Jupps Gartentipps
Friedhöfe als Orte des Lebens
Friedhof Redwitz
Für Gartenexperte Josef Schröder sind Friedhöfe auch Orte des Lebens. Ihr Baumbestand, die Sträucher und Stauden sind ein wichtiger Bestandteil der Grünanlagen einer Gemeinde.
Foto: Josef Schröder
Bamberg – An Allerheiligen ist Zeit, bei einem Gang über den Friedhof über Vergänglichkeit nachzudenken. Für Josef Schröder sind Friedhöfe auch Orte des Lebens.

Diese Jahreszeit ist mit dem Fallen der Blätter von den Bäumen und dem Einziehen der Kräuter besonders dazu angetan, über das Wachsen und Vergehen nachzudenken. Dieser Vorgang, wie auch das Sterben der Menschen, sollte wieder mehr als natürlich angesehen werden. Leben und Tod sind nämlich eins: Werden und Vergehen die großen Bausteine des Daseins. Es ist nicht richtig, den Tod immer mehr aus dem Leben auszuklammern. Früher ist der Gedanke an das Sterben allgegenwärtig gewesen. Davon zeugen die Texte in vielen Volksliedern und Gedichten, bei denen der Tod meistens in den letzten Zeilen Erwähnung findet. Diese Inhalte, die an die Sterblichkeit erinnern, werden heute vielfach einfach aus der ursprünglichen Fassung weggelassen.Wichtige Grünanlagen für die Gemeinden

Friedhöfe sind nicht nur die letzten Ruhestätten der Verstorbenen, sondern gleichzeitig oft Orte von kultur- und kunsthistorischer Bedeutung. Sie gewinnen zunehmend auch an Geltung für die Grünsysteme einer Gemeinde oder Stadt. Friedhöfe können wegen ihrer vielen Strukturen wie Hecken, Bäume und Blumen auf engstem Raum zu Rückzugsgebieten gefährdeter Tier- und Pflanzenarten sein. Das Vogelgezwitscher und Brummen der Hummeln ist in der Vegetationszeit unüberhörbar. So kann man Friedhöfe auch als Orte des Lebens bezeichnen.

Beim Gang über den Friedhof werden Geschichten aus dem Leben von Bekannten vor dem inneren Auge sichtbar. Die Toten bleiben somit ein Teil unseres Lebens. Heimat ist da, wo wir die Namen der Verstorbenen kennen. Der Umgang mit den Toten ist auch immer ein Zeichen der gegenwärtigen Denkweise. Friedhöfe sind meistens über Jahrhunderte gewachsen. Der Altbaumbestand ist dabei ein besonderer Schatz, den es zu erhalten gilt. Früher hat man die Friedhöfe direkt um die Kirche herum angelegt und mit einer Mauer umgeben. Das ergab bei jedem Kirchgang eine direkte Verbindung mit den Toten. Durch die allgemeine Bevölkerungszunahme sind aber diese "Kirchhöfe" meistens zu klein geworden.