Lernen in Kälte und Schnee
Feuermachen mit der dritten Klasse der Grundschule Mitwitz: Zu einem „Feuermach-Team“ gehören immer drei: ein Brennstoffversorger, ein Sauerstoffverantwortlicher und ein Feuerlöscher.
Feuermachen mit der dritten Klasse der Grundschule Mitwitz: Zu einem „Feuermach-Team“ gehören immer drei: ein Brennstoffversorger, ein Sauerstoffverantwortlicher und ein Feuerlöscher.
Foto: Susanne Meier
LKR Kronach – Winterprogramm  Die Umweltbildungseinrichtung „Stadtoase“ des Bundes Naturschutz lädt im ganzen Landkreis Kronach Grundschulklassen zu einem Projekttag auf dem Pausenhof ein.

Der Winter ist genau die richtige Zeit, um Naturelemente in ihrem Extrem zu erleben und ihr Wechselwirken zu erfahren. Und das geht wirklich nur außerhalb des Klassenzimmers – warm bekleidet für vier Stunden Lernen in Kälte und Schnee. Der Boden ist gefroren, der Sand in der Weitsprunggrube auch, das Wasser im Eimer und sogar der Tapetenleim im Glas, wenn man ihn zu lange draußen stehen lässt.

Die Sonne wärmt nur ein bisschen. Da hilft nur das Feuer. So ist „Feuer und Flamme – was das Feuer alles kann!“ von Dezember bis März das „Stadtoase“-Thema Nummer eins. Schüler von 16 Klassen waren bereits Feuererforscher und Feuermacher. Denn nach etwas Theorie kommt die Praxis, in der es gilt, zu dritt in verantwortlichen Teams ein kleines Feuer im Kochtopf zu entfachen, zu versorgen und zu erhalten und schließlich – ganz wichtig – wieder zu löschen.

Dabei wartet der Winter mit einigen Erschwernissen auf: Es gilt, Streichhölzer nicht nass werden zu lassen, Papierspäne und dürre Zweige ebenso vor dem Flockenwirbel zu schützen, ständig Sauerstoff in den Topf zu wirbeln und zwischendurch mal kurz die Hände über dem Miniaturfeuer aufzuwärmen. Wenn der Countdown läuft, muss bei null das Feuer gelöscht sein. Zur Auswahl stehen als Löschmittel Sand, Erde, Wasser oder ganz einfach Schnee bereit. Ein gemeinsam genutztes Feuer dient der Herstellung von Zeichenkohlestiften, dem Brennen von Tonperlen und dem Backen oder Grillen von Schokobananen für eine abschließende Picknickrunde bei Feuer und Schnee.

Wie gut, dass „Stadtoase“-Umweltbildung wieder täglich stattfinden kann, überall der Schulbetrieb läuft und auch außerschulische Aktivitäten mit bedachten Schutzmaßnahmen möglich sind. Draußen lernen ist in dieser Situation doppelt so wichtig und gefragt, bietet es doch unbegrenzten Platz, größere Bewegungsmöglichkeiten und gemeinsame, elementare Naturabenteuer, die nach langem individuellem Lernen am Bildschirm ebenso ein Ausgleich sind.

Die „Stadtoase“-Umweltbildung blickt auf ein gutes Jahr 2021 zurück, auf 82 Projekttage in der Natur mit 85 Schulklassen überall im Landkreis Kronach mit insgesamt 1565 Schülern von der ersten bis zur sechsten Jahrgangsstufe. Mit Beobachtungs- und Untersuchungsaufträgen und dazu benötigter Ausrüstung durchstreiften und erkundeten sie die Lebensräume Wiese und blühende Wegränder, Schlehenhecken und Gehölze in der Landschaft, Waldbereiche und Waldhänge im Wandel und knietiefe Fließgewässer. Auf Bodenexkursion wählten sie „ihren“ Quadratmeter Boden und erarbeiteten und verglichen Leistungen und Funktion des Bodens bei verschiedener Nutzung.

Bis zu den Sommerferien bereits ausgebucht

Der „Stadtoase“-Kalender für 2022 ist in der Hauptzeit von April bis zu den Sommerferien bereits ausgefüllt mit Buchungen. Dieses Jahr ist für die Kreisgruppe Kronach des Bundes Naturschutz in Bayern ein besonderes: Seit der Landesgartenschau im Jahr 2002 in Kronach, nunmehr über 20 Jahre lang, ist sie ein engagierter Anbieter von Umweltbildungsprogrammen und kann auf kontinuierliche und mit dem Qualitätssiegel „Umweltbildung.Bayern“ ausgezeichnete Umweltbildungsarbeit zurückblicken.

Jahr für Jahr sind Eigenmittel in die Umweltbildungsaktivitäten für Kinder und Jugendliche investiert worden. Seit sieben Jahren unterstützt der Landkreis Kronach die Umweltbildungseinrichtung „Stadtoase“ mit einem Zuschuss. Spenden ermöglichten im vergangenen Jahr den Bau eines offenen Klassenzimmers im Areal am Kaulanger. So können Schulklassen als Besucher der „Stadtoase“ wetterunabhängig draußen forschen und arbeiten (Anmeldung unter Telefonnummer 09261/9652569 oder per E-Mail an susanne.meier.Stadtoase@gmx.net). red