Fünf Minuten für 150 Jahre
Förster Wilfried Pförtsch (knieend) bildete „Pflanz-Scouts“ aus. Nach einem Theorieteil folgte die Praxis: das Anpflanzen von 150 Buchen bei Hain.
Förster Wilfried Pförtsch (knieend) bildete „Pflanz-Scouts“ aus. Nach einem Theorieteil folgte die Praxis: das Anpflanzen von 150 Buchen bei Hain.
Foto: Heike Schülein
Hain – Natur  Förster Wilfried Pförtsch bildet „Pflanz-Scouts“ aus. Kürzlich wurden bei Hain 150 Buchen in den Boden gesetzt.

Es hat geschneit. Ungeachtet des ungemütlichen Wetters machen sich drei warm eingepackte Männer und drei Frauen auf, dem Wald bei Hain etwas Gutes zu tun. Nachdem ihnen Förster Wilfried Pförtsch bereits am Vortag fachliche Informationen zu den Auswirkungen des Klimawandels an die Hand gegeben hat, geht es nun in die Praxis. Bestens ausgerüstet mit wetterfester Kleidung, Gummistiefeln, Arbeitshandschuhen sowie Spaten und Schaufeln steht für sie das Anpflanzen von rund 150 Buchen-Wildlingen auf dem Programm.

„Das ist das beste Pflanzwetter. Die Pflanzen haben es gut feucht und können nicht austrocknen“, schmunzelt Wilfried Pförtsch, während er in die doch etwas skeptischen Gesichter der Teilnehmer sieht. Am Reinberg hat sich der Leiter des Sachausschusses „Land und Umwelt“ des Diözesanrats am  Erzbistum Bamberg, Burkhard Fath, mit Ehefrau Veronika Fath ebenso eingefunden wie Mario Thomas, ein Freund der Familie, der sich sehr für den Themenkomplex Holz und Wald interessiert. Komplettiert wird die Runde von den seit Jahrzehnten in der Kirche aktiven Eheleuten Fritz und Heidi Stehl sowie von Pastoralreferentin Birgit Janson aus Marktgraitz.

„Gebt euch Mühe und lasst euch Zeit. Buchen können 150 Jahre und älter werden. Das sollte einem die fünf Minuten Arbeit schon wert sein“, appelliert der Förster an die Pflanztruppe. „Je mehr Pflanzen auf der Fläche stehen, desto besser“, verdeutlicht der zertifizierte Waldpädagoge, der auf die immense Bedeutung unserer Wälder verweist. „Die Klimakrise zeigt, dass der Wald erhöhter Aufmerksamkeit bedarf; er ist in Gefahr. Seit spätestens drei Jahren ist auch hier sichtbar, mit welcher Wucht der Klimawandel auf die Wälder einwirkt“, beklagt er. Die gegenwärtige Wettersituation sei immerhin ein kleiner Trost.

Um weitere Schäden am Wald und am verwertbaren Holz zu verhindern, gelte es, rasch zu reagieren. „Wir brauchen eine Wiederbepflanzung mit klimatoleranten Baumarten“, mahnt der Thurnauer. Es sei nicht garantiert, dass dies bei weiterer Trockenheit gelinge und Jungpflanzen bei der nächsten Dürre nicht erneut ausfielen. Nötigenfalls müssten diese wiederholt gepflanzt werden. Es lasse sich mancherorts absehen, dass Waldbesitzer den Anforderungen nicht mehr gerecht werden könnten. Hätten diese keine Nutzungsaussicht an ihrem Wald, verlören sie einen wichtigen Teil ihrer Motivation. „Damit drohen die Leistungen des Waldes, die gleichzeitig die Anforderungen der Gesellschaft stillen, verloren zu gehen“, verdeutlicht der Förster.

Noch immer gebe es Menschen, die die Lage verkennen. Hier setzt der Sachausschuss „Land & Umwelt“ für die am schwersten betroffenen Waldgebiete im Einzugsgebiet der Erzdiözese Bamberg an. Wichtiger Bestandteil hierbei ist die zweitägige Ausbildung in lokalen Volkshochschulen. Mit dem nötigen Know-how sollen die Pflanz-Scouts auf Anfragen von Schulen, Firmlingen, Konfirmanden oder Gartenbauvereinen reagieren und auch Waldbesitzer beraten. Von einer gesamtgesellschaftlichen Herausforderung spicht Wilfrid Pförtsch. Diese könne nur gemeinsam gelöst werden.

Weitere Infos und Termine unter https://www.waldwerkstatt.eu.