Auf die Art kommt's an
Welche Kreditkarte passt zu Dir?
Einkaufen, Reisen, Mieten
In vielen Lebenslagen ist eine Kreditkarte unverzichtbar. Doch nicht jede ist für jeden Zweck geeignet.
Foto: Andrea Warnecke/dpa-tmn/Illustration
Berlin/Stuttgart – Ob beim Einkaufen, Reisen, Mieten oder Reservieren, oft ist eine Kreditkarte unverzichtbar. Doch Kreditkarte ist nicht gleich Kreditkarte. Die Unterschiede können groß sein - nicht nur beim Preis.

Wer sich für eine Kreditkarte interessiert, steht vor der Qual der Wahl: Welcher Anbieter soll es sein? Wie soll das Geld vom Konto eingezogen werden? Und: Welche Zusatzfunktionen soll die Karte haben? Wer sich genau informiert, findet das passende Produkt für seine Bedürfnisse.

Grundsätzlich gibt es vier verschiedene Kreditkartenarten. «Sie unterscheiden sich darin, wie die Kreditkartenumsätze abgerechnet werden», sagt Kerstin Backofen von der Stiftung Warentest.

Von Charge-Card bis Prepaid-Karten

Sehr weit verbreitet ist die sogenannte Charge-Card. «Bei dieser Kartenart stellt die Bank einmal im Monat eine Gesamtrechnung über alle Umsätze aus und zieht den Betrag per Lastschrift vom Girokonto ein», sagt Backofen. Für den Zeitraum zwischen Zahlung und Buchung fallen keine Zinsen an.

Bei der «Revolving-» oder auch «Credit-Card» muss die Summe nicht komplett in einem Betrag beglichen werden. Bei dieser Art der Kreditkarte kann eine Ratenzahlung vereinbart werden. Das heißt, jeden Monat wird nur ein Teil der ausstehenden Summe vom Konto abgebucht.

Debit-Karten funktionieren anders. Sie ähneln Girokarten (früher EC-Karten). Nach der Bezahlung mit der Karte geht das Geld sofort vom angeschlossenen Girokonto ab. Diese Karten sind also keine echten Kreditkarten. Dennoch haben sie Vorteile gegenüber Girokarten. «Mit den Debit-Karten kann man im Internet bezahlen», sagt Josefine Lietzau von Finanztip. Mit Girokarten ist das nicht möglich.

Auch Prepaid-Karten sind keine echten Kreditkarten. Diese Karten müssen vom Nutzer vor dem Bezahlen aufgeladen werden. Der Nutzer kann dann über den eingezahlten Betrag verfügen. «Dieses System eignet sich vor allem für Jugendliche und Menschen mit schlechter Schufa-Bewertung, da diese oft keine normale Kreditkarte bekommen», sagt Lietzau.

Nicht alle Karten können alles

Aber Vorsicht: Mit Debit- und Prepaidkarten geht nicht alles, was mit herkömmlichen Kreditkarten geht. «Es kann Probleme geben, wenn man damit ein Hotelzimmer oder einen Mietwagen buchen möchte. Diese Karten werden vor Ort beim Bezahlen womöglich nicht akzeptiert», sagt Lietzau.

Die Stiftung Warentest hat sich 28 weit verbreitete Kreditkarten und die damit verbundenen Kosten angesehen. «Die Spanne allein bei der Jahresgebühr liegt zwischen 0 und 136 Euro» sagt Backofen.

Gebühren können variieren

Auch die Nutzungsgebühren unterscheiden sich teilweise deutlich. Wer mit einer Kreditkarte an einem Automaten Geld abhebt, zahlt zwischen null und vier Prozent der Summe an Gebühren. Im teuersten Fall werden für eine Abhebung von 400 Euro also 16 Euro fällig.

Im Ausland können weitere Kosten hinzukommen. Zum Beispiel die Währungsumrechnungsgebühr, wenn in Nicht-Euro-Ländern Geld abgehoben oder eingekauft wird. Aber auch hier gibt es Kreditkarten, bei deren Einsatz kaum oder gar keine Gebühren fällig werden.

Zusatzleistungen gut prüfen

Lietzau rät, genau durchzurechnen, ab wann sich eine bestimmte Karte für jemanden lohnt. Zudem ist es sinnvoll, die Konditionen und Zusatzleistungen mit Leistungen der Standardkarten zu vergleichen.

Eine der gängigsten Zusatzleistungen ist die inkludierte Reiseversicherung. Es gibt aber auch Karten, die bestimmte Rabatte bereithalten - zum Beispiel beim Tanken. Andere Anbieter geben besondere Services, wie zum Beispiel Zugang zu Lounges, obendrauf. «Oft sind Zusatzleistungen jedoch mit vielen Einschränkungen oder hohen Selbstbeteiligungen versehen», sagt Lietzau.

Seit einigen Jahren bieten auch Einzelhändler, Autobauer und sogar Fußballvereine in Zusammenarbeit mit Banken Kreditkarten an. Die Liste ist lang. Das Angebot reicht vom ADAC, über den FC Bayern bis hin zu Ikea. Meistens locken die Kreditkartenanbieter mit Extras, ähnlich der Zusatzleistungen.

Martina Schröder von der Verbraucherzentrale Sachsen rät, auch hier auf die Konditionen zu schauen: «Welchen Vorteil habe ich, wenn ich die Karte im Unternehmen einsetze und wie sind die Vertragsbedingungen, wenn ich sie darüber hinaus einsetze?» Unterscheidet sich diese spezielle Kreditkarte von herkömmlichen? Und: Lauern versteckte Kosten? Schröder empfiehlt, sich die Mühe zu machen und die Vertragsbedingungen genau zu lesen, um böse Überraschungen zu vermeiden.

Eigenes Nutzungsverhalten ist wichtig

Für wen welche Karte geeignet ist, hängt also von der Nutzung ab. «Man sollte sich fragen, wozu brauche ich die Karte, reise ich viel oder brauche ich sie nur für Onlinekäufe?», sagt Backofen.

Jemand, der hauptsächlich Einkäufe im Internet bezahlen möchte, den stören Kosten, die im Ausland durch Bargeldabhebungen anfallen, eher weniger. Beim vielreisenden Geschäftsmann hingegen könnte der Fokus auf der günstigen Bargeldabhebung im Ausland liegen. Für die meisten Menschen dürfte eine Standardkreditkarte aber allemal ausreichen. Wer jedoch spezielle Kriterien an seine Karte anlegt, findet Entscheidungshilfen und Kreditkartenvergleiche im Netz.

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