Lahm
Geheimnis um Grabdenkmal in Lahm
Im 16. Jahrhundert wurde das Denkmal errichtet.
Im 16. Jahrhundert wurde das Denkmal errichtet.
Foto: Roland Schönmüller

Der Zahn der Zeit ging auch am Frankenwald nicht spurlos vorüber: Das 505 Jahre alte Sandstein-Grabdenkmal in Lahm birgt noch so manches Geheimnis. Die meisten Einheimischen kennen es. Manche Besucher von Friedhof und Kirche bewundern es: Es handelt sich um ein außerordentlich seltenes, altehrwürdiges Grabdenkmal in Lahm aus dem Jahr 1517. Der historisch wertvolle Grabstein ist angebracht an der südwestlichen Innen-Mauerwand des um die Kirche angelegten Gottesackers und zeigt ein kniendes und betendes Ehepaar mit dem gekreuzigten Christus in der Mitte.

Wie kam es zur Aufstellung? Anfang des 16. Jahrhunderts gab es in Hesselbach die ritterliche Adelsfamilie von Zeyern. Weitere Linien dieses Adelsgeschlechtes bestanden auch in Friesen und Zeyern. Es ist anzunehmen, dass dieses Grabdenkmal von einem Ehepaar der Adelsfamilie von Zeyern zu Hesselbach gestiftet wurde und am ursprünglichen Aufstellungsort (wohl inner- oder außerhalb der damaligen Kirche) an der Mauerwand in senkrechter Position (nicht am Boden) angebracht war.

Kinderlose Ehe?

Der Ritter (links) ist mit Waffenrock und eingezogenem Schwert abgebildet. Die Ehefrau (rechts vom Kreuz) wird gezeigt mit langem Kleid, Halskrause und Haube. Kinder fehlen als Darstellung auf dem Sandstein-Relief.

Vielleicht blieb die Ehe kinderlos? Die Blicke der beiden Adeligen sind nicht auf den Gekreuzigten oder auf einen potentiellen Betrachter gerichtet, sondern konzentrieren sich auf die eigenen, gefalteten Hände. Das innige Gebet und eine fromme Haltung sollten wohl hiermit besonders zum Ausdruck kommen.

Unter dem Kreuz verweist ein angedeuteter Totenschädel symbolisch auf die Vergänglichkeit des Lebens und auf den Tod. Die Jahreszahl 1517 lässt sich im oberen Rahmenabschnitt ablesen. Die Wappen (insgesamt sechs: zwei oben, vier unten) geben Rätsel auf: Die Literatur (u.a. Tilmann Breuer: Kunstdenkmale im Landkreis Kronach) macht keine näheren Angaben. Auch in spätmittelalterlichen Wappenbüchern kommt man - bis auf eine Ausnahme (siehe Königsfeld) - nicht weiter.

Zweimal erscheint das Wappen derer von Zeyern mit zwei gekreuzten Bärentatzen (oben links, unten zweites Wappen von links). Das Wappen oben rechts mit zwei parallel dargestellten Dresch- oder Streitflegeln könnte auf das fränkische Adelsgeschlecht der von Königsfeld - zwischen Bamberg und Bayreuth in der Fränkischen Schweiz gelegen – hinweisen.

Elemente in Gemeindewappen

Ein doppelter, allerdings gekreuzter Dreschflegel-Satz findet sich noch heute im Gemeindewappen von Königsfeld (Landkreis Bamberg). Marienroth im Landkreis Kronach zeigt im einstigen Gemeindewappen auch zwei, allerdings gekreuzte Dreschflegel. Das Wappen wurde aber erst im 20. Jahrhundert erstellt. Es stellt keine historischen Bezüge her, sondern steht symbolisch für den landwirtschaftlichen Charakter des Dorfes.

Geheimnisvoll bleiben die drei übrigen Wappen im unteren Feld des Grabdenkmals in Lahm. Ganz links könnte ein springender Löwe dargestellt sein. Ist es Hinweis auf den ehemaligen Landesherrn, die Grafen von Orlamünde? Ganz rechts ist ein Wappen mit einem Maurer-Zirkel zu sehen. Woher dieses Wappen stammt, bleibt ein Rätsel. Undeutlich, vielleicht auch beschädigt, erscheint außerdem das zweite Wappen von rechts.

