Im Rausch der Farben
„Cesaros temporäre Galerie“ im Kronacher Impfzentrum wird mittlerweile mit farbenfrohen Acryl-Malereien von Andrea Lieb bereichert.
„Cesaros temporäre Galerie“ im Kronacher Impfzentrum wird mittlerweile mit farbenfrohen Acryl-Malereien von Andrea Lieb bereichert.
Foto: Heike Schülein
Kronach – Kunst  Mit ausdrucksstarken Bildern voller Strahlkraft setzt die Malerin Andrea Lieb leuchtend bunte Akzente an den vormals kargen Wänden im Impfzentrum.

„Farbe belebt einfach – die Wand wie auch das Leben“, sagt Andrea Lieb, die es in ihrem Lebensumfeld „generell bunt“ mag. Dabei bevorzugt sie ihre Lieblingsfarben Pink, Violett und Türkis. In dieser Farbkomposition präsentiert sich dann auch ihr derzeit im Kronacher Impfzentrum ausgestelltes Bild „Supernova“.

Die Acrylmalerei ist schon vor längerer Zeit entstanden und doch passt es ihrer Meinung nach perfekt zur aktuellen Situation. Der Lichtblitz in der Mitte ihrer Arbeit – gewissermaßen auch ein „Ideenblitz“ – stehe für eine Erleuchtung: ein Lichtblick am Horizont, den die Menschen derzeit so nötig hätten.

Gemalt hat die Kronacherin gefühlt schon immer, und sie war auch in anderen Bereichen schon immer sehr kreativ und schöpferisch. Ihre Bilder waren bereits 2015 in der Galerie im Landratsamt, 2016 in der Schalterhalle der Kronacher Sparkasse wie auch zuletzt in den Schaufenstern ihres ehemaligen Geschäfts Optik Lieb in der Spitalstraße zu sehen. Weit über die Grenzen des Landkreises hinaus bekannt ist das künstlerische Multitalent durch ihre Lichtkunstwerke; leuchteten doch ihre riesigen Mohnblüten deutschlandweit auf Lichtevents.

„Ich vermisse den persönlichen Austausch“, räumt die sich mittlerweile im Ruhestand befindliche 64-Jährige ein, die für ihre künstlerische Entwicklung immer wieder Neues probiert und sich fortbildet. Gerne nimmt sie an Kunst-Workshops teil, zuletzt coronabedingt leider nur im Online-Format.

Der Austausch fehlt

Durch diese Alternative könne man zumindest ein wenig mit Dozenten oder anderen Kursteilnehmern in Verbindung treten, neue Anregungen erhalten oder Techniken kennenlernen. Trotzdem seien derartige Kurse in keiner Weise mit Präsenzangeboten vergleichbar. Der Input von außen und der Austausch mit Gleichgesinnten fehle ihr schon sehr, befruchte man sich doch dabei gegenseitig und erhalte neue Impulse. Umso mehr freue sie sich über die sich bietende Möglichkeit, ihre Werke im Impfzentrum der Öffentlichkeit vorstellen zu können.

„Jeder, der ausstellen möchte, bekommt hierzu die Chance“, sagt Ingo Cesaro. Der Vorsitzende der Regionalen Kunstförderung Kronach hatte auch die Idee für das bislang größte und zeitlich längste Ausstellungsprojekt im Landkreis, nachdem viele traditionelle Ausstellungen und Kunstprojekte abgesagt werden mussten. Er dankt Landrat Klaus Löffler und der Kreiskulturreferentin Gisela Lang, die immer ein offenes Ohr für seine Anliegen hätten.

Dass seine so lebendige temporäre Galerie mit ihrer bunten Mischung aus Malereien, Grafiken und Fotografien derart viel positives Feedback erhält, liege gerade an dem breiten Spektrum querbeet durch alle Stilrichtungen sowie Form- und Farbgebungen. Von geradezu „ansteckender“ Farbfreudigkeit sind dabei die Bilder von Andrea Lieb, in denen sich weiche Farbverläufe mit starken Kontrasten abwechseln. Mehrere lasierende Schichten übereinander lassen ganz neue zarte Farbeffekte entstehen. Kräftige, mutig gesetzte Kontrastfarben sorgen für Dynamik und Power.

Ein spannender Prozess

Linien ziehen Spuren, brechen die Fläche auf, schaffen neue Blickachsen und lenken den Blick durch die Bilder. Manchmal beginnt sie mit sanft verlaufenden Farbübergängen, um dann diese Gleichförmigkeit mit energischen Pinselstrichen und leuchtenden Farben herauszufordern und zu unterbrechen. Ein anderes Mal wiederum sind ihre Bilder am Anfang so knallig und bunt, dass sie mit hellen weichen Farbflächen beruhigen „muss“. „Der Prozess des Malens ist für mich sehr spannend. Ich liebe es, wie sich meine Bilder entwickeln“, erzählt die experimentierfreudige Malerin, die Pinsel und Rollen ebenso zum Einsatz bringt wie Shaper, Schwamm und Holzstöckchen. Mit Sand und Spachtelmasse gelingt es ihr, Struktur und Tiefe zu erzeugen – so wie in ihrem Gemälde „Lapisblau“. Das Lasieren erfolgte ganz dünn mit viel Wasser und Binder, aber wenig Farbe. Die „Nass-in-nass“-Technik basiert darauf, dass in noch nasse Farben hineingemalt wird. Dadurch verlaufen die Übergänge; nach der Trocknung entstehen faszinierende Farbspiele.

Spannend sind die Farbverläufe auch in ihrem Bild „99 Luftballons“, in das sie im oberen Bereich einen Hauch Weinrot eingefügt hat. Dennoch verleugnet auch dieses Werk nicht das „wahre Ich“ der Kronacherin mit ihrer ansonsten bevorzugten Farbpalette. Mit dem Bild möchte sie die Unbeschwertheit in die Lüfte steigender Luftballons darstellen.

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