Gericht
Bamberger Dealer von noch größerem Dealer verraten
Beide Crystal-Meth-Händler nutzten einen Teil ihrer Einnahmen, um die hohen Pflegekosten für ihre Mütter zu bezahlen.
Beide Crystal-Meth-Händler nutzten einen Teil ihrer Einnahmen, um die hohen Pflegekosten für ihre Mütter zu bezahlen.
Foto: Frank Leonhardt/dpa
Bamberg – Beide nutzten die Erlöse aus Crystal-Meth-Geschäften auch, um die Pflege ihrer Mütter bezahlen zu können.

Siebeneinhalb Jahre Gefängnis sind das Ende einer monatelangen Karriere als Großhändler im Drogenmilieu. Die Dritte Strafkammer am Landgericht Bamberg verhängte dieses Urteil gegen einen 48-jährigen Mann aus Bamberg, den wir Omer nennen wollen. Er hatte im großen Stil Crystal Meth angekauft und an seine Kunden weitergegeben. Zu Fall brachte ihn ausgerechnet ein noch größerer Drogendealer, der damit seine eigene Haftzeit deutlich verkürzte.

Die Aussage des 52-Jährigen bringt seinen ehemaligen Geschäftsfreund Omer in die Bredouille. Der Hauptbelastungszeuge schildert den Richtern und Schöffen, wie er Omer immer wieder mit Rauschgift versorgt hat. Dabei geht es nicht um ein paar Gramm zum Selberschnupfen – es geht um weit über ein halbes Kilo. Omer war einer der Stammkunden, zahlte zuverlässig und bekam bald einen Preisnachlass. Dann kostete das Gramm nicht mehr 58 Euro, sondern nur noch 52 Euro. Im Verkauf erzielte er 70 bis 100 Euro.

Betäubungsmittel und Waffen eingeschleust

Jener Hauptlieferant versorgte von der Tschechischen Republik aus drei Jahre lang nicht nur Bamberg und Umgebung mit Betäubungsmitteln und Waffen. Für die Botendienste hatte er Kuriere, die das Risiko auf sich nahmen, die heiße Ware über die Grenze zu schaffen, darunter auch seine 51-jährige Verlobte aus dem Landkreis Bamberg. In Bamberg wartete ein 49-jähriger „Bunkerhalter“ auf die Päckchen, um sie einzulagern, später umzupacken und für den Weiterverkauf fertigzumachen.

Anfangs kam das Methamphetamin noch aus Tschechien, wobei die Qualität nicht immer den Vorstellungen der Käufer entsprach. Später stammte der Stoff aus Dortmund. „Dort hatte man schöne große Kristalle. Das Zeug war sehr stark.“ Hergestellt wurden die synthetischen Betäubungsmittel in den Niederlanden.

Drogenring zerschlagen

Omer kam an das weiße Pulver durch „tote Briefkästen“. Das waren Dachrinnen an Holzschuppen in Pödeldorf, Erdlöcher im Wald bei Scheßlitz oder an Feldwegen am Würgauer Berg, aber auch Hohlräume an Fahrzeugen, die auf öffentlichen Parkplätzen in Bamberg abgestellt wurden, bis Omer sich das Crystal Meth mit einem Griff in den Radkasten oder unter den Spoiler geschnappt hatte. Die Anklageschrift listete 28 solcher Übergaben auf, wobei die letzte im Dezember 2020 schon nicht mehr vonstatten ging. Da hatte die Kriminalpolizei den Drogenring schon größtenteils zerschlagen und eine Reihe von Verdächtigen verhaftet.

Die Ermittler hatten den Chef im Visier. Sein Smartphone, seine Computer, sein Telefon wurden überwacht. Er wurde auf Schritt und Tritt verfolgt. Vier Monate lang dauerte die Aktion, die viel Geduld erforderte. Dann hatte man auf Seiten der Kripo Bamberg genügend Beweise beisammen. Nicht nur für die Deals mit Crystal Meth, sondern auch für Geschäfte mit scharfen Waffen.

Drogenerlös für Pflege der Mütter

Den Erlös der Drogengeschäfte investierten sowohl der Hauptlieferant aus Cheb als auch sein „bester Mann“ Omer ausgerechnet in die kostenintensive Pflege ihrer Mütter. „Ich brauchte das Geld für das Heim. Das kostete 5000 Euro monatlich“, erklärte der Hauptbelastungszeuge. So viel kostete Omer die Betreuung seiner gelähmten Mutter nicht, da er sich selbst um sie kümmerte. Um die körperlichen und psychischen Strapazen ertragen zu können, schnupfte er täglich eineinhalb Gramm. „Man hat seine Sucht ausgenutzt, um ihn hineinzuziehen“, sagte sein Verteidiger Dieter Widmann (Bamberg).

Ausgeprägte kriminelle Vergangenheit

Neben diesen Geschäften mit Crystal Meth fiel Omer auch noch ein Ecstasy-Handel mit fast 1000 Tabletten auf die Füße, die er an einen Bekannten zum Sonderpreis von 2000 Euro verkaufte.

Doch der Bekannte flog im Oktober 2020 auf und machte das, was fast alle Straftäter aus dem Drogenmilieu machen: die eigene Haut retten und der Polizei erzählen, was sie wissen will. Dafür bekam er „nur“ zweieinhalb Jahre Gefängnis.

Dem Vorsitzenden Richter Markus Reznik gegenüber leugnet Omer bis zuletzt, mit der Partydroge etwas zu tun zu haben. Dabei hat Omer eine ausgeprägte kriminelle Vergangenheit: Ein Vierteljahrhundert lang wurde er von den Amtsgerichten in Wunsiedel, Bayreuth, Pegnitz, Kulmbach, Erlangen und Bamberg verurteilt. Von Untreue und Betrug, über einen Verstoß gegen die Unterhaltspflicht und einen räuberischen Diebstahl bis hin zu Drogendelikten aller Arten und Größen reicht die Liste der Vorstrafen.

Besonders ärgerlich findet es Staatsanwalt Alexander Baum, dass Omer noch während einer offenen Bewährung schon wieder kriminell geworden war. So fordert er trotz eines Geständnisses fast neun Jahre Gefängnis.

Am Ende verkündet Richter Reznik immerhin siebeneinhalb Jahre Freiheitsstrafe. „Es handelt sich um eine harte, schnell süchtig machende Droge.“ Wobei aus anderen, noch nicht abgeschlossenen Verfahren noch einmal weitere zwei Jahre und drei Monate hinzukommen könnten.

Da Omer seit 15 Jahren selbst Crystal Meth nimmt, befürwortet Thomas Wenske aus Erlangen die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt. Der psychiatrische Sachverständige verspricht sich von den 18 Monaten Therapie ein Loskommen Omers von den Betäubungsmitteln und damit ein straffreies Leben.

Das Gericht gibt Omer diese Chance. Aber erst nach dem weiteren Aufenthalt in der JVA Würzburg.

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