Wie ein silberheller Strom
Das Kölner Klaviertrio mit (von links) Walter Schreiber (Violine), Wolfang Manz (Klavier) und Joanna Sachryn (Violoncello) traten im weißen Saal des Wasserschlosses in Mitwitz mit einem Klavierkonzert und einem Klaviertrio auf.
Das Kölner Klaviertrio mit (von links) Walter Schreiber (Violine), Wolfang Manz (Klavier) und Joanna Sachryn (Violoncello) traten im weißen Saal des Wasserschlosses in Mitwitz mit einem Klavierkonzert und einem Klaviertrio auf.
Foto: Michael Wunder
Mitwitz – Konzert  Das Kölner Klaviertrio war beim Mitwitzer Schlosskonzert zu Gast und verzauberte für zweimal 30 Minuten die Zuhörer.

Das Kölner Klaviertrio gastierte am Sonntag beim Mitwitzer Schlosskonzert. Walter Schreiber an der Violine, Joanna Sachryn am Violoncello und Wolfgang Manz am Klavier spielten das Klavierkonzert „Geistertrio“ von Ludwig van Beethoven und das Klaviertrio Nr.2, C-Dur op. 87 von Johannes Brahms.

Im weißen Saal des Mitwitzer Schlosses hatte die Kreiskulturreferentin Gisela Lang die handverlesenen Gäste begrüßt, bevor man mit dem knapp eine halbe Stunde dauernden Stück, das der Komponist Beethoven im Winter 1808/09 der Öffentlichkeit vorstellte, startete. Das in vier Oktaven vorgetragene Stück prägt sich dem Zuhörer fest und bestimmt ein, und dieser verliert es in den wunderlichsten Krümmungen und Wendungen wie einen silberhellen Strom nicht mehr aus den Augen und Ohren. Den populären Beinamen „Geistertrio“, der dem Charakter des Anfangs zu widersprechen scheint, verdankt das Trio dem langsamen Mittelteil und einer Bemerkung des Beethoven-Schülers Carl Czerny. Er meinte, dass der Charakter des sehr langsam vorzutragenden Largos sehr geisterhaft und schauerlich sei. Zum Eindruck des Geisterhaften trägt auch der Klang bei.

Lakonisches Hauptthema

Zu den am wenigsten verstandenen Werken von Brahms gehört das Klaviertrio Nr. 2, C-Dur op. 87, das er im Sommer 1882 im Salzkammergut schrieb. Wie in dem ein Jahr vorher vollendeten 2. Klavierkonzert beginnt der erste Satz (Allegro) mit einem lakonischen Hauptthema. Es wird sogleich in ein harmonisches Vexierspiel verstrickt und von träumerischen Klangfeldern abgelöst wie im Kopfsatz des Konzerts. In dieser Weise schweifen die Themen immer wieder ab und verwandeln sich unversehens in Neues. Nach etlichen „Erweiterungen“ gewinnt es endlich in einer Dolce-Melodie Kontur, die sich gleich darauf in einen wuchtigen, orchestralen Ausbruch in a-Moll verkehrt. Dieses Motiv im punktierten Rhythmus beherrscht die dramatische Durchführung, in deren zweitem Teil das Hauptthema im Tempo beschleunigt auftritt.

Nur selten hat Brahms zu diesem Mittel der Tempomodifikation gegriffen. Nach dem c-Moll-Scherzo kehrte er im Finale zur C-Dur zurück. Das Giocoso dieses Allegros mit seiner übermäßigen Quart im Thema hat Brahms genüsslich ausgekostet und dem Pianisten dabei genügend Gelegenheit verschafft, mit „Schlagen, Stoßen und Grabbeln“ auf dem Flügel zarte Seelen wie Clara Schumann zu verschrecken. Das Trio erntete nach den jeweils rund 30 Minuten einen kräftigen Applaus.