Flakonglasmuseum startet durch
Glasmachen und Glasflakons – darum dreht sich alles im Europäischen Flakonglasmuseum in Kleintettau. Nun ist es wieder zugänglich.
Glasmachen und Glasflakons – darum dreht sich alles im Europäischen Flakonglasmuseum in Kleintettau. Nun ist es wieder zugänglich.
Foto: Gerd Fleischmann
Kleintettau – Freizeit  Das „gläserne Paradies“ in Kleintettau hat zum Neustart nach der Corona-Pandemie so einiges vor.

Seit Monaten stecken die Museen im Würgegriff der Corona-Pandemie, darunter auch das Europäische Flakonglasmuseum in Kleintettau. Dies war für die Glasbewahrer unter Leitung von Carl-August Heinz und Wolfgang Hammerschmidt eine bittere Pille, zumal in den vergangenen zwölf Jahren viel Zeit und Geld in das „gläserne Paradies“ investiert worden war.

Zumindest ein interaktiver Online-Museumsbesuch war möglich. Aber jetzt hoffen die Betreiber wieder auf ein gewisses Maß an Normalität. Die Einrichtung kann künftig nicht von Montag bis Freitag jeweils von 8 bis 17 Uhr, sondern auch an den Samstagen von 10 bis 16 Uhr besucht werden. An jedem ersten Samstag im Monat findet als besondere Attraktion eine Halbautomatenführung statt.

An Sonn- und Feiertagen öffnet das Museum nur für Gruppen ab 30 Personen. Hierfür muss man sich vorher unter Telefon 09269/77-100 oder online unter www.flakonglasmuseum.eu anmelden. Die Öffnung des Glascafés ist ebenfalls vorgesehen (Telefon 09269/77-104). Weiterhin finden nach wie vor Online-Führungen statt.

Das 2008 eingeweihte Spezialmuseum für edle Parfümflakons – mittlerweile von 60 000 Interessenten besucht – ist in den Räumen der Firma Heinz-Glas untergebracht. Ein Alleinstellungsmerkmal ist vor allem der Blick in die Flakonproduktion der Firma. Museumsleiter Sandro Welsch: „Hier können die Besucher den Lärm, die unglaubliche Hitze sowie die atemberaubende Geschwindigkeit der vollautomatischen Glasproduktion sinnlich erfahren.“ Vor allem werde der Bogen gespannt von der Mundglasherstellung über die Halbautomatentechnik bis hin zur vollautomatischen Produktion von Parfümflakons.

2500 Objekte aus einer Sammlung

Die Münchner Sammlerin Beatrice Frankl hat an die 2500 Objekte ihrer Flakons des 20. Jahrhunderts dem Museum übereignet. Ein Glücksfall sei außerdem – versichert der Museumsleiter – die Schenkung einer Privatsammlung zur Kosmetik- und Duftkultur der DDR. Derzeit werde mit Hochdruck am Präsentationskonzept gearbeitet.

Beim Rundgang durch das Museum wird gezeigt, wie in Mesopotamien und im alten Ägypten kleine Duftbehältnisse hergestellt wurden. Ein Ausstellungsraum widmet sich dem Thema Duftherstellung und der Zusammensetzung von Düften. Die „Glashöhle“ lässt vor allem die Herzen der jüngeren Besucher höherschlagen. Aufgrund des 400-jährigen Bestehens des Glasmacherortes Piesau, dem einstigen Produktionszentrum für Glasflakons in der DDR und der Wiege der Familie Heinz, ist die neue Dauerausstellung „Der Duft der kleinen Freiheit“ vorgesehen.

Bewegungsmelder installiert

Mit dem Neustart-Programm des Bundes ist es laut Ute Schaller gelungen, finanzintensive Projekte in Angriff zu nehmen. Erwähnt seien hier stellvertretend eine computerbasierende Fotobox zur Dokumentation der Sammlungsbestände und der Austausch aller Medienstationen der Dauerausstellungen. Letzteres war auch ausschlaggebend für die Umrüstung der Ausleuchtungsanlagen von Räumen und Vitrinen mit Bewegungsmeldern.

Wie Sandro Welsch ausführt, werde im Rahmen des Neustarts eine digitale Landkarte der DDR erstellt, durch welche das Forschungsprojekt zur „Parfümerie- und Kosmetikkultur der DDR“ im kommenden Jahr einen krönenden Abschluss finden wird. Unter anderem werden damit interaktiv alle bis dato recherchierten 188 Hersteller aus den Themengruppen Duftessenzen, Parfüm- und Kosmetik, Seifen, Zulieferer, Zusatzprodukte und Hohlglasproduzenten erstmals in Gänze für die Öffentlichkeit fassbar.