Kronach
Aufrüttelnde Texte
Maron Fuchs und Oliver Walter führten einander zu immer großartigeren Höhenflügen. Ein fantastischer Abend beim Kronacher Kunstverein.
Maron Fuchs und Oliver Walter führten einander zu immer großartigeren Höhenflügen. Ein fantastischer Abend beim Kronacher Kunstverein.
Foto: Rainer Glissnik

Im Kronacher Kunstverein gab es wieder eine Veranstaltung, die das Publikum begeisterte. Geschäftsführender Vorsitzender Willi Karl freute sich, dass mit Maron Fuchs und Oliver Walter Menschen auf der Bühne standen, die sich im Dichterwettstreit – dem Poetry-Slam – bereits einen Namen gemacht haben.

Maron Fuchs ist eine Meisterin des Poetry-Slams. Erst vor kurzem gewann sie beim Bayern-Slam. Somit ist sie auch bayerische Meisterin. Mit ihren persönlichen, poetischen und politischen Texten und mitreißenden Performances erobert sie die Bühnen. Gemeinsam mit dem Kabarettisten Oliver Walter trat sie im Kronacher Kunstverein auf. Der war hauchdünn im Finale des Bayern-Slam am Stechen vorbeigerauscht. 0,1 Punkte fehlten.

Beide gingen mit der Sprache und ihren Texten um, als ob es selbstverständlich wäre, so unglaublich viel Inhalt in einem vollen Abendprogramm mit so viel Gefühl und Emotion zu präsentieren – ohne Hilfsmittel, ohne Stichwortzettel – einfach alles im Kopf. Einfach grandios. In Kronach ergänzten sich beide auf herrlich vergnügliche Weise – gaben aber auch viel Nachdenkliches mit. Die gebürtige Weidenerin und heute in Bamberg lebende Maron Fuchs – demnächst mit Wohnung in Kronach – ist leidenschaftliche Autorin, Slam-Poetin und Lehrerin am Kronacher Frankenwald-Gymnasium. Oliver Walter aus Spalt bei Nürnberg ist Rhetorik-Trainer, freier Redner und Kabarettist.

190 Videos zum Eierkochen

Die Probleme unserer Zeit macht das Internet offenkundig. 190 Video-Editorials, wie man ein Ei kocht. 83 Rezepte für ein Käsebrot. Das gibt Oliver Walter zu denken.

Nicht immer hat Maron Fuchs das Gefühl, dass Scheitern ein Gewinn ist. Dennoch: „Du bist gefallen, steh wieder auf. Dabei ist es okay, nicht jede Aufgabe mit Bestnote zu bestehen. Wirklich gescheitert ist man doch erst, wenn man komplett aufgegeben hat und gar nichts mehr versucht. Auch Schwächen und Fehler sind menschlich, verflucht.“ Sprachgewaltig und schnell. „Das ist mir dann egal. Punkte sind am Ende eh nur eine Zahl.“

Kaum etwas ist in unserer Gesellschaft so anerkannt wie Stress und ein voller Kalender. Immer kreativere und manchmal auch skurrilere Vornamen, die Eltern ihren Kindern antun. Da war auch von zu homöopathisch vorhandenem Sperma die Rede. In der Folge führt so etwas zu Kinderwunschklinik und „Gewinnungsraum“.

Dies führte Maron Fuchs zu Bienchen und Blümchen. Sie leidet mit Natur und Umwelt, ist sie doch Imkerin. Bei ihrem kritischen Text über Beobachtungen in der Natur und immer wenn sie die Faust in die Luft streckte, schrie das Publikum „summ-summ-summ“. „Die Königin leidet, es geht ihr nicht gut. Weil ihr mehr als ihr eigener Schmerz wehtut. Sie weint um ihre Kinder, sie weint vor Trauer, weil sie einfach nicht versteht, wie es dazu kommen konnte. Warum niemand etwas tat. Die Zukunft vertan, für eine Gegenwart in Wohlstand, Dekadenz und Überfluss“, rüttelte sie auf.

„Nazis wie Frauen behandeln“

Oliver Walter hörte von einem amerikanischen Kabarettisten einen zunächst verstörenden Satz, aus dem er einen kompletten Text schrieb. „Die Welt wäre eine bessere, wenn man Frauen wie Nazis behandeln würde und Nazis wie Frauen.“ Dann würden Frauen bei gleicher Leistung für dieselbe Arbeit den gleichen Lohn bekommen. Nazis aber 20 Prozent weniger Lohn bekommen, nur weil sie Nazis sind. Es gab viel zu viele Vergleiche, die allzu deutlich machten, wie man mit Frauen umgeht.

Jeder hat die Kraft, etwas zu bewegen, wurde immer wieder aus den Texten deutlich. Ein schöner, kurzweiliger Abend mit ganz viel positiver Energie, und das ohne Mikrofon. rg

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