Kunstausstellung
Chris Roth sieht die Welt gefiltert
Chris Roth
Chris Roth
Foto: Norbert Neugebauer
Nordhalben – „Wir sind Bewohner einer gefilterten Welt. Unsere Realität ist niemals vollständig und immer konstruiert.“ Chris Roth, Stipendiatin der Bürgerinitiati...

„Wir sind Bewohner einer gefilterten Welt. Unsere Realität ist niemals vollständig und immer konstruiert.“ Chris Roth, Stipendiatin der Bürgerinitiative „NohA“ hat eine sehr spezielle Sicht auf die Dinge, wie ein Blick auf ihre Werke im Nordhalbener „Maxhaus“ zeigt.

Dass bei ihr Kunst und Psychologie einhergehen, ist naheliegend, sie hat beides studiert. Die Mediendesignerin aus dem Raum Heidelberg, Jahrgang 1979, konnte die Nordhalbener Jury mit ihren Arbeiten und Absichten für einen kostenlosen vierwöchigen Werksaufenthalt überzeugen. Aus 80 Bewerbungen erhielt sie den Zuschlag.

Bis 11. September ist sie noch Gast im Künstlerhaus und stellt ihre großformatigen Arbeiten in der Galerie im ehemaligen Laden aus. Die Arbeiten sind auch durch die großen Schaufenster gut sichtbar.

„Ich verstehe die menschliche Existenz als Prozess des Filterns, Ordnens, Auslassens, Bewertens. Auch ich bin menschgewordener Filter. Durch die gebrochene Linse meiner Erfahrungen, meiner Erwartungen, meinem Vergessen.“ Das hört sich kompliziert und etwas abgehoben an. Dabei ist die Künstlerin eine durchaus zugängliche Person auf der Höhe der Zeit, deren Schaffen aus dem Blickwinkel entsteht, den sie ganz bewusst für sich realisiert.

Sehr oft ist sie auch selbst der Ausgangspunkt, viel entsteht aus dem, was sie an eigenem Erleben verarbeitet. Ihre abstrakten Werke auf der einen Seite des Raums haben deutliche Züge eines Graffitis. „Aus meinem Kopf heraus“ entstünden ihre Bilder – und dass es da wohl recht wild zugeht, lässt sie gerne gelten. Ihre gegenständlichen Bilder auf Leinwand entstehen nach einem Foto auf dem Handy. Da finden sich auch Nordhalbener Motive. Mit verschiedenen Bildbearbeitungsprogrammen nimmt sie Farbveränderungen oder -umkehrungen vor, virtuelle Filter, von denen sie Hunderte auf ihrem Display abrufen kann. „Dabei gehen auch Details verloren, genauso wie wir bestimmte Dinge bei Sehen oder Erleben ausblenden und nur das übrig bleibt, was für uns wichtig ist“, beschreibt sie im psychologischen Kontext ihre zunächst rein digitale Arbeitsweise.

Und das funktioniert relativ schnell, wie sie gern am Beispiel der Nordhalbener Kirche zeigt, die binnen Sekunden so aussieht, wie bei den aufwändigen Lichtinstallationen früherer Aktionen. Wenn das verfremdete Produkt ihren Vorstellungen entspricht, überträgt sie es mit dem Pinsel auf die Leinwand. Wenn die zierliche Frau mit dem Cuttermesser über die Leinwände schlitzt, sieht das aus wie ein Akt der Gewalt. „Ist es aber nicht“, sagt sie. Kurzum: Chris Roths gefilterte Welt lohnt einen Besuch im „Maxhaus“. nn