Ausstellung
Jüdische Familie tritt aus dem Dunkel der Vergangenheit
Aktuell ist in der Synagoge die Ausstellung „Die Bambergers – eine jüdische Familie aus Kronach“ zu sehen. Die Biografien der Familienmitglieder sind auf Schautafeln festgehalten.
Aktuell ist in der Synagoge die Ausstellung „Die Bambergers – eine jüdische Familie aus Kronach“ zu sehen. Die Biografien der Familienmitglieder sind auf Schautafeln festgehalten.
Foto: Heike Schülein
Kronach – Groß war das Interesse an der Ausstellung „Die Bambergers – eine jüdische Familie aus Kronach“, die am Samstag in der Synagoge eröffnet wurde. Die Exp...

Groß war das Interesse an der Ausstellung „Die Bambergers – eine jüdische Familie aus Kronach“, die am Samstag in der Synagoge eröffnet wurde. Die Exposition beleuchtet anhand der Geschichte der Familie Bamberger das deutsch-jüdische Zusammenleben zwischen deutscher Reichsgründung 1871 und den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg.

Das umfangreiche Material hat dem Aktionskreis Kronacher Synagoge ein Nachkomme Heinrich Bambergers überlassen. Georges Ségal, ein in Basel lebender und zwischenzeitlich verstorbener Kunsthändler, war es, der 2011 mit seiner Frau Kronach besuchte – mit knapp 300 Fotos, Briefen und anderen Dokumenten im Gepäck.

„Die Ursprünge der Familie Bamberger liegen in Burgkunstadt“, erläuterte der Kurator Christian Porzelt bei der Ausstellungseröffnung. Als Stammvater des späteren Kronacher Zweigs zog David Bamberger (1806 – 1862) nach Friesen, wo er Gutta Strauß (1810 – 1881) heiratete. Nach Davids frühem Tod führte die Witwe den Textilhandel zunächst alleine weiter. Später traten die Söhne Max und Sigmund ins Geschäft ein.

„Seit Mitte des 17. Jahrhunderts lebten Juden in Friesen, die überwiegend als Kaufleute und Viehhändler ihren Lebensunterhalt verdienten. Ihren Höhepunkt erreichte die Gemeinde um 1840, als die ansässigen Juden etwa 13 Prozent der Dorfbevölkerung ausmachten“, so der Historiker. Mit der Aufhebung der Matrikelgesetzgebung zogen seit den 1860er Jahren viele jüdische Familien aus der Landgemeinde in nahe gelegene Städte. Max und Sigmund Bamberger verlegten das Tuch- und Modewarengeschäft 1870 nach Kronach. Dort kauften sie gemeinsam ein Wohn- und Geschäftshaus in der Spitalstraße, in dem ihr Geschäft über 35 Jahre lang Bestand haben sollte.

Aus den Ehen der Brüder – Sigmund mit Lina Offenbacher, Max mit Marie Iglauer – gingen zusammen 19 Kinder hervor. Alle sechs Söhne von Max und Marie Bamberger besuchten die neue königliche Realschule. Vier ergriffen kaufmännische Berufe; Simon Bamberger studierte Medizin, sein Bruder Heinrich Chemie. Simon ließ sich in der Strauer Straße als praktizierender Arzt nieder. Er genoss den Ruf eines hochgeschätzten Mediziners sowie Wohltäters, da er ärmere Bürger unentgeltlich behandelte. Heinrich lebte mit seiner Familie in Basel.

Als einziges im Ausland lebendes Familienmitglied musste er zehn Jahre später die Machtergreifung der Nazis erleben. Machtlos stand er der zunehmenden Entrechtung, Demütigung und Verfolgung seiner Verwandten in Deutschland gegenüber: Wie es den Geschwistern in den ersten Jahren der NS-Diktatur erging, ist kaum bekannt. „Zunächst dürften auch sie gehofft haben, die mit der Machtergreifung begonnenen Ausschreitungen und Übergriffe würden sich wieder legen“, mutmaßte Christian Porzelt.

Die ersten Todesopfer

Tatsächlich verschärfte sich jedoch die Situation von Woche zu Woche. Die Reichspogromnacht 1938 forderte die ersten Todesopfer in der Familie. Gegen 2 Uhr verschaffte sich ein SA-Trupp Zugang zur Wohnung von Karl Bamberger in Nürnberg. Mit unvorstellbarer Brutalität schlugen und trampelten die „Herrenmenschen“ Karl Bamberger vor den Augen seiner Frau und seines Sohnes zu Tode.

Sein in Frankfurt am Main lebender Bruder Ernst wurde in das KZ Buchenwald verschleppt, wo er zwei Monate später an den Haftbedingungen starb. Auswanderungspläne der vier noch in Deutschland lebenden Geschwister Theo, Grete, Ida und Fritz wurden erst spät und ohne Erfolg gefasst. Das traurige Ende kündigte sich für die meisten Familienmitglieder im Frühjahr 1942 als „Umsiedelung in den Osten“ an.

So wurden viele Familienmitglieder beraubt, entrechtet und ermordet, die wenigen Überlebenden kehrten nicht nach Deutschland zurück. Wie ein kleines Wunder scheint es daher, so der Kurator, dass durch den Dachbodenfund jedes Mitglied der Familie sein Gesicht zurückerhielt. Bei der Schau handelt es sich um einen Programmpunkt der lokalen Veranstaltungsreihe zum bundesweiten Festjahr „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“. Kooperationspartner sind die VHS Kreis Kronach und der Aktionskreis Kronacher Synagoge. Dessen Vorsitzende Odette Eisenträger-Sarter erinnerte daran, wie die 2015 erstmals in der Synagoge zu sehende Ausstellung zu einer Art Familienzusammenführung avancierte. „Solche traumhaft schönen Momente vergisst man nie wieder“, bekundete sie.

Dies alles wäre nicht möglich gewesen ohne Christian Porzelt, der für die Vorarbeiten Tage und Nächte in Archiven verbracht habe. Weiter galt ihr Dank „Demokratie leben“ für die Förderung sowie der Volkshochschule für die große Unterstützung.