Kitzingen
Kitzingen und Montevarchi wollen Partnerschaft wiederbeleben
Montevarchis Bürgermeisterin Silvia Chiassai Martini und Kitzingens Oberbürgermeister Stefan Güntner waren sich einig: Die Partnerschaft ihrer Städte soll wiederbelebt werden.
Foto: Ralf Dieter/Stadt Kitzingen
Spontan mitgelaufen: Am Vorabend erfuhr OB Stefan Güntner von einem 13-Kilometer-Lauf rund um Montevarchi. Am nächsten Morgen war er am Start. Nach einer Stunde und 27 Minuten war die Laufgruppe am Ziel.
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In vier verschiedenen Arbeitsgruppen verabredeten Vertreter aus Montevarchi und Kitzingen das weitere Vorgehen der Städtepartnerschaft.
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Mit Gastgeschenken bedankte sich Kitzingens OB Stefan Güntner bei seiner italienischen Amtskollegin. Mit dabei: ein Jahreskalender mit Ansichten von Kitzingen.
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Kitzingen – Nach Jahren des Dornröschenschlafs wollen die deutsche und die italienische Stadt aufeinander zugehen und ihre Bürger zusammenbringen. Ein Neustart mit Blick auf das Jubiläum im Jahr 2024.

Der Austausch zwischen den Partnerstädten Kitzingen und Montevarchi soll wiederbelebt werden. Mitglieder von Arbeitsgruppen aus vier verschiedenen Themenbereichen verständigten sich bei einem Treffen in Italien grundlegend auf eine weitere Zusammenarbeit. Folgende Informationen sind einer Pressemitteilung der Stadt Kitzingen entnommen.

Nach acht Jahren Stillstand machte sich eine Delegation aus Kitzingen kürzlich auf den Weg in die Toskana. Vor 38 Jahren, am 15. April 1984, wurde in Montevarchi, etwa 40 Kilometer südlich von Florenz, eine Freundschaft besiegelt, die Jahrzehnte lang mit Leben gefüllt wurde, aber zuletzt eingeschlafen war. 2014 fand der letzte gegenseitige Besuch statt. Jetzt luden die Partner aus der Toskana Oberbürgermeister Stefan Güntner, den Vorsitzenden des Freundeskreises der Partnerstädte, Alt-OB Bernd Moser, und eine Delegation aus rund 30 Kitzinger Bürgerinnen und Bürger zu einem viertägigen Besuch ein.

Leitende Mitarbeiterinnen des Rathauses in Montevarchi versicherten dabei, dass die Kommune den Willen habe, die Städtepartnerschaft erneut mit Leben zu füllen. Bürgermeisterin Silvia Chiassai Martini wünschte sich in ihrer Ansprache, dass wieder Gemeinsamkeiten gefunden werden, während Kitzingens OB Stefan Güntner in seiner Antwort Optimismus verbreitete. Auf beiden Seiten sei spürbar, dass die Freundschaft wieder mit Leben gefüllt werden soll. "Und das werden wir auch schaffen", versicherte der OB.

Schwerpunkte in Schulen, Musik, Sport und Tourismus

Erste Anknüpfungspunkte wurden bereits in den Bereichen Musik, Sport, Schulen und Tourismus gefunden. Arbeitsgruppen mit Vertretern aus Montevarchi und Kitzingen tauschten ihre jeweiligen Erfahrungen aus und diskutierten mögliche Projekte. Denkbar ist beispielsweise ein gemeinsames Konzert der Big-Band der Musikschule von Kitzingen mit der Banda Giacomo Puccini von Montevarchi. Weitere Austauschprojekte könnten auf diesen Startpunkt folgen. "Wenn möglich, wollen wir dabei natürlich auch viele Kinder und Jugendliche einbinden", kündigte Christiane Moser als Vertreterin der Sparte Musik an.

