UNTER UNS AM OBERMAIN von Markus Häggberg
Mal über Nachschub reden
Lichtenfels

Not macht erfinderisch. Wer wüsste das besser als kleine Lichtenfelser Lausebengel.

Ich weiß noch nicht, wie ich diese Sache erzählen soll. Kann sein, dass ich mich vor Lachen vertippen werde, aber so hat es sich nun mal zugetragen. Es muss niemandem peinlich sein, denn es hat ja auch mit Hygiene zu tun …untenrum. Vor allem aber hat es auch mit kleinen Jungs zu tun, die Fragen ans Leben haben.

Also es war so, dass zwei kleine Kumpels (sie sind Brüder und ich kenne sie und ihre Mutter) neulich auf dem Lichtenfelser Marktplatz mit ihren Nerf-Pistolen unterwegs waren. Nerf ist eine Marke des US-amerikanischen Spielwarenherstellers Hasbro und diese Pistolen und Gewehre sehen ziemlich reizvoll aus. Man kann mit ihnen ordentlich viele Schaumstoffgeschosse verballern und den Leuten so richtig auf den Keks gehen. Am meisten Spaß machen diese Knarren jedoch daheim. Aber die immer wieder verwendbaren Geschosse sind nicht ganz billig.

Und jetzt sind wir beim Thema: die Munition und der Nachschub. Für kleine Jungs ein gewichtiges Thema und sehr bedeutsam. Es kommt ja schließlich vor, dass die Geschosse abhandenkommen. Weil sie hinterm Schrank oder hinter der Spüle landen, aus dem Fenster fliegen oder sonst was.

Tja, und irgendwann und weil Not erfinderisch macht, haben sich die beiden mit wachem Geist danach umgesehen, was ihnen als Munition noch so in die Hände fallen und taugen könnte. Im Bad stießen sie in einem Schränkchen auf „Wattepatronen“. So jedenfalls nannten sie einen Hygieneartikel, der aus für sie noch unerfindlichen Gründen eher von ihrer Mutter als von ihrem Vater benutzt wird.

Jedenfalls zogen sie das Kaliber dieser Wattepatronen in Betracht und stellten fest, dass die mit dem Begriff „Tampon“ bezeichneten Dinger sehr gut in ihre Pistolen passen und ziemlich gut verschießbar sind. „Sie stehen an Präzision ihren bisherigen Patronen in nichts nach“, erklärte mir dazu die Mutter der beiden Jungs.

Man kann sich vorstellen, dass ich mich ganz schön wunderte, das ausgerechnet aus ihrem Munde zu erfahren. Darum wollte ich wissen, woher sie das denn wisse. „Weil ich es selber auch schon probiert habe“, erklärte mir die Mutter lachend. Tja, ich dachte, ich erzähle das mal.