Konzert
Famose Verschmelzung von Mensch und Musik
Claire Huangci
Claire Huangci
Foto: Corinna Tübel
Burgkunstadt – Den letzten Kultursonntag der Kulturgemeinde in dieser Saison füllte die amerikanische Pianistin Claire Huangci – nun mehr zum dritten Mal Gast der...

Den letzten Kultursonntag der Kulturgemeinde in dieser Saison füllte die amerikanische Pianistin Claire Huangci – nun mehr zum dritten Mal Gast der beliebten Reihe. Die 32-Jährige schien mit den Tönen eine virtuose körperliche und seelische Einheit zu bilden, die aufs Publikum überging.

„Extrovertierte Wucht“ oder „feinsinnige Klangdramaturgie“ sagen Claire Huangci überregionale Medien nach. Die Amerikanerin, die bereits zum dritten Mal in der Alten Vogtei zu Gast war, entführte das kleine Publikum in eine Welt, die musikalische Vergangenheit und Gegenwart zugleich war. Sie spielte nicht nur ausgewählte Werke Ludwig van Beethovens, Frédéric Chopins und Franz Schuberts. Vielmehr adaptierte und interpretierte sie die Melodien mit allen Sinnen in das Hier und Jetzt. In dunkel und düster anheimelnde Passagen etwa in Ludwig van Beethovens Klaviersonate d-Moll op. 31 „Der Sturm“ schnellen die Hände der Pianistin immer wieder in die Höhe, um sich sogleich wieder sanft und zielsicher auf die Tasten zu legen. Ihre Hände schwingen nach vielen Berührungen weiter, als wolle Claire Huangci die Töne noch mehr verbinden. Die Augen hat die Pianistin meist geschlossen, dafür wiegt sie ihren Körper mit den Melodien: mal stoßhaft in Richtung ihrer Hände, mal wellenartig durch die Luft, als wolle sie die schwebenden Töne begleiten. Musik und Mensch scheinen zu verschmelzen. Worte bedarf es während des Abends kaum. Die 1990 in New York geborene Künstlerin spricht in einer ganz eigenen Sprache zum Publikum.

Im Alter von sechs Jahren begann sie mit dem Klavierspiel. Bereits mit neun Jahren konnte sie eine internationale Karriere mit Konzertauftritten und Wettbewerbserfolgen vorweisen, ehe sie am Curtis Institute of Music in Philadelphia studierte. Von 2007 bis 2016 lernte sie an der Hochschule für Musik, Theater und Medien in Hannover. Besonders als ausdrucksstarke Chopin-Interpretin fiel sie zu Beginn ihrer künstlerischen Laufbahn und in weiteren Wettbewerben auf.

Melancholisch und mitreißend

Neben großem Talent ist es wohl dieses „gewisse Etwas“, das die Frau mit dem unglaublich sanften Lächeln mitbringt: den Mut, sich mit allen Sinnen in die Musik fallen zu lassen. Mögen die Übergänge innerhalb eines Stückes auch hart klingen, meistert sie die Pianistin mit großer Selbstverständlichkeit: im Rausch der Geschwindigkeit und extrovertiert, sanft und melancholisch und mitreißend. So auch im „Marche funebre“, dem Trauermarsch aus der Feder Frédéric Chopins. Einigen Zuhörern aus einem US-amerikanischen Stummfilm bekannt, erlebten sie eine Darbietung, wie sie aktueller nicht sein könnte.

In Solorezitaten und als Partnerin internationaler Orchester konzertierte Claire Huangci bereits in bedeutenden Konzertsälen, unter anderem in New York, Tokio, Paris, München, Hamburg und Wien. Anfang dieses Jahres präsentierte sie in einem groß angelegten Projekt fünf Klavierkonzerte von Prokofjew mit dem Biel Solothurn Orchester. Gemeinsam mit dem Le Concert Olympique kehrt sie außerdem mit Beethovens Klavierkonzert Nr. 2 an die Philharmonie Berlin sowie die Elbphilharmonie Hamburg zurück. Auch ihre Soloalben bezeugen beeindruckende musikalische Klasse, aber noch mehr Individualität.

Der nächste Kultursonntag findet am 16. Oktober um 17 Uhr mit dem „Trio Jean Paul“ statt; Informationen unter baur-stiftung.de/kultursonntage.