Im Bereich Tourismus könnten gemeinsame Messeauftritte entwickelt werden. Auch denkbar: Schüler aus beiden Ländern drehen Videos, die Lust auf einen Besuch in der jeweiligen Region machen. "Wir sollten auf jeden Fall gemeinsame Aktivitäten entwickeln", schlug Alessandro Chimenti vor, Presidente von "Pro Loco Montevarchi", eines politisch unabhängigen Verbandes, der sich die Förderung von Kultur- und anderen Veranstaltungen auf die Fahne geschrieben hat. Das persönliche Erleben sei stets zielführender als die Verbreitung von abstraktem Wissen, erinnerte er und erntete zustimmendes Nicken von der Kitzinger Delegation.

Als verbindende Elemente zwischen den beiden Regionen nannte Kitzingens Vertreter in der Arbeitsgruppe Tourismus, Detlef Hildebrand, den Wein, die Landschaft, die Kultur und die Kunst. OB Stefan Güntner formulierte eine Frage an die italienischen Vertreter, aus der ein Auftrag an die eigenen Mitarbeiter erwachsen könnte: "Was können wir dazu beitragen, dass die Bürger aus Kitzingen und Umgebung in ihrem Urlaub nicht nur an den Gardasee oder nach Bibione fahren, sondern auch ein paar hundert Kilometer weiter in ihre Partnerstadt?"

Gemeinsame Aktionen beim TGK-Jubiläum

Fast 3000 Schülerinnen und Schüler besuchen das Schulzentrum etwas außerhalb von Montevarchi. Ein Pendant des deutschen Gymnasiums und einer Berufsschule zieht dort junge Menschen aus der gesamten Region an. Rund 250 junge Menschen lernen dort auch die deutsche Sprache. Die beiden Schuldirektoren betonten den großen Willen und Wunsch, die Partnerschaft wieder mit Leben zu füllen. Alt-OB Bernd Moser überbrachte die Botschaft von Schuldirektorin Monika Rahner, dass das AKG bereit sei für eine Wiederbelebung der Partnerschaft. Zwei italienisch sprechende Lehrkräfte könnten eingebunden werden.

Ideal wäre ein Austausch der Schüler in der 9. beziehungsweise 10. Jahrgangsstufe meinte Mathematik-Lehrer Christoph Sagstätter. Im kleineren Rahmen wollen die Vertreter der Schulen besprechen, ob ein nächster Besuch und weiterführendere Absprachen schon in den kommenden Herbstferien möglich sind.

Das 175-jährige Jubiläum der Turngemeinde Kitzingen im Jahr 2023 könnte den Rahmen für eine Annäherung im Bereich Sport sein. TGK-Abteilungsleiter Kurt Semmler kann sich jedenfalls vorstellen, eine italienische Delegation zu Wettkämpfen und sportlichen Vorführungen im kommenden Jahr einzuladen.   

Am Ende eines intensiven Vormittags einigten sich die Vertreter der beiden Delegationen, bis Ende des Jahres auf allen vier Ebenen Strukturen für einen intensiven künftigen Austausch zu schaffen. Bereits im kommenden Jahr sollen einzelne Projekte konkrete Formen annehmen. "Damit wir im Jahr 2024 unser 40-jähriges Jubiläum gemeinsam und in angemessenem Rahmen feiern können", so Sandra Nocentine, führende Mitarbeiterin im Rathaus von Montevarchi.

Einladung zum Gegenbesuch in Kitzingen

Zusammen mit ihren Kolleginnen und Kollegen hatte sie ein umfangreiches und abwechslungsreiches Besuchsprogramm für die Gäste aus Kitzingen auf die Beine gestellt. Die genossen vier Tage lang italienische Gastfreundschaft, informierten sich vor Ort über den Anbau von Wein und Oliven, besichtigten unter anderem eine Geflügelfarm und drei Museen.

Mit typisch fränkischen Geschenken bedankte sich OB Stefan Güntner am letzten Abend bei den wieder gewonnenen italienischen Freunden und sprach eine Einladung für das kommende Jahr aus. "Kommen Sie nach Kitzingen, damit wir unsere langjährige Freundschaft wieder auf eine solide Basis stellen können."