Kundgebung zum Tag der Arbeit
Zum DGB-Arbeitnehmerempfang am 1. Mai in Kronach kamen viele Ehrengäste: von links: Landrat Klaus Löffler, Pfarrer Thomas Teuchgräber, Betriebsseelsorger Thomas Reich, Mathias Eckardt (DGB- Regionsgeschäftsführer Oberfranken); von rechts: Bürgermeisterin Angela Hofmann, Wolfgang Schmitt (DGB- Kreisvorsitzender).
Zum DGB-Arbeitnehmerempfang am 1. Mai in Kronach kamen viele Ehrengäste: von links: Landrat Klaus Löffler, Pfarrer Thomas Teuchgräber, Betriebsseelsorger Thomas Reich, Mathias Eckardt (DGB- Regionsgeschäftsführer Oberfranken); von rechts: Bürgermeisterin Angela Hofmann, Wolfgang Schmitt (DGB- Kreisvorsitzender).
Foto: K.- H. Hofmann
Kronach – Arbeitskampf Der deutsche Gewerkschaftsbund lädt zu einer Veranstaltung in Kronach − und übt harte Kritik.

„GeMAInsam Zukunft gestalten“ war das diesjährige Motto des Deutschen Gewerkschaftsbundes zum 1. Mai, dem Tag der Arbeit. Die Gewerkschaftsfunktionäre, Mathias Eckardt (DGB-Geschäftsführer Oberfranken) und Wolfgang Schmitt (DGB- Kreisvorsitzender Kronach), verurteilten den Krieg in der Ukraine, fanden aber auch deutliche Worte gegen Konzerne im eigenen Land, die die Pandemie ausnutzen, um Rekordgewinne zu verbuchen.

Schließung von Lear

Der Höhepunkt der Dreistigkeit zeige sich bei dem amerikanisch geführten Konzern Lear: Der Produktionsstandort Kronach wird geschlossen, obwohl die Zahlen stimmen.

Hubert Walter (Fachkraft für Arbeitssicherheit) sagte hierzu: 400 Mitarbeiter sollen bis 2025 die Firma verlassen. Das amerikanische Management verfolge das Motto „viel ist nicht genug“. Walter rief den DGB, die IG Metall und die Politik dazu auf, den Standort Deutschland zu verteidigen und appellierte an den Zusammenhalt in der Region, die engagierten Mitarbeiter bei Lear zu unterstützen. „Wir hoffen immer noch“, sagte Walter.

Von positiven Auswirkungen der Corona- Krise auf die Arbeitsplätze konnte Stefanie Marr, Betriebsratsvorsitzende der Stockheimer Firma Rebhan, berichten: In kürzester Zeit wurde eine Betriebsvereinbarung getroffen. Für Homeoffice und im Betrieb wurden zudem Sicherheitsvorkehrungen in Absprache mit dem Betriebsrat getroffen. Es wurden Arbeitsstellen aufgebaut. „Wir suchen immer noch Mitarbeiter“, rief sie unter Beifall.

Die Betriebsratsvorsitzende der Lebenshilfe Kronach, Daniela Ludwig, berichtete von enttäuschenden Tarifverhandlungen für die Arbeit für Menschen mit Behinderung. „Wir fördern Menschen mit Behinderungen, Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit besonderen Bedürfnissen. Bei Ausbruch der Corona-Pandemie gab es allerorten großen Applaus für die Mitarbeiter im Gesundheitswesen und Pflegeberufen“, sagte sie und ergänzte: „Wir können unseren Lebensunterhalt aber nicht von Beifall finanzieren, sondern wir fordern gerechte Bezahlung. Davon sind wir momentan jedoch weit entfernt.“

Kritik am Sozialabbau

Mathias Eckardt lehnte in seiner Ansprache Sozialabbau zur Gegenfinanzierung der gegenwärtigen Krisen entschieden ab: „Sozialabbau ist eine Gefahr für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und unsere Demokratie.“ Wer Hilfspakete für pandemiegeschädigte Unternehmen schnürt, der sollte gleichzeitig auch die Extraprofite der Krisengewinner abschöpfen. Dies gelte gerade auch für Energie- und Mineralölkonzerne, die sich angesichts steigender Preise und Kosten für den Verbraucher die Taschen vollstopften.

DGB-Kreisvorsitzender Wolfgang Schmitt betonte, dass ein arbeitsfreier Feiertag wie der 1. Mai kein gesellschaftlicher Luxus sei: „Arbeitsfreie Tage sind nicht nur dazu da, um sich körperlich von den Mühen der Arbeit zu regenerieren. Sie machen vor allem den Kopf und die Seele frei, um miteinander all die vielfältigen Formen von Gemeinschaft zu erleben, die den beruflichen Rahmen und die ökonomischen Gesetzmäßigkeiten überschreiten.“

Landrat Klaus Löffler fügte an: „Es scheint, als würde die Welt aus den Fugen geraten.“ Verlässlichkeit und Sicherheit gebe es nicht mehr. Der 24. Februar (Kriegsbeginn in der Ukraine) hatte weltweite Veränderungen zur Folge. „Es liegt jetzt an uns, sich verstärkt für den Erhalt der Keimzelle unserer Demokratie einzusetzen“, sagte Löffler und fügte hinzu: „Wir dürfen nie vergessen, Perspektiven zu schaffen. Wer im Kleinen nicht in Frieden lebt, der kann keinen Beitrag zum großen Frieden in der Welt leisten. Es geht nur gemeinsam.“

Der Landkreischef richtete seinen Dank an Marina Schmitt, die seit 36 Jahren die Gewerkschaftsgeschäftsstelle in Kronach betreut, und an Tom Sauer, der unter Einsatz seines Lebens mit großem Risiko ins ukrainische Kriegsgebiet Hilfsgüter lieferte. „Das ist außerordentliches Engagement“, lobte Löffler.

Über 600 Flüchtlinge sind in der Region überwiegend bei Privatleuten untergebracht. Das sei ein starker Ausdruck der Hilfsbereitschaft und des Zusammenhaltes im Landkreis Kronach, hob der Landrat hervor.

Kronachs Bürgermeisterin Angela Hofmann entbot die Grüße der Lucas- Cranach-Stadt, freute sich über die Veranstaltung in Kronach am Marienplatz und hieß alle Teilnehmer herzlich willkommen. Sie dankte den Organisatoren des DGB, die viel Kraft und Mut aufbrächten, um immer wieder für Arbeitnehmerrechte zu kämpfen.

Der katholische Betriebsseelsorger Thomas Reich ging danach auf die Sonntagsruhe ein.

Für ihn ist der Sonntag die Vollendung des Werkes, das während der Woche vollbracht wird. Die Freizeit am Sonntag gehöre also zum Rhythmus des gesamten Werkes, erklärte er. eh

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