Literatur-Workshop
Haiku: Poetische Kostbarkeiten in 17 Silben kreiert
Die angehenden Pflegefachkräfte verfassten Haiku, die sie – so wie im Bild Marianne (stehend) – ihren Mitschülern vorlasen.
Die angehenden Pflegefachkräfte verfassten Haiku, die sie – so wie im Bild Marianne (stehend) – ihren Mitschülern vorlasen.
Foto: Heike Schülein
Kronach – „Sie schauen uns an – inmitten aller Hektik – voller Dankbarkeit“ – solche und weitere poetischen Kostbarkeiten entstanden in der nachhaltigen Literat...

„Sie schauen uns an – inmitten aller Hektik – voller Dankbarkeit“ – solche und weitere poetischen Kostbarkeiten entstanden in der nachhaltigen Literaturwerkstatt „Mit Literatur über den Berg“ mit Ingo Cesaro. Bei dem Projekt, das seit über 25 Jahren an der Berufsfachschule für Krankenpflege durchgeführt wird, animierte der Schriftsteller erneut angehende Pflegefachkräfte zum kreativen Schreiben.

Die 13 Teilnehmer waren aufgerufen, ihre Gedanken zu ihrem beruflichen oder privaten Alltag, ihre Wünsche und Hoffnungen sowie Sorgen und Ängste in dreizeiligen Gedichten mit 17 Silben niederzuschreiben.

„Wir hatten keine so richtige Vorstellung, was auf uns zukommen würde. Ich dachte, wir schreiben normale Gedichte, wie man sie kennt, also mit Reimen und mehreren Strophen“, erzählt Klassensprecher Nicolai. In der Klasse von Olga Seel wird nach der Zusammenlegung der früheren Berufsausbildungen der Altenpflege, der Gesundheits- und Krankenpflege sowie der Kinderkrankenpflege erst der zweite Jahrgang unterrichtet. Die praktische Ausbildung erfolgt in der Helios-Frankenwaldklinik Kronach und in verschiedenen Einrichtungen der Pflege und der Psychiatrie.

Nicolai empfand den Workshop als sehr spannend, wobei ihn vor allem Cesaros Ausführungen sehr beeindruckten. Das Schreiben der Haiku fiel ihm nicht schwer. „Am Anfang muss man erst einmal in die Gedichtform hineinfinden. Dann aber geht es immer besser“, schloss sich ihm seine Mitschülerin Marianne an. Aussagen, die der Haiku-Publizist oft hört.

Bei der Einführung mit Wortkarten ging es darum, nach dem vorgegebenen Silbenrhythmus und unter Aufbau eines Spannungsbogens ein Haiku zusammenzustellen. Als zweiter Schritt folgte die Ergänzung zweier vorgegebener Zeilen mit fünf eigenen Silben. Diese Kurzgedichte sind die einzige lyrische Form, die einen aktiven Leser oder Zuhörer verlangt.

Die Themen durften die jungen Leute frei wählen. Jedoch sollte sich zumindest ein Gedicht pro Azubi mit dem Berufsalltag auseinandersetzen, mit dem, was sie bedrückt oder besonders erfüllt.

„Der Kurs entstand, um den jungen Leuten über die Sprache ein Ventil für ihren oftmals harten Alltag zu geben – eine Art Therapie, um Probleme nicht in sich hineinzufressen, sondern sprachlich zu bewältigen“, verdeutlichte der Kulturvermittler. Locker und gelassen sollten sie dabei ohne Zeit- und Notendruck ihrer Kreativität freien Lauf lassen können.

Für die angehenden Pflegefachkräfte stellten die beiden Tage eine gelungene Abwechslung vom Schulalltag dar. Deutlich wurde, dass sie ihren Beruf voller Freude ausüben. „Es geht mir darum, Menschen zu helfen. Es ist ein superschönes Gefühl, wenn mich eine ältere Dame anschaut und sagt, wie schön es sei, dass ich da bin. Das ist für mich ein echtes Glücksgefühl“, sagte Marianne. Wenn man diese Dankbarkeit spüre, dann sei in diesem Moment alles andere vergessen. Auch ihre Mitschüler bestätigten, dass es sich um einen sehr schönen und erfüllenden Beruf handelt.