Rettungsplan für Frankenwald
Landrat Klaus Löffler (Neunter von links) und Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz (Elfte von links) waren begeistert von den Ausführungen der Teilnehmer des P- und W-Seminars des Frankenwald-Gymnasiums. Diese sind mit im Bild, ebenso wie Oberstudienrat Rainer Dunkel, Studienrätin Stefanie Springer und der Schulleiter des FWGs, Harald Weichert.
Landrat Klaus Löffler (Neunter von links) und Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz (Elfte von links) waren begeistert von den Ausführungen der Teilnehmer des P- und W-Seminars des Frankenwald-Gymnasiums. Diese sind mit im Bild, ebenso wie Oberstudienrat Rainer Dunkel, Studienrätin Stefanie Springer und der Schulleiter des FWGs, Harald Weichert.
Foto: Veronika Schadeck
Kronach – Landwirtschaftsfahrt  Zwei Seminare des Frankenwaldgymnasiums Kronach forschen nach Konzepten für einen zukunftsträchtigen Wald.

Die Landwirtschafts- und Forstbetriebe im Landkreis Kronach stehen vor großen Herausforderungen. Im Rahmen der Landwirtschaftsfahrt 2021 wurden am Dienstag Betriebe und Projekte vorgestellt, die innovative und kreative Antworten auf die Veränderungen gefunden haben. Eine Besonderheit war das Projekt „Borkenkäfer im Frankenwald und Initiative Zukunftswald“, das das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Kulmbach (AELF) in Kooperation mit Schülern des Frankenwaldgymnasiums (FWG) durchführt.

Das heikle Thema wird gleich in zwei Seminaren bearbeitet: Während das W-Seminar „SOS – Frankenwald in Not“ unter der Leitung von Oberstudienrat Rainer Dunkel sich eher von der wissenschaftlichen und somit theoretischen Seite aus dem Problem widmet, geht das P-Seminar von Studienrätin Stefanie Springer das Thema zusätzlich von der praktischen Seite an. Die Schüler forschen dabei nach Konzepten für einen zukunftsträchtigen Wald. Die Ergebnisse können als Anregung und Ratgeber für viele Waldbesitzer und auch für das AELF von Nutzen sein.

Landrat Klaus Löffler war so begeistert von der Aussage der Schüler: „Wir machen etwas für unsere Zukunft!“ Er versprach, nach Abschluss der Exkursion die Druckkosten für ein Informationsbuch zu übernehmen. Und auch die Regierungspräsidentin, Heidrun Piwernetz, war tief beeindruckt. Dieses Engagement, wie die jungen Leute das Projekt anpacken und durchführen, mache Mut.

„Ein komplexes Ökosystem“

Worum geht es nun bei diesem Projekt? Johanna Hebentanz und ihre Mitschüler befassen sich seit Anfang des Schuljahres mit einer am Südhang gelegenen Waldfläche in Steinberg. Aufgrund des Borkenkäferbefalls musste ein Großteil der Fläche abgeholzt werden. Nun steht die Frage des Waldbesitzers im Raum, wie diese Fläche künftig zu nutzen sei beziehungsweise mit welchen Bäumen das Areal wieder bepflanzt werden soll.

„Der Wald ist ein komplexes Ökosystem“, stellte Johanna Hebentanz fest. Ihre Projektgruppe des P-Seminars befasste sich unter anderem mit dem Standort, den Bodenverhältnissen, mit ph-Werten, Verbiss und Wirtschaftlichkeit. Weitere Themen waren die künftigen Vegetationsperioden. Es galt auszuwerten, welche Bäume für eine Wiederbepflanzung infrage kommen. Ihr Kollege Johannes Backer ergänzte, dass die Projektgruppe aufgrund der gesammelten Daten sogenannte Waldgemeinschaften gebildet habe. Detailliert habe man sich die Frage gestellt, welche Arten von Bäumen man miteinander auf einer Fläche pflanzen könne und welche Nutzen diese der nächsten Generation bringen.

Manjana Diepold sprach weiter von Recherchen, Gesprächen mit Gärtnereien und Baumschulen. All die gewonnenen Erkenntnisse habe man in die Zusammenstellung der Waldgemeinschaften eingebracht. Stefanie Springer ergänzte, dass sowohl heimische als auch fremdländische Baumarten berücksichtigt worden seien.

Beim W-Seminar setzen sich die Schüler in ihrer Arbeit mit anspruchsvollen Themen auseinander. Beispielsweise befasst man sich hier mit den Fragen, ob der Borkenkäfer der Totengräber der Fichte ist und ob es durch den Verlust des Waldes zu Erosionsschäden kommen kann. Eva Diller erklärte, dass der Wald eine wichtige Grundlage für das Ökosystem sei. Deshalb gehe es in den Arbeiten unter anderem auch darum, welche Tiere im Zukunftswald leben können und wie viel Mengen an Rohstoffen man daraus gewinnt.

Wie der Leiter des AELF, Michael Schmidt, erklärte, kam bereits vor mehr als einem Jahr der Kontakt seiner Behörde mit dem FWG zustande. Vor allem die von Anfang an hohe Motivation bei Lehrern und Schülern begeisterte ihn sehr. Am Ende, so erklärte er, sollen wissenschaftlichen Arbeiten stehen, deren Erkenntnisse nicht nur dem betroffenen Waldbesitzer der Exkursionsfläche, sondern auch anderen und dem AELF zur Verfügung stehen. Gemeinsam soll dann weiter an einem Rettungsplan für den Frankenwald gearbeitet werden.

Erschwerte Bewirtschaftung

Ein weiterer Exkursionspunkt war das Bioenergiedorf Effelter, der Besuch des Betriebs Appel, der 300 Hektar an Flächen bewirtschaftet. Eine Einkommensquellen ist neben der Milcherzeugung auch die Energieerzeugung. Die Besonderheiten hier sind, dass zum Teil lange Anfahrtswege die Bewirtschaftung erschweren und viele kleinteilige und verzweigte Feldstücke zu bearbeiten sind. Hinzu kommen mangelnde Verfügbarkeit von landwirtschaftlichen Flächen und an geeigneten Arbeitskräften. In den letzten Jahren haben geringe Niederschläge zu Problemen geführt und den Ertrag gemindert.

Am Anfang der Exkursion hatte Michael Schmidt Zahlen und Fakten genannt. So umfasst der Landkreis Kronach eine Gesamtfläche von rund 65 200 Hektar. Davon sind rund 18 400 Landwirtschaftsfläche und 38 500 Hektar Waldflächen. Jeder siebte Arbeitsplatz hängt von der Land- und Forstwirtschaft ab.

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