Mitwitz
Als der Krieg nach Mitwitz kam
Ein Junge mit weißer Fahne und erhobenen Händen geht voller Angst auf einen US-Soldaten zu. Im Hintergrund sind der Bahnhof von Leutendorf und ein brennender Waggon zu sehen.
Ein Junge mit weißer Fahne und erhobenen Händen geht voller Angst auf einen US-Soldaten zu. Im Hintergrund sind der Bahnhof von Leutendorf und ein brennender Waggon zu sehen.
Foto: Repro: Friedrich Bürger
Heinz Köhler
Heinz Köhler
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Der Mitwitzer Ehrenbürger und Hobbyhistoriker Heinz Köhler hat mit seinem neuen Buch „Als der Krieg nach Mitwitz und ins Steinachtal kam“ ein weiteres Kapitel der Heimatgeschichte aufgeschlagen. Es ist noch nicht lange her, dass er mit seinen Werken „Aus der Geschichte der Juden in Mitwitz“ und „Vom Werden des Landkreises Kronach“ seine heimat- und lokalgeschichtlichen Kenntnisse und Forschungen einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt hatte.

Warum er sich 77 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges ausgerechnet mit diesem Thema befasst hat, erläutert Köhler im Gespräch so: „Ich werde immer wieder auf das Kriegsende angesprochen; gerade von jungen Leuten. Dabei stelle ich fest, dass sie interessiert sind und zum Teil keine Vorstellungen haben. Verschiedentlich kennen sie wohl die allgemeinen Daten, aber sie haben keine Ahnung, wie es regional ausgesehen hat, zum Beispiel hier im Raum Mitwitz und im Steinachtal. Die damalige Situation kennen sie überhaupt nicht. Das hat mich veranlasst, dies in einem Buch aufzuschreiben und vor allem einen regionalen Bezug herzustellen.“ Zwar gebe es bereits einige einzelne Berichte und Erzählungen zu diesem Thema. Diese würden aber darunter leiden, „dass sie sich nur auf den Bereich Mitwitz erstrecken, die umliegende Gegend aber unberührt lassen“. Deswegen umfasse das Buch auch das Umfeld im Steinachtal und vor allem auch den Vormarsch der US-Truppen. Das sei insoweit etwas Neues.

Ausführlich schildert Köhler, welche Inhalte und Schwerpunkte er bei diesem komplexen und vielschichtigen Thema setzt: „Inhaltlich beschreibt mein Buch zunächst das Leben in Mitwitz in den 1940er Jahren und speziell gegen Ende des Zweiten Weltkrieges, also von Januar bis 13. April 1945, als die US-Truppen Mitwitz einnahmen. Dabei beziehe ich mich vor allem auf Aussagen von Zeitzeugen, weil sie die höchst angespannte menschliche Situation des Kriegsendes miterlebt haben.“

Weltberühmte Sängerin zu Gast

Einen besonderen Schwerpunkt lege er auch auf die Evakuierten, die Heimatvertriebenen, die Kriegsgefangenen, Arbeitsmaiden und die 40 Angestellten der Frankfurter Stadt- und Universitätsbibliothek unter Leitung von Friedrich Knorr.

Die Bibliothek sei von Ende 1943 bis Ende 1946 in 14 Gemeinden in den Landkreisen Coburg, Kronach und Sonneberg ausgelagert gewesen, mit Schwerpunkt im Mitwitzer Wasserschloss beziehungsweise im Gasthof Feick (Häublein). In diesem Zusammenhang schildert Heinz Köhler die Anwesenheit der später weltberühmten Sängerin Anneliese Rothenberger, die in Hassenberg untergekommen war.

Der Autor weiter: „Zum Kriegsende beschreibe ich noch vor allem den Vormarsch der US-Truppen, der 3. Armee unter General George S. Patton, die aus Neustadt bei Coburg über Fürth am Berg nach Mitwitz kamen. Die Einnahme von Leutendorf am 12. April 1945 wurde von amerikanischer Seite auf Film festgehalten. Bei den Kämpfen um Mitwitz und Gestungshausen kamen insgesamt drei US-Amerikaner zu Tode.“

Ein wichtiger Teil meines Buches beziehe sich zudem auf die unmittelbare Zeit von April 1945 bis Ende 1945, also der Besatzungszeit der Amerikaner. Im Anschluss schildere er die Vorkommnisse bei der beginnenden Teilung Deutschlands und dem Leben an der Demarkationsline zwischen dem amerikanischen und sowjetisch besetzten Gebiet, und schließlich erläutere er den Aufbau der Grenzsicherungsorgane.

„Zum Schluss beschäftige ich mich mit einem teils vergessenen Kapitel: dem Übergriff der sowjetischen Soldaten auf das Gebiet der amerikanischen Zone, also auf Bayern. Vor allem die Wustungen in Schwärzdorf und Kaltenbrunn haben darunter erheblich gelitten“, so Köhler.

Hier gibt’s das Buch

Das Buch enthält eine Fülle von Einzelheiten und ist eine systematische Zusammenfassung der Ereignisse im Jahr 1945 und darüber hinaus. Es ist mit etwa 50 Bildern versehen, hat 72 Seiten und einen festen Einband. Zu erhalten ist der Band zum Selbstkostenpreis von zwölf Euro im Rathaus der Marktgemeinde Mitwitz. fb