Fränkischer Frohsinn
Viel fränkischen Humor vermittelte Jörg Kaiser mit seinem Kabarett-Auftritt „Kaiser’s Schmarren“ beim Kulturverein von Altenkunstadt.
Viel fränkischen Humor vermittelte Jörg Kaiser mit seinem Kabarett-Auftritt „Kaiser’s Schmarren“ beim Kulturverein von Altenkunstadt.
Foto: Dieter Radziej
Altenkunstadt – Auftritt  Mit Jörg Kaiser gastierte diesmal ein bekannter heimischer Künstler beim Kulturverein von Altenkunstadt.

Der Kulturraum der Synagoge bot auch akustisch einen bestens geeigneten Rahmen für Jörg Kaiser „Kaiser’s Schmarren“ – und er fühlte sich schon bei seinem Programmeinstieg unter den „Altenkuschtern“, wie er in Mundart anmerkte, gleich recht wohl. Fränkischer Frohsinn vom Feinsten eben.

Zunächst wandte sich Kaiser ein klein wenig den Sitten und Gebräuchen zu und leitete zur aktuellen Jahreszeit mit den Weihnachtsmärkten über, wobei er ein Thema aufgriff, das hier besonders in den Familien für Gesprächsstoff und Diskussionsbedarf sorgt: der „Weihnachtsbaumkauf“. Köstlich dabei schon im Vorfeld die Erlebnisse in einer Christbaumkultur, als alle Anstrengungen unternommen werden, den Kaufanreiz für eines dieser Bäumchen zu wecken. Anschließend bereitete es dem Publikum einen Heidenspaß, als es die Kommentare der Familienangehörigen – nicht selten kamen eigene Erinnerungen und Erlebnisse auf – zum Weihnachtsbaum gab, als dieser letztendlich aufgestellt wurde.

Mit dem einzigen Satz „Was soll ich dir denn schenken?“, der in schöner Regelmäßigkeit immer wieder aufkommt, war dann alles zu den Weihnachtsgeschenken gesagt. Jörg Kaiser versetzte sich dabei in die Rolle eines Mannes, der Damen-Unterwäsche als die besondere Weihnachtsüberraschung ins Blickfeld gefasst hat, und begleitet dabei seinen männlichen Artgenossen durch die Einkaufswelt mit ihren vielen Erlebnissen und Kommentaren.

Treffend auch die Überleitung zu einem markanten Fest, der fränkischen Kirchweih, wobei Jörg Kaiser einmal die Eindrücke beim Besuch der Angehörigen, die man natürlich schnell wieder los werden wollte, schilderte. „Schön, dass ihr da wart“, lautete gleichsam der markante Satz, um dem „Abschiednehmen“ irgendwie doch noch einen freundlichen Abgang zu verleihen.

Von Radler bis Unkraut

Natürlich bot die November-Zeit Gelegenheit, um vielfältige Erinnerungen zu wecken und Gedanken aufkommen zu lassen. Naheliegend auch der 6. Januar, wobei Jörg Kaiser das „Stärk antrinken“ an einem Stammtischabend beleuchtete und dann einen Familienalltag schilderte. Die Haare sträuben sich, wenn er selbst einmal einen Wirtshausbesuch vornimmt und am Nebentisch miterleben muss, wie ein Gast ein „alkoholfreies saures Radler“ bestellt; sein Kommentar dazu: „Ein mit Wasser gestrecktes Bier.“

Zu alldem passten auch die Eindrücke vom Vatertag und als Jörg Kaiser einen fränkischen Polterabend und das alltägliche Thema des „Unkrautzupfens“ bei den Gartenbesitzern beleuchtete. Ganz aktuell auch seine Anmerkungen zu selbst fahrenden Autos und den häufig zu lesenden Aufklebern „Wir bremsen auch für Tiere“, und, brandaktuell, die Möglichkeit, sich einen „Sex-Roboter“ im Internet zu bestellen.

Nicht fehlen durfte auch die Corona-Pandemie, die, wie er ganz nüchtern feststellte, nicht nur der Künstlerschar zu schaffen machte, sondern allen Menschen gleichermaßen. Deshalb an dieser Stelle nochmals sein freundlicher Zuruf an sein Publikum: „Schön, dass ihr nach eineinhalb Jahren wieder einmal vom Sofa aufgekommen seid.“ Er versuchte dabei auch, mit einigen heiteren Episoden zu charakterisieren, wie in dieser Zeit die Freizeitbetätigungen der Bevölkerung, natürlich auch der „Altenkuschter“, wie er ergänzte, vom Spaziergang über Yoga bis hin zum kreativen Entenfüttern vonstattengegangen sind. Selbst die seit Generationen bekannten Gesellschaftsspiele wie das „Mensch ärgere dich nicht“ erlangten wieder einmal ihren Stellenwert und dazu die Anmerkungen des Opas an die Enkelkinder: „Man muss ach am mol verlieren könna.“

Schule, Beruf und natürlich die Freizeit durften ebenfalls nicht fehlen, etwa beim Saunagang die nüchterne Anmerkung aus der Mitte der Familie: „Fürs Schwitzen a’ noch Geld ausgeben.“ Dennoch beinhaltete das leicht bekömmliche Dessert von Jörg Kaiser auch viel vom fränkischen Frohsinn und er gab deshalb am Ende seiner Zuhörerschaft die gut gemeinten Ratschläge: „Einfach etwas runterfahren und entspannen, dann werden wir auch die kommende Zeit wieder schaffen“ mit auf den Weg.