Der Erinnerung einen Ort gegeben
Der von Heinrich Schreiber gestaltete Gedenkstein steht seit 20 Jahren und war Anlass zu einer Gedenkfeier.
Der von Heinrich Schreiber gestaltete Gedenkstein steht seit 20 Jahren und war Anlass zu einer Gedenkfeier.
Foto: K.- H. Hofmann
Gundelsdorf – Mahnmal  Vor 20 Jahren wurde auf Initiative der Evangelischen Jugend der Gedenkstein für die Opfer des KZ-Außenlagers Gundelsdorf errichtet. Aus diesem Anlass kam man zu einer würdevollen Gedenkfeier zusammen.

Aus Anlass des 20-jährigen Bestehens des KZ-Gedenksteins bei Gundelsdorf hatte die Evangelische Jugend zu einer beeindruckenden Gedenkfeier und einer Friedensandacht eingeladen. Mit dabei waren auch einige Weggefährten und Befürworter, die vor über 20 Jahren der Evangelischen Jugend bei ihrer Spurensuche nach dem KZ-Außenlager Gundelsdorf beistanden und Unterstützung gaben. Insbesondere der damalige Kronacher Bürgermeister Manfred Raum, die Gundelsdorferin Barbara Heinlein, Dekanatsjugendreferent Erich Gahnz und Religionspädagoge Martin Schinnerer und Pfarrer Reinhold König.

Auch Landrat Klaus Löffler, Bürgermeisterin Angela Hofmann, Dekanin Ulrike Schorn, Dekanatsjugendpfarrer Andreas Krauter und Kaplan Dominik Stehl waren der Einladung gefolgt, sprachen nachdenkliche Worte und mahnten zum Frieden.

Jugendreferent Erich Gahnz erinnerte an die Initiative zur Errichtung des Gedenksteins, der am 8. Mai 2002 installiert wurde und vom Kronacher akademischen Bildhauer Heinrich Schreiber aus einem Granitblock aus Flossenbürg kreiert wurde. Anfang der 1990er Jahre begab sich die Evangelische Jugend auf die Spurensuche nach der Nazi-Vergangenheit.

Ein Kreuzweg führte die Evangelische Jugend Ende der 1990er Jahre an das KZ-Außenlager Gundelsdorf, das eine von über 100 Außenstellen des KZ Flossenbürg gewesen ist. Vom 12. September 1944 bis 13. April 1945 waren hier 124 jüdische Häftlinge zur Zwangsarbeit in Baracken untergebracht. 107 Frauen und 17 Männer waren in Gundelsdorf und teils in Knellendorf unter unmenschlichen Bedingungen zur Arbeit gezwungen worden.

Aufgrund dieser Erkenntnisse entstand die Idee und Initiative zu einem Mahnmal. Schließlich wurde als Standort der jetzige Platz an der B 85 auserwählt, das Grundstück war der Intervention von Bürgermeister Raum zu verdanken. Mit der Gestaltung des Mahnmals wollte Bildhauer Heinrich Schreiber Folgendes ans Herz legen: Unter einem großen Stein befinden sich eine Masse bedrückter, erdrückter Geschöpfe Gottes. Und doch: „Trotz aller Hoffnungslosigkeit und Erniedrigung sind sie noch als einzelne Menschen zu erkennen. Mit individuellen Eigenschaften und Merkmalen. Dem System der Unterdrückung gelingt nicht der totale Sieg, die völlige Auslöschung. Man ist versucht, die Felsquader anzuheben, die Last von ihnen zu nehmen. Vielleicht ein Aufruf an uns Nachgeborene: Lasst nicht zu, dass Gottes Ebenbild, mit welcher Begründung auch immer, seiner Rechte und seiner Freiheit beraubt, erniedrigt und gequält wird. Stellt euch dazu, helft die Felsen wegzunehmen, mit denen sie daran gehindert werden sollen, Menschen zu sein!“

Dekanin Schorn und Bürgermeisterin Angela Hofmann dankten allen, die damals an diesem Mahnmal mitwirkten. Nach Schilderung eines Einzelfalls, der sie persönlich besonders betraf, war die Dekanin emotional sehr bewegt und trug einen Spruch vor, der auf dem Kreuzweg der EJ Oberfranken am 10. April 1998 in Gundelsdorf verfasst wurde. „Wir können ihnen nicht ihr Leben zurückgeben, nicht ihren Namen; nicht ihre Würde; ihre Leiden nicht lindern, ihre Kreuzwege nicht ungeschehen machen, aber wir können uns ihrer erinnern und dieser Erinnerung Gestalt verleihen!“

Für die katholische Kirche sprach Kaplan Dominik Stehl Respekt, Anerkennung und Dank an die EJ für ihre Weitsicht vor 20 Jahren, sich für einen solchen Gedenkstein zu engagieren. Denn Gedenken sei mehr als Erinnerung. Ein Gedenkstein mache die Erinnerung lebendig. Die würdevolle Gedenkfeier wurde musikalisch von Jugenddiakon Matthias Bär mit Gitarre begleitet. Mit bewegenden Liedtexten und Gebeten, aber auch mit Gedanken und Aussagen zu Krieg und Frieden ging die Gedenkfeier zu Herzen und berührte die Seele, denn niemand konnte sich noch vor einigen Wochen vorstellen, dass es 77 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges wieder ein Kriegsgeschehen in Europa gibt. Pfarrer Reinhold König fasste es in die Worte: „Die Menschheit wird immer intelligenter, klüger, erforscht immer mehr und weiß immer mehr. Der Mensch ist in seinem innersten Wesen edel, hilfreich und gut. Er ist von einer Menschlichkeit erfüllt, die ihn vor der letzten Grausamkeit zurückschrecken lässt. Doch die Gegenwart lehrt uns etwas anderes. Der Mensch ist zu allem fähig!“ eh

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