Wandervögel
Klimawandel beeinflusst Flugrouten und Verhalten unserer Zugvögel
Die auch im Landkreis Lichtenfels weit verbreitete Mönchsgrasmücke gehört zu den häufigsten Brutvögeln. Durch ihre versteckte Lebensweise ist sie jedoch selten zu sehen.
Die auch im Landkreis Lichtenfels weit verbreitete Mönchsgrasmücke gehört zu den häufigsten Brutvögeln. Durch ihre versteckte Lebensweise ist sie jedoch selten zu sehen.
Foto: Johannes Selmansberger
Lichtenfels

Im Herbst machen sich die Zugvögel wieder auf den Weg und sind vermehrt in der Natur zu beobachten. Der Klimawandel beeinflusst jedoch Abflugzeiten und Flugstrecken.

Der richtige Zeitpunkt des Zuges ist abgestimmt auf das Futter in den Durchzugs- und Überwinterungsgebieten. Immer mehr Vögel versuchen ihr Glück daher daheim.

Viele Vogelarten machen sich derzeit auf den Weg Richtung Süden. „Auch Zugvögel müssen zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Manchmal lässt sich das im heimischen Garten beobachten, dort dürften sich im Moment besonders viele kleinere Vögel tummeln“, erklärt Günther Scheler, Delegierter der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe Lichtenfels. „Oft fallen die gefiederten Freunde nur deshalb auf, weil sie entweder gar nicht im Garten vorkommen oder viel weniger häufig zu beobachten sind. Kleine Zugvögel, die keine Thermik benötigen, sind vor allem nachts unterwegs. Tagsüber ruhen sie sich eher aus und suchen beispielsweise im Garten nach Nahrung.“

Nicht nur Störche und Kraniche

Beim Vogelzug denken viele Menschen eher an große Vögel, wie Kraniche, Störche oder Gänse, die majestätisch über den Himmel ziehen. Aber es sind eben auch die kleinen Vögel, die jetzt unterwegs sind und unsere Aufmerksamkeit erregen.

„Der Abzug aus dem Brutgebiet erfolgt ab September, sie überwintern in Afrika südlich der Sahara“, so Scheler. Die auffälligen Starenschwärme lassen sich ebenfalls im September und Oktober gut beobachten. Doch Fernreisen werden bei einigen Vogelarten immer seltener.

Aufgrund des Klimawandels ist schon jetzt ein anderes Verhalten der Zugvögel zu beobachten. Viele Vögel verkürzen die Wege, so etwa Weißstörche, die in Spanien statt in Afrika überwintern. Manche Arten bleiben gleich ganz im heimischen Brutgebiet. „Das ist allerdings gefährlich. Fällt der Winter doch kalt und schneereich aus, finden die Tiere keine Nahrung“, so BN-Beisitzerin Claudia Drenda. „Manchen Arten machen die veränderten Bedingungen in ihren Überwinterungsquartieren zu schaffen.

Vögel passen sich an

Andere Vögel haben sich erstaunlich schnell an die veränderten Klimabedingungen angepasst und nutzen das für sich aus. „Die Mönchsgrasmücke fliegt beispielsweise nur bis in den Mittelmeerraum. Wenn sie merkt, dass das Wetter mild ist, fliegt sie zurück, legt früher Eier und verlässt uns später im Herbst“, so Drenda weiter. Viele bayerische Mönchsgrasmücken haben ihre Route sogar komplett geändert und fliegen nicht mehr nach Spanien, sondern lieber nach Großbritannien. Dort finden die Tiere auch im Winter genug Nahrung, können früher und besser genährt zurückzukehren und die besseren Reviere besetzen. red