„Stammkunde“ erneut verurteilt
Lichtenfels – Gericht  Ein 41-jähriger Mann aus dem Landkreis Lichtenfels wollte Beute in Kindertagesstätten machen. Das Kronacher Schöffengericht verhängt wegen Diebstahls und Sachbeschädigung dreihalb Jahre Haft.

Drei mysteriöse Einbrüche in ein und dieselbe Kindertagesstätte in Redwitz verunsicherten Ende vergangenen Jahres die dortigen Mitarbeiter aber auch einige Kinder. Etwa im gleichen Zeitraum und kurz danach gab es auch unzählige Aufbrüche von Privatautos, die in Parkhäusern in der Stadt Lichtenfels abgestellt waren. Wenige Wochen später wurde der Täter dingfest gemacht. Er konnte nun für seine Straftaten verantwortlich gemacht werden.

Geringe Beute, hoher Sachschaden

Zu einer Haftstrafe von drei Jahren und fünf Monaten wurde am Mittwoch ein 41-jähriger Mann aus dem Landkreis Lichtenfels vom Kronacher Schöffengericht unter Vorsitz von Richterin Claudia Weilmünster verurteilt. Der Grund: vollendeter und versuchter Diebstahl sowie Sachbeschädigung in mehreren Fällen.

Die Beute für den Angeklagten war mit rund 1320 Euro gering, der Sachschaden mit rund 13 000 Euro sehr hoch. Der Arbeitslose war bereits seit Jahren in Justiz- und Polizeikreisen bekannt und gehörte fast zum Stammklientel. Denn: 20 Jahre seines Lebens, also fast die Hälfte, hat der später Verurteilte bereits wegen einschlägigen Straftaten hinter Gitter verbracht.

Erst im Oktober 2020 war er nach einem Aufenthalt im Gefängnis wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Nach einer kurzen Verschnaufpause von zwei Wochen in Freiheit schlug er wieder zu und verfiel in alte Gewohnheiten. Selbst sein Verteidiger Till Wagler gab zu: „Er kam immer wieder aus dem Knast heraus und schon ging es wieder rein.“

Die Vorwürfe von Staatsanwältin Jana Müller: Der 41-Jährige soll damals drei Mal die Scheiben der Einrichtungen mit Pflastersteine eingeschlagen und sich so Zugang verschafft haben. Er soll insgesamt 190 Euro Bargeld und einmal zwei Laptops erbeutet haben. Das andere Mal musste er ohne Diebesgut davonziehen. Eine Liste von Sachbeschädigungen an Privatautos in Lichtenfelser Parkhäusern rechnete die Anklagevertreterin dem 41-Jährigen ebenfalls zu.

Im Verlauf der Verhandlung wurde aber festgestellt, dass der Angeklagte nur in einem Fall aufgrund von DNA-Spuren als Täter verurteilt werden kann. Er entwendete aus dem selbst beschädigten Wagen ein Navigationsgerät, der Sachschaden betrug 3300 Euro.

Zu Beginn der Verhandlung, zu der zahlreiche Zeugen geladen waren, wollte der Angeklagte keine Angaben zu den Vorwürfen machen. Nach einem Gespräch zwischen den Prozessbeteiligten legte dieser dann ein Teilgeständnis ab. Er gab an, dass er nach seinem Hauptschulabschluss noch niemals gearbeitet habe. Das Geld aus seinen Straftaten habe er stets für den Kauf von Drogen verwendet, ohne sich Gedanken über einen Entzug zu machen. Heute sehe er dies jedoch anders und würde sich gerne therapieren lassen. Der 41-Jährige jammerte: „Nach 20 Jahren Haft muss man was machen. Ich will mal ein paar Monate in Freiheit bleiben.“

Keine Resozialisierung

Ein Kriminalbeamter berichtete, dass der Angeklagte anhand DNA-Spuren in der Kindertagesstätte überführt werden konnte. Da die Erzieherinnen kein Geld in den Einrichtungen lassen, habe der Angeklagte höchstens ein paar Euro für Laternen erbeuten können. Die Staatsanwältin kritisierte vor allem das lange Vorstrafenregister des 41-Jährigen. Trotz der erheblichen Haftstrafen, die er abgesessen habe, konnte keine Resozialisierung erfolgen. Sie forderte drei Jahre und neun Monate Gefängnis.

Der Verteidiger bat, seinem Mandanten eine Therapiechance zu geben. „Er will so nicht mehr weitermachen“, stellte er in Aussicht. „So viele Gefängnisstrafen, das ist schon eine beachtliche Leistung“, meinte die Richterin in ihrem Urteil. Den Angeklagten fragte sie: „Was erwartet man für Beute in einem Kindergarten? – Höchstens mal etwas Geld aus der Kaffeekasse.“ Die Richterin gab zu bedenken, dass der Angeklagte einen großen Teil seiner Strafe verbüßen müsse, bevor er eine Therapiechance erhalte.