinderat hat sich in seiner Sitzung mehrheitlich gegen Anschluss an das Wiesentheider Abwassersystem entschieden. Die Sanierung soll etwa 5,3 Millionen Euro kosten.

Die Kuh ist vom Eis beim Thema Kläranlage in Castell. In seiner jüngsten Sitzung entschied sich die deutliche Mehrheit des Gemeinderates für eine Sanierung der eigenen Anlage. Lediglich zwei der neun Stimmberechtigten votierten für den als Alternative im Raum stehenden künftigen Anschluss an die Abwassereinrichtung in Wiesentheid. Für diese Lösung hatte sich die Nachbargemeinde Abtswind ausgesprochen.

Rund 5,3 Millionen Euro muss die Gemeinde nun laut der Schätzung eines Ingenieurbüros in die Ertüchtigung der eigenen Anlage investieren. Rechnet man die Betriebskosten für die nächsten Jahre hinzu, sind es 11,3 Millionen. Für den Anschluss nach Wiesentheid wäre laut der Berechnung ein Betrag von 5,5 Millionen Euro gewesen, mit Betriebskosten 10,8 Millionen Euro. Eine Entscheidung des Casteller Gremiums in der Frage war dringend notwendig, auch weil die beiden anderen Gemeinden, Wiesentheid und Abtswind, darauf warten.

Zwei Varianten mit Vor- und Nachteilen

Die Gemeinde Castell hat für ihre bisherige Anlage, eine 1970 gebaute Teichkläranlage, eine Betriebserlaubnis bis vorerst Ende des Jahres. Diese werde nur so lange weiter verlängert, bis die neue Lösung fertig ist, hieß es. Bevor die Entscheidung in der Ratssitzung fiel, debattierten die Räte noch einmal intensiv über die Vor- und Nachteile der beiden Möglichkeiten. Bürgermeister Christian Hähnlein erinnerte zunächst daran, dass man sich nun mehr als zwei Jahre intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt habe. Etliche Sitzungen, Bürgerversammlungen und Besprechungen mit Fachleuten sowie den Nachbargemeinden habe es in dieser Zeit gegeben. Erst am Tag vor der Sitzung hatten die Casteller Gemeindevertreter noch einmal ein Treffen mit Zuständigen des Wasserwirtschaftsamts, sowie der Gemeinden Wiesentheid und Abtswind.

Bei der Zusammenkunft konnten einige Punkte, die aus Casteller Sicht fraglich waren, nicht geklärt werden. Das war etwa die Frage, welche rechtliche Form der Verbund im Fall eines Anschlusses nach Wiesentheid bekommen solle. Dazu sei nicht deutlich geworden, ob die im Fall einer Reparatur an der Leitung anfallenden Kosten lediglich Abtswind und Castell bezahlen müssten. Als Drittes führte Hähnlein an, dass nicht endgültig klar sei, ob der Sambach als aufnehmendes Gewässer in Wiesentheid auch in Zukunft geeignet sei.

Eigenständigkeit ist ein wesentliches Kriterium

Schließlich stellte Bürgermeister Hähnlein für beide Varianten die aus seiner Sicht Vor- und Nachteile gegenüber. Baue man selbst, habe man die Kosten im Blick, argumentierten später auch die Gemeinderäte Volker Hartmann und Manuel Kaul. Für sie, wie auch für die anderen Räte, war der Punkt Eigenständigkeit der Gemeinde in der gesamten Frage wesentlich.

Auf der Gegenseite argumentierte Gemeinderätin Brigitte Horak, dass die Gemeinde Wiesentheid genauso wirtschaftlich in der Frage entscheiden werde, was die Kosten für die Erweiterung der dortigen Anlage betreffe. Sie stellte heraus, dass jede der beiden Varianten Unsicherheiten enthalte. Horak wies darauf hin, dass die Firma, die Castell das Angebot zum Bau einer eigenen Kompakt-Kläranlage unterbreitet hat, bisher nicht über Erfahrung mit vergleichbaren Anlangen verfüge. Der zweite Bürgermeister Michael Rufer verwies auf die Fragen nach der Entsorgung des Klärschlamms und den zusätzlichen Aufwand an Personal. Nicht nur deswegen favorisiere er eine Lösung mit Wiesentheid.

Belebungsanlage mit 20 Jahren Laufzeit

Nachdem nun die Entscheidung in Castell zugunsten einer Ertüchtigung der eigenen Anlage gefallen ist, wird in Zukunft wohl auch das Abwasser aus Wüstenfelden nach Castell geleitet. Für den Ortsteil besteht noch eine eigene Anlage, die jedoch nicht im bisherigen Modus weiter betrieben werden darf. In Castell soll Kompakt-Kläranlage als sogenannte Belebungsanlage entstehen. Diese sei auf eine Nutzung von 20 Jahren ausgelegt, hieß es. Für den gleichen Zeitraum würde zunächst auch die Genehmigung der Anlage in Wiesentheid ausgestellt.