Kronach
Musikalische Tour de France
Beim musikalischen Jahresauftakt kredenzte der Posaunenchor seinem Publikum Musik „a la française“ auf hohem musikalischen Niveau.
Beim musikalischen Jahresauftakt kredenzte der Posaunenchor seinem Publikum Musik „a la française“ auf hohem musikalischen Niveau.
Foto: Heike Schülein

Seit vielen Jahren ist es in der Kronacher Christuskirche gute Tradition, das neue Jahr mit einem bunten musikalischen Programm zu begrüßen. Unter dem umsichtigen Dirigat von Dekanatskantor Marius Popp unternahm der Posaunenchor dieses Mal vor erfreulich vielen Zuhörern eine kurzweilige Reise nach Frankreich.

Zum Klingen kam ein ebenso spannendes wie hochklassiges Programm, das einen Bogen vom Barock über die Moderne bis hin zu zeitgenössischen Stücken, Chansons und Filmmusik spannte: gefühlvoll und getragen, beschwingt und heiter, festlich und majestätisch.

„Bienvenue“ sagten die Musiker mit dem bekannten „Prélude“ aus dem „Te Deum“ und dem „Marche de triomphe“, beides aus der Feder von Marc-Antoine Charpentier, sowie dem „Te Deum laudamus“ von Michel-Rochard Delalande. Dass die vor unbeschwerter Musizierfreude nur so strotzenden Bläser offensichtlich vom Kirchenmusikdirektor glänzend vorbereitet worden waren, offenbarte sich auch in den anschließend virtuos dargebotenen Werken von Camille Saint-Saëns.

Karneval der Tiere

Voller fein herausgearbeiteter Phrasierungsbögen sowie dynamischer Akzentsetzungen erklang der jubelnde Schlusschor „Tollite hostias“ seines Weihnachtsoratoriums op. 12, bevor jede Menge große und kleine Tiere Einzug in das Gotteshaus hielten. Königlich marschierende Löwen, in Zeitlupe Cancan tanzende Schildkröten, sich dem Walzer hingebende Elefanten; aus der Tiefe des Waldes meldet sich der Kuckuck. Wer kennt und liebt sie nicht, die vom französischen Komponisten in seiner vergnüglichen sinfonischen Dichtung „Karneval der Tiere“ so treffend gezeichneten musikalischen Tierportraits. Da konnte man im Publikum gar nicht anders, als im Takt mitzuwippen.

Als im Finale schließlich noch Hühner und Kängurus ihre Aufwartung machten, gab es für die Zuhörer kein Halten mehr. Sie spendeten spontanen Szenenapplaus.

Tonschön ließ der Posaunenchor das weihnachtliche „Hört der Engel helle Lieder“ (Traugott Fünfgeld) erklingen, die kirchliche Weihnachtszeit geht ja erst an Lichtmess zu Ende. Zauber, Glanz und innige Berührtheit versprühten auch das „Tantum ergo“ (Theodore Dubois) und „Notre Père“ (Maurice Duruflé), bevor der vielseitige Jahresauftakt einen Abstecher in die Filmmusik unternahm. Das Kopfkino arbeitete gewaltig bei den Soundtracks aus „Der rosarote Panther“ und „Peter Gunn“ von Henri Mancini sowie aus „Der Glöckner von Notre Dame“ von Alan Menken.

Ab ins „Moulin Rouge“

Sie darf bei keinem Programm „a la française“ fehlen: die Grande Dame des französischen Chansons, Édith Piaf, und ihr unsterbliches Liebeslied „La vie en rose“, das mit seiner beschwingten Melodie ins Blut übergeht, aber auch durch seine Intensität das Herz berührt. Nach einem kurzen, aber intensiven Ausflug auf die „Champs-Élysées“ (Joe Dassin) ging es mit dem Cancan aus dem zweiten Akt von „Orpheus in der Unterwelt“ (Jaques Offenbach) in das sündige „Moulin Rouge“ in Montmartre. Mit dem auch „Höllen-Cancan“ genannten, wohl bekanntesten Stück der Operette fand die musikalische – mit Werken von Alexandre Guilmant („Grand choeur“), Maurice Ravel („Pavane“) wie auch dem fröhlichen Volkslied „Sur le pont d’Avignon“ abgerundete – „Tour de France“ ihren fulminanten Abschluss.

Stehende Ovationen

Natürlich ließ das Publikum die Mitwirkenden nicht ohne Zugabe ziehen. Für langen rhythmischen Applaus sowie stehende Ovationen wurde es mit dem Evergreen „Life is a cabaret“ belohnt.

Dass hinter dem, was beim Konzert so locker-flockig rüberkam, viel Arbeit steckte, hatte eingangs Marius Popp vergegenwärtigt. „Die Musiker haben sich viele Wochen intensiv vorbereitet, um ein tolles Programm auf die Beine zu stellen“, würdigte er. Auf eigenen Wunsch hätten diese drei Mal wöchentlich – sogar am Sonntag nach dem Gottesdienst – für den entsprechenden Duktus und feinste Nuancen geprobt.

Den Dank seitens der Musiker gab Thomas Pfeifer zurück, der dem Kirchenmusikdirektor für dessen professionelle Hingabe dankte. Ohne ihn und seine Expertise wäre ein solches Programm nicht möglich gewesen. Pfeifer war es auch, der als Conférencier mit wissenswerten Infos durch den musikalischen Jahresauftakt führte.

Lesen Sie mehr zu folgenden Themen: