Friedersdorf ist stolz auf seine Kapelle
Pfarrer Detlef Pötzl (Mitte) zu Besuch in der Marienkapelle in Friedersdorf. Links Mesner Klaus Dehmel (links), rechts Pfarrgemeinderat Stefan Löffler.
Pfarrer Detlef Pötzl (Mitte) zu Besuch in der Marienkapelle in Friedersdorf. Links Mesner Klaus Dehmel (links), rechts Pfarrgemeinderat Stefan Löffler.
Foto: K.-H. Hofmann
Friedersdorf – Die katholische Glaubensgemeinschaft in Friedersdorf kann auf zwei Jubiläen ihrer Marienkapelle blicken, wegen Corona fallen Feierlichkeiten aber aus.

Friedersdorf —  Dekan und leitender Pfarrer im Seelsorgebereich Frankenwald, Detlef Pötzl, stattete erstmals dem kleinen Frankenwaldort Friedersdorf seinen Besuch ab. Der Anlass waren gleich mehrere Jubiläen der kleinen Marienkapelle im Ort. Pötzl folgte der Einladung der katholischen Glaubensgemeinschaft der circa 190-Seelen-Gemeinde.

Sicher hätten es die Anlässe verdient, mit Sang und Klang gefeiert zu werden, aber die Corona-Pandemie hat dies verhindert, so dass der Geistliche in aller Bescheidenheit und ohne Gottesdienstfeier der kleinen Gemeinschaft die Ehre erwies. Ein wunderschöner Ort, sagte er erstaunt im Beisein der beiden ortsansässigen katholischen Gemeindemitglieder, Mesner Klaus Dehmel und Pfarrgemeinderat Stefan Löffler. Sie informierten über die Jubiläen des kleinen, aber feinen und schmucken Gotteshauses.

Die katholischen Christen in dem kleinen beschaulichen Frankenwaldort Friedersdorf, ein Gemeindeteil des Marktes Pressig, schafften es in den vergangenen 150 Jahren gleich zweimal, für die kleine Glaubensgemeinschaft ein eigenes Gotteshaus zu errichten. Am 1. Mai 1895 wurde die Marienkapelle Friedersdorf durch den Dechanten von Rothenkirchen, Geistlicher Rat Ziegler, feierlich eingeweiht. Im vergangenen Jahr war somit schon 125-jähriges Jubiläum. Die Bäuerin Maria Büttner (Haus-Nummer 26) machte es damals möglich, durch die Überlassung des Grundstücks und sämtlichen Materials, dass am südlichen Ortsausgang von Friedersdorf eine Kapelle errichtet werden konnte.

In nur sechs Monaten entstand der 8,5 Meter mal 6,5 Meter große Holzbau mit Türmchen. Der Altar wurde von Maria Fehn gestiftet. Das Glöcklein wurde vom Bamberger Glockengießer Lotter geliefert. Die kleine Glocke musste allerdings im Ersten Weltkrieg eingeschmolzen werden. Die Kapelle hat zwar zwei Weltkriege überlebt, aber es mangelte in dieser Zeit auch an Hege und Pflege. Es wurden in diesen Jahrzehnten kaum noch Gottesdienste abgehalten.

Lehrer Heer war der Initiator

Nach dem Zweiten Weltkrieg kam der Wunsch nach Erneuerung der Kapelle auf. Es fehlte aber ein Initiator. Dieser fand sich 1949 in dem neu nach Friedersdorf gekommenen Lehrer und späteren Ehrenbürger Adolf Heer. Dem auf seine Initiative gegründeten Kapellenbauverein traten am 8. Dezember 1949 spontan 44 Bürger bei. Der Verein besteht auch heute, nach über 71 Jahren, erwähnt Stefan Löffler voller Stolz. Man zögerte nicht, einen Kapellenneubau zu beschließen. Es konnten auch schon 50 Festmeter Langholz und die zum Bau nötigen Hand- und Spanndienste festgehalten werden. Noch vor Weihnachten, am 20. Dezember 1949, legt Architekt Hager aus Pressig die Pläne vor.

