Technik-Michel
Was ist eigentlich eine eSIM?
Welche SIM-Karte soll es sein? Und welcher Mobilfunktarif ist darauf hinterlegt? Diese Frage könnte mit der eSIM bald der Vergangenheit angehören.
Welche SIM-Karte soll es sein? Und welcher Mobilfunktarif ist darauf hinterlegt? Diese Frage könnte mit der eSIM bald der Vergangenheit angehören.
Foto: Oleksiy Mark, Fotolia
Bamberg – Schon bald könnte die SIM-Karte der Vergangenheit angehören. Denn der elektronische Nachfolger steht schon in der Startlöchern.

Ein Handy oder Smartphone ist schnell gekauft. Ohne ein wichtiges Zubehör aber sind diese Geräte nahezu nutzlos, keine Telefonie wäre möglich, kein Datenversand unterwegs. Die Rede ist von der sogenannten SIM-Karte (SIM steht für Subscriber Identity Module, wörtlich übersetzt: Teilnehmer-Identitätsmodul).

Zu jedem Tarif, ob Vertrag oder Prepaid, gibt es sie dazu. Die kleine Karte muss ins Telefon eingelegt werden, anschließend stehen die gebuchten Dienste bereit. Zwar hat sich die Größe der SIM in den vergangenen Jahren mehrfach geändert, an sich ist das Vorgehen aber immer noch das gleiche wie vor 20 oder 30 Jahren.

In letzter Zeit aber bahnt sich eine Änderung an. Langsam aber sicher etabliert sich die eSIM (embedded SIM), die elektronische Variante der Karte. Die Teilnehmerinformationen sind hierbei auf einem nicht auswechselbaren Modul im Handy oder Smartphone gespeichert – und können auch geändert werden. Der sichtbarste Vorteil der eSIM: Direkt nach der Buchung eines Tarifs, zum Beispiel übers Internet, steht dieser bereit, der Postversand der SIM-Karte, wie bisher üblich, entfällt. Sobald die notwendigen Daten ins Gerät geladen sind, ist zwischen eSIM und der klassischen physischen SIM-Karte kein Unterschied mehr zu merken.

Die Netzbetreiber wie Telekom, Vodafone oder Telefonica werben damit, dass es mit der eSIM den Kunden besonders schnell und flexibel möglich ist, den gebuchten Tarif bei Bedarf zu ändern – auch im Urlaub. Und das funktioniert tatsächlich: Nach der Buchung erhält der Kunde meistens einen QR-Code, der einfach abfotografiert werden kann, zum Beispiel von einem Computerbildschirm. Oder ein Servicemitarbeiter des Anbieters aktiviert die eSIM durch einen Anruf bei der Hotline. Wobei: Wer Neukunde bei einem Anbieter ist, muss sich aufgrund der deutschen Rechtslage identifizieren. Das geht über Verfahren wie Post-Ident (in einer Postfiliale) oder auch per Video-Ident.

Viele Tarife in einem Smartphone

Solche Verfahren allerdings setzen voraus, dass entweder ein WLAN zur Verfügung steht oder ein zweites Gerät, das eine Internetverbindung aufbauen kann. Schnell mal beim einzigen Smartphone den Anbieter wechseln, dürfte auf Reisen also nicht ganz so einfach werden. Zudem: Bei Verträgen, die eine eSIM unterstützen, gelten natürlich die Vertragslaufzeiten und Kündigungsfristen weiter.

Ein Anwendungsbereich könnte aktuell der folgende sein: Im Smartphone arbeitet für den normalen Vertrag eine physische SIM wie bisher. Zusätzlich aktiviert der Nutzer die eSIM für einen Zweitvertrag, der niedrige oder keine monatlichen Kosten mit sich bringt und mögliche Schwächen des Hauptvertrags ausmerzt: Funkloch – schnell auf die eSIM wechseln und ein anderes Netz nutzen; mehr Datenvolumen zur Verfügung haben; bei längeren Auslandsaufenthalten einen lokalen Anbieter wählen, um nicht über Roaming arbeiten zu müssen. Anwendungsfälle für die eSIM als zweite SIM gibt es genügend. Bisher waren für einen solchen Dual-SIM-Betrieb immer zwei physische Karten nötig. Ganz zu schweigen davon, dass viele weitere Geräte schon heute und künftig vermehrt eine Anbindung ans Mobilfunknetz benötigen – von Smartwatches bis hin zu Autos.

Klar dürfte sein: Auf lange Sicht kommen wir an der eSIM nicht vorbei. Sie bietet Geräteherstellern und Mobilfunkanbietern Vorteile vor allem in den Bereichen Logistik und Kosten. Für die Kunden wird Mobilfunk flexibler und günstiger. Daher wird die eSIM nach einer gewissen Übergangszeit die physische SIM-Karte voraussichtlich komplett ablösen. Ein Smartphone ohne SIM-Einschub gab es bereits im Jahr 2019: Das Motorola Razr kam damals nur noch mit eSIM-Chip. Aktuell verfügen die Topmodelle vieler Hersteller über die eSIM, beispielsweise die aktuellen iPhones, Samsungs S21-Serie oder Googles Pixel-Smartphones ab dem Pixel 3. Auch Tablets werden nun vermehrt damit ausgestattet. Meistens ist aber zurzeit noch ein Einschub für eine herkömmliche SIM als Zusatz mit dabei.