Vom Namensvetter inspiriert
Bilder der Weißenbrunner Malerin Karola Richter sind derzeit im Kronacher Café „Lorla“ zu sehen.
Bilder der Weißenbrunner Malerin Karola Richter sind derzeit im Kronacher Café „Lorla“ zu sehen.
Foto: Rainer Glissnik
Weißenbrunn – Malerei  Karola Richter präsentiert ihre besonderen Bilder im Kronacher Café „Lorla“.

„Auf jeden Fall ist das Ausstellen das Beste, was man tun kann.“ Das riet Gerhard Richter im Mai 2020 Karola Richter. Überraschend hatte der bekannte Künstler auf ein Schreiben von Karolas Ehemann Helmut geantwortet. Für die Weißenbrunnerin war der letzte Anstoß gegeben, es wirklich einmal mit einer Ausstellung zu versuchen.

In nächster Zeit werden Werke von Karola Richter im Kronacher Café „Lorla“ zu sehen sein. „Ich malte schon in der Schule gerne“, erinnert sie sich. Die Weißenbrunnerin absolvierte eine Ausbildung zur Porzellanmalerin bei der Firma Oechsler und Andechser in Kronach. In den 1970er Jahren beschäftigte sie sich mit dem Kopieren von Werken bekannter Impressionisten wie Marc und Monet in Originalgröße und in Öl. Auch begeisterte sie die Seidenmalerei.

Mit Airbrush gelangen der 73-Jährigen großartige Bilder. In den 80er Jahren widmete sich Richter vor allem Patchwork-Arbeiten. „Ich kaufte mir Bücher und brachte mir die Techniken selbst bei.“ Auch ihr Mann Helmut – er war unter anderem Lehrer in Tschirn, Teuschnitz und Johannisthal – betätigte sich gerne künstlerisch. Manchmal hörte er mitten im Bild auf und seine Frau brachte es zu Ende. In all den Jahren besuchte Karola Richter mit ihrem Ehemann viele Kunstausstellungen. Sie fuhren bis nach Köln und Bonn. Völlig überraschend erhielt sie vor einigen Jahren einen entscheidenden Impuls: Im Fernsehen lief um Mitternacht eine TV-Dokumentation über den weltbekannten Kölner Künstler Gerhard Richter. Es war schon spät, aber Karola schaute gebannt auf den Bildschirm, saugte jede Information ein. Der große Maler und Namensvetter demonstrierte dort seine Versuche mit Pinsel und Spachtel in Acryl und Öl.

„Durch diese mitternächtliche Sendung bekam ich wieder so richtig Lust aufs Malen. Gerhard Richter hat mich so inspiriert und angesprochen, dass ich wusste: Morgen gehe ich fort, kaufe mir eine Leinwand, Pinsel hatte ich ja schon, und das übrige notwendige Material.“

Sie war so fasziniert und begeistert, dass sie gar nicht mehr anders konnte. „Da muss ich jetzt anfangen“, war ihr klar. Sie wollte keine Kopien von Gerhard Richter, sondern etwas ganz Eigenes, von ihm Inspiriertes schaffen. Techniken wie das Spachteln hatte Karola Richter zuvor noch nie ausprobiert. Alle Bilder entstanden ohne Vorlage, es sind ganz ihre eigenen Werke. Jedes Mal überlegte sie ein, zwei Tage genau, wie ihr Werk werden sollte. „Das dauert bei mir schon eine ganze Zeit, bis ich soweit bin, mich hinzusetzen und ein Bild zu beginnen.“

Dabei entwickelt sich bei ihr alles weiter – und am Ende kann etwas komplett anderes herauskommen als zunächst geplant. „Das ist bei dieser Technik drin.“

Beim Malen braucht sie volle Ruhe. „Es ist ein richtiges Glücksgefühl zu erleben, ein eigenes Werk geschaffen zu haben.“ Richters Bilder haben einfach etwas Besonderes, erkannte auch Benjamin Kube vom Café „Lorla“, dessen Wahlspruch „Kunst & Du“ lautet. Derzeit öffnet das Café in der Oberen Stadt von Kronach coronabedingt von Freitag bis Sonntag.