Im Januar 1950 begann der Abriss der alten Kapelle. Es dauerte bis 1955, um alle bürokratischen Hürden zu nehmen und die behördlichen Genehmigungen zu bekommen. Am 25. Juli 1955 erfolgte der erste Spatenstich. Am 7. Oktober 1956, also vor 65 Jahren, wurde die Einweihung des Kirchleins, damals mit Teilnahme von über 1000 Gläubigen, so ist der Chronik zu entnehmen, und einem Pontifikalamt von Weihbischof Landgraf, gefeiert. Die Rosenkranzkönigin und Gottes Mutter Maria wurde zur Patronin der Kirche auserkoren.

Dank zweier Stifter erhielt das Kirchlein sogar zwei Glocken. Eine hat der Förderer Josef Will aus Bamberg gestiftet, die zweite Glocke ist ein Geschenk des Friedersdorfer Crispin Nieblich. Sie wurde vermutlich im Jahr 1749 in Frankfurt/Main gegossen und ist somit über 270 Jahre alt. So geht es aus der Chronik hervor, die anlässlich der 800-Jahr-Feier von Friedersdorf im Jahr 1995 herausgegeben wurde.

Die etwa 190 Einwohner in Friedersdorf sind stolz auf ihre eigene Dorfkapelle, die in den Sommermonaten im Jahr 2010 grundlegend renoviert und saniert wurde. Federführend war dabei für die Katholische Kirchenstiftung St. Bartholomäus Rothenkirchen als Träger, der Kirchenpfleger Hans Möckel (er ist im Dezember 2020 verstorben) und als Architekt Bernhard Wich aus Pressig. Insgesamt schluckte die Renovierung rund 57 000 Euro.

In den wenigen Monaten an Bauzeit wurden das Dach und die Außenfassaden komplett erneuert. Rund 10 000 Euro kamen von den Friedersdorfer Gläubigen durch Eigenleistung und Spende hinzu. Aber auch der Innenraum, von der Decke über Wände, Empore und Altarraum mit sakralen Statuen und Skulpturen wurde gereinigt und renoviert. Als besonders aufwendig erwies sich hierbei die Sanierung der schadhaften Decken- und Wandflächen, an denen Gewebe- und Putzstrukturen angebracht werden mussten. Als gelungen können auch die Bleiverglasung mit punktueller Buntglasverzierung bezeichnet werden sowie die komplette Neugestaltung der Empore mit Holzelementen.

Mesner Klaus Dehmel betonte, dass die Friedersdorfer schon immer mit Herzblut ihre Kapelle gehegt und gepflegt haben, sie ist inzwischen als historisches Baudenkmal anerkannt. Mit der Spende der sakralen Statue der Rosenkranzkönigin machte der ehemalige und inzwischen verstorbene Ortsgeistliche Pfarrer Rudolf Montag den Friedersdorfern ein besonderes Geschenk.

Pfarrer Pötzl freute sich über die ehrenamtliche Initiative der kleinen Friedersdorfer Gemeinschaft und dankte für das, was hier geschaffen wurde und erhalten wird. Ein besonderes Vergelt's Gott sprach er Mesner Klaus Dehmel für seine jahrzehntelangen Dienste zur Erhaltung und Pflege von Kirche und Grundstück aus. Er erwähnte, dass eine Kirche nicht nur Baudenkmal sein soll und darf. Die Kirche sollte "ein Raum des Gebets und der Begegnung mit Gott sein und so zum Ausdruck des lebendigen Glaubens einer Dorfgemeinschaft werden". Pötzl verwies darauf, dass Erzbischof Ludwig Schick immer davon spreche, dass Kirchen "durchbetete Räume" sein sollen. Die Anstrengungen der Pfarrgemeinde werden also darauf liegen müssen, dass man "immer wieder zum Gebet und zum Gottesdienst einladen wolle".

Rühriger Mesner

Stefan Löffler dankte im Namen der Friedersdorfer dem Pfarradministrator für seinen Besuch und seine ermunternden Worte. Er hob hervor, dass vor allem Mesner Klaus Dehmel sich besondere Verdienste um das Gotteshaus erworben hat, seit Jahrzehnten pflegt er die Kapelle und das Grundstück.

Seit geraumer Zeit macht das Harmonium etwas Sorge, da es nicht mehr die notwendige Klangfülle hervorbringe und man daher in Zukunft ein neues Instrument anschaffen müsse. Es wäre schön, wenn sich dafür ein Mäzen oder Spender finden würde. Lieder und Gesänge bei Gottesdienstfeiern anstimmen zu können sei ein Wunsch der Friedersdorfer Christen.