Kitzingen
Für Demokratie und Grundrechte eintreten
Zum Eintreten für Demokratie, Gemeinsinn und Menschenrechte riefen bei der Ge(h)wissen-Demonstration (von links) Astrid Glos, Hanja von Wietersheim, Gerhard Spöckl, Albina Baumann, Markus Hümpfer, Gerald Möhrlein und Kersten Baderschneider.
Zum Eintreten für Demokratie, Gemeinsinn und Menschenrechte riefen bei der Ge(h)wissen-Demonstration (von links) Astrid Glos, Hanja von Wietersheim, Gerhard Spöckl, Albina Baumann, Markus Hümpfer, Gerald Möhrlein und Kersten Baderschneider.
Foto: Hartmut Hess
Kitzingen – Der Arbeitskreis Ge(h)wissen erhebt schon seit fünf Jahren mit einer Demonstration auf dem Kitzinger Marktplatz seine Stimme für Demokratie und Menschenrechte sowie gegen Intoleranz. Heuer war die Kundgebung in Zeiten des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine aktueller denn je. Nicht nur Kitzingens Bürgermeisterin und Integrationsbeauftragte Astrid Glos beklagte, dass intolerante Strömungen in unserem Land zunehmen.

Mehrere Rednerinnen und Redner äußerten ihr Unverständnis darüber, dass mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin ein Mann unschuldige Menschen in den Kriege ziehen und andere töten lasse und damit dem Weltfrieden aus den Angeln gehoben habe. "Wir müssen unseren guten und gemeinsamen Weg für Demokratie und Menschenrechte fortsetzen", sagte Astrid Glos.

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Markus Hümpfer schilderte, dass er als ein nach der deutschen Wiedervereinigung geborener Mann an ein geeintes Europa geglaubt habe und sich nicht vorstellen konnte, mitten in Europa einen Krieg erleben zu müssen. "Wir waren lange blind in Bezug darauf, dass überall die Menschenrechte gelten würden", hielt der Sozialdemokrat unserer Gesellschaft einen Spiegel vor. Derweil mache es ihn stolz, wie unsere Gesellschaft schon seit 2015 immer wieder große Flüchtlingswellen aufnehme.

Gerald Möhrlein, Kreisvorsitzender der Arbeiterwohlfahrt, rief alle dazu auf, parteiisch Haltung für Grundrechte einzunehmen, und er stufte die Freiheit als die Schwester der Demokratie ein. Inzwischen würden 22 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland leben. Albina Baumann, Kreisvorsitzende und stellvertretende Bundesvorsitzende der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland, sprach die "unglaubliche Hilfsbereitschaft" der Deutschen an. Freilich gebe es auch Intoleranz, dumpfe Parolen und Internet-Hetze. Baumann kritisierte, dass die Russlanddeutschen von Teilen der Bevölkerung mit Klischees auf ihre Herkunft reduziert würden. Sie zitierte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mit dem Satz: "Wer nicht aus der Geschichte gelernt hat, beginnt Fehler zu wiederholen".

Die evangelische Dekanin Kerstin Baderschneider ging auf vielfältige Krisen seit dem Corona-Ausbruch ein und geißelte aus dem rechten Flügel unserer Gesellschaft "rechtpopulistische und manipulative Rhetorik", die paranoide Angst erzeugen würde. Ihr katholischer Amtskollege Gerhard Spöckl würdigte die menschliche Willkommenkultur, die im Kitzinger Land praktiziert würde. Markus Hümpfer erzählte, dass er in seinem Berliner Büro eine Praktikantin aus Belarus gehabt habe, die sich schwer beeindruckt darüber gezeigt habe, dass in Deutschland junge Leute wie bei Fridays für future und andere Menschen auf die Straßen gingen um ihre Meinung kund zu tun – ohne mit Repressalien rechnen zu müssen.

Hanjo von Wietersheim vom Arbeitskreis Ge(h)wissen freute sich, unter den rund 50 Besucherinnen und Besuchern auch Vizelandrat Robert Finster und weitere Kommunalpolitiker begrüßen zu können. Für die musikalische Begleitung sorgten Timo Lechner und seine Schwester Eva Lechner.

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