Bei einer Beschwerde des Hesselbacher Ortes im beginnenden 18. Jahrhundert heißt es, dass man an der Kirche in Lahm vor dem Neubau das markgräfliche Wappen abgenommen habe.

Das Grabdenkmal aus dem Jahre 1517 kann im Original noch an der Friedhofswand in Lahm in Augenschein genommen werden. Mit Sicherheit wurde nicht am jetzigen Standort an der Friedhofsmauer das Stifter-Ehepaar von Zeyern in einer Grablege bestattet. Eine weitere Grablege (Herrschaftsfamilie von Marschall zu Hesselbach) soll es erst später - ohne Grabdenkmal im hinteren Teil des kirchlichen Langhauses - gegeben haben.

Eindeutig ist beim 1517er-Grabdenkmal mit zwei Wappen der Hinweis auf die Hesselbacher Adelsfamilie von Zeyern durch eine zweifache Bärentatzen-Darstellung (Sage: Kampf mit dem Bären, Bildstock bei Friesen). Die weiteren vier Wappen bleiben - trotz intensiver Recherche - geheimnisvoll und könnten ein Hinweis sein auf die ritterlichen Vorfahren der beiden Stifter beziehungsweise auf die übergeordneten Lehensherren (Grafen von Orlamünde oder die Markgrafen von Brandenburg -Bayreuth) des Hesselbacher Gebietes.

Was bleibt als Botschaft für die Nachwelt? Betont wird ein Verharren im christlichen Glauben unter dem Kreuz Christi , eine fromme Gesinnung der Stifter über den Tod hinaus in der Hoffnung auf Erlösung der Verstorbenen und ein vielfacher Hinweis auf die Herkunft und den ritterlichen Stand.

Außerdem eine System stabilisierende Haltung gegenüber der diesseitigen, mittelalterlichen Herrschaftsstruktur, eine „Ver-Ortung“ beider Persönlichkeiten in Raum und Zeit, Heimat und Tradition, Geschichte und Gegenwart - sozusagen als eine über die Jahrhunderte währende Visitenkarte der einstigen Ritter von Zeyern zu Hesselbach. Eine ereignisreiche Episode verhilft einem Ritter zu seinem Wappen.

Der Kampf mit dem Bären

„Die Kirche zu Friesen war zuerst eine kleine Kapelle, welche um 1450 erbaut worden ist“, schreibt Hans Silbermann. Über ihre Entstehung erzählt eine Sage Folgendes: „Der Schlossherr Jörg von Zeyern, der zu Friesen wohnte, begab sich eines Tages nach Glosberg. Auf dem Wege dorthin wurde er von einem riesigen Bären überfallen, der ihn bald in eine schlimme Lage brachte.

Nur mit einem Schwerte bewaffnet, wollte es dem Ritter kaum gelingen, sich des Untieres zu erwehren. In seiner bedrängten Lage gelobte er, in Friesen eine Kapelle errichten zu lassen, wenn es ihm möglich wäre, das Tier zu töten.

Endlich schlug er mit Aufbietung aller seiner Kräfte den Bären nieder und machte ihn unschädlich, indem er ihm mit gewaltigem Hieb die beiden Vordertatzen raubte.

Aus Dankbarkeit

Dankbar gegen Gott und seinen heiligen Schutzpatron St. Georg erfüllte er bald sein Gelübde und ließ zum Andenken die gekreuzten Bärentatzen in sein Wappen aufnehmen. So sollte diese wunderbare Begebenheit der Nachwelt erhalten bleiben. An der Stelle des harten Kampfes und der glücklichen Errettung errichtete man eine Martersäule, die in einer Urkunde aus dem Jahre 1511 eigens erwähnt wird.“

Sechs Jahre später entsteht das Grabdenkmal in Lahm von Verwandten des Jörg von Zeyern. Bis heute zeigt es auf zwei Wappen die beschriebenen Bärentatzen als Hinweis auf die Herren von Zeyern, die zwischen 1260 und 1610 im Frankenwald in Zeyern, Friesen und Hesselbach wirkten.