Der Drache ist kein Ungetüm
Die beiden „Stars“ des Stücks, Isabella Moser und ihr Sohn Lenz Rybka, sowie Autorin Ruth Lehnhardt
Die beiden „Stars“ des Stücks, Isabella Moser und ihr Sohn Lenz Rybka, sowie Autorin Ruth Lehnhardt
Foto: Heike Schülein
Stockheim – Theater  Am Sonntag präsentiert das Marionetten-Theater „Muggnpfiffer“ sein neuestes Stück „Van Dausi und die Drachenflüsterin“ ab 17 Uhr in der Zecherhalle Neukenroth. Das Stück ist für Kinder ab drei Jahren geeignet.

„Mein Drachenmagen ist so leer. Ich hab jetzt richtig Appetit auf aromatische Pflänzchen“ – Der kleine Drache „Van Dausi“ ist aus einem fernen Land geflohen und ausgehungert in Fannys Garten gelandet. Dort wachsen die schönsten Blümchen, seine Leibspeise. Mit Wonne stürzt er sich auf sie. Daraufhin halten alle „Van Dausi“ – völlig zu Unrecht – für ein Ungetüm. Findet er am Ende doch noch Freunde?

Eine spannende Geschichte, die mit Witz, netten Einfällen und eingängigen Liedern aktuelle Themen wie Umweltschutz, Freundschaft und Solidarität aufgreift. Das ist das Erfolgsrezept der Formation „Muggnpfiffer“, die seit 1999 mit ihrer mobilen Marionettenbühne unterwegs ist, und am Sonntag endlich ihrem treuen Publikum ihr neuestes Werk vorstellen darf: „Van Dausi und die Drachenflüsterin“ – ein Stück, das aufruft, auf sich selbst zu vertrauen und anderen gegenüber unvoreingenommen und offen zu bleiben.

„Die Fabel entstand zu unserem 20. Bühnenjubiläum im Jahr 2019. Die Premiere war für April 2020 geplant, musste aber aufgrund des Lockdowns verschoben werden“, erzählt Ruth Lehnhardt, die die fantasievolle Geschichte geschrieben hat. Mit viel Herzblut entstanden durch die Hände der „Muggnpfiffer“ wieder viele liebenswerte Marionetten und dazu erstmals freche Klappmaul-Puppen sowie eine lustige Hand-und-Fuß-Puppe. „Ganz neu ist, dass in diesem Stück eine geheimnisvoll leuchtende Schwarzlichtszene eingebaut wurde“, verrät die Stockheimerin. Zwei der Lieder darin hat die damals zwölfjährige Emilia Kreul aus Wolfersdorf komponiert und zusammen mit ihrer Mutter Diane Texte dazu gedichtet. Durch die gelungene musikalische Umrahmung durch Martin Zehnter aus Neukenroth wurde das Stück zum kleinen Kunstwerk.

In der lustigen, spannenden Fabel wird der fremdartige Drache zunächst gefürchtet und soll verjagt werden. Das mutige Huhn Kuni schafft es schließlich mit Herz und Verstand ihn zu zähmen. „Keiner glaubt, dass ein Huhn einen Drachen besiegen kann, weil Hühner landläufig als dumm gelten sowie Drachen als charismatisch, stark und mächtig“, so die Autorin. Die eigentliche Heldin sei dann auch das Huhn, das von ihrer Freundin – dem bodenständigen Schaf Fanny – alleine zurückgelassen wird, um auf das Gartenparadies aufzupassen.

Mutiges Huhn

Erst sucht Kuni ängstlich Hilfe von außen, um den scheinbar gefährlichen Eindringling zu verjagen. Doch die spektakulären Ideen ihres herbeigerufenen Freundes Fitzafatzl 007 bleiben wirkungslos. „Schließlich vollzieht sich in ihr eine Verwandlung zum mutigen Huhn, das den Drachen zum Freund gewinnt“, erklärt die Marionettenspielerin. Eingesprochen wird das taffe Huhn von Isabella Moser aus Neuensee im Landkreis Lichtenfels, die wie auch Ruth Lehnhardt Gründungsmitglied der „Muggnpfiffer“ ist. „Zum Spielen fehlt mir leider mittlerweile die Zeit. Aber das Einsprechen und Singen habe ich gerne übernommen“, erzählt Isabella Moser, die voller Inbrunst ihr Huhn gackern ließ, selbst Melodien beisteuerte – und die Begeisterung für das Theater offensichtlich an ihren Sohn weitergegeben hat. Der damals Achtjährige lieh „Van Dausi“ seine Stimme. „Das war meine erste große Sprechrolle“, verrät Lenz Rybka stolz, der eigentlich erst für eine Nebenrolle vorgesehen war.

Da die Protagonisten allesamt Tiere seien, könne, so Ruth Lehnhardt, das Thema Rassismus spielerisch mit der Angst vor dem Fremden angesprochen und auf die Situation der Asylanten indirekt übertragen werden. „Zu Unrecht wird der andersartige Drache als Bösewicht gefürchtet und bekämpft. Am Ende entpuppt er sich als liebenswerter hilfreicher Freund“, so die Stockheimerin, die sich bei allen Mitwirkenden herzlich bedankt, habe sie diese doch vor große Herausforderungen gestellt.

Die 45-minütige Fabel eignet sich für Kinder ab drei Jahren. Der Eintritt beträgt 5 Euro an der Abendkasse. Es gilt die 2G-Regel. Zum Stück gibt es eine Hörspiel-CD, die für 8 Euro bei der Bäckerei Nikol in Neukenroth erworben werden kann.