Die vielen Gesichter der Mumie
Welche Haar- und Augenfarbe sie wohl hatte? Eine Computeranimation zeigt zumindest eine Möglichkeit.
Welche Haar- und Augenfarbe sie wohl hatte? Eine Computeranimation zeigt zumindest eine Möglichkeit.
Foto: Monika Schütz
Bad Staffelstein – ausstellung  Eine „Ent-Wicklung“ der besonderen Art: die Banzer Mumie zwischen Forschung und Verantwortung.

Die Faszination Mumie besteht seit Jahrhunderten. Vor rund 200 Jahren steigerte sich diese zu einer regelrechten Ägyptomanie. Diesem Trend folgend, begab sich Herzog Maximilian in Bayern (der Vater von „Sisi“) 1838 auf eine acht Monate lange Orientreise. Dabei sammelte er kuriose Reiseandenken, die bis heute in der Orientalischen Sammlung in Banz zu sehen sind, unter anderem eine Mumie und drei Mumien-Köpfe.

Jetzt wurde dort eine Sonderausstellung mit dem Schlagwort „Ent-wickelt“ eröffnet. Das Wort hat hierbei zweierlei Bedeutung. Wegen fehlender und noch nicht aussagekräftiger Möglichkeiten, Näheres zu Person, Alter oder Herkunftsort von Mumien zu erforschen und zu bestimmen, wickelte man Teile von gefundenen oder ausgegrabenen Mumien einfach aus. Zum Schaden der Mumie – denn das bloße Auge allein vermochte nicht viel zu erkennen. Das widerfuhr auch der Banzer Mumie: Man vermutet, dass die erste „Ent-Wicklung“ um 1900 hier in Banz stattfand. Teile der Leinenbinden wurden entfernt und legten eine Hälfte des Gesichts frei. Ein weibliches Individuum jungen Alters wurde identifiziert. Erkannt wurde der gute Erhaltungszustand der Zähne und die überraschende Haltung von Armen und Händen.

Überreste im CT erforscht

Um 1986 fand eine zweite, weit umfangreichere Untersuchung in München statt. Nun bediente man sich der Technik und schickte die menschlichen Überreste in ein CT. Eine weitere Untersuchung ab 2020, jetzt mit Zuhilfenahme modernster Geräte und Techniken, unter anderem aus der Gerichtsmedizin und Pathologie, ergab ein ziemlich detailliertes Bild, wen Herzog Max damals legal (!) erworben hatte und von seiner Orientreise als „Andenken“ mit nach Banz brachte. Jetzt weiß man Näheres zu Alter, Geschlecht, Sterbedatum, Aufenthaltsort, biologische Details und auch, von was sich die Verstorbene ernährt hat. „Es gibt in der Tat Neues!“, brachte Prof. Andreas Nerlich die geladenen Gäste zum Staunen.

Die Sonderausstellung zeigt die spannenden Geschichte rund um die Banzer Frauenmumie und präsentiert vergangene und aktuelle Untersuchungsergebnisse einschließlich einer forensischen Gesichtsrekonstruktion. Maßgeblich daran beteiligt war eine Gruppe von Studierenden der Uni Würzburg.

Es geht auch um Menschenwürde

Gleichzeitig mit der Vernissage im Gewölbe des Museums wurde eine digitale Ausstellung eröffnet: Am Bildschirm kann der Besucher verfolgen, wie angewandte Radio-Karbon-Technik und eine virtuelle Gesichtsrekonstruktion dem „Mitbringsel“ ein Gesicht geben. Nicht vergessen wurde – und da legten bei der Vernissage die Professoren Rauh und Nerlich sowie Ester Kaack (Sprecherin der Studierenden) großen Wert drauf –, dass es sich hier um einen Menschen handelte. Über ethnische Fragen und Aspekte zur Menschenwürde informiert, ebenfalls im Gewölbe des Museums, eine weitere Tafel: Sie stellt ein fiktives Gespräch mit der Mumie und einer Aufsichtsperson in einem Museum nach.