Dialekt
Edzerdla: Ein Monat mit Lyrik „aff Frängisch“
Matthias Kröner schreibt  Mundart-Gedichte
Matthias Kröner schreibt Mundart-Gedichte
Foto: Gabriele Kröner
Bamberg – Vom 1. bis 31. Oktober ist in Franken Mundart-Monat. Autor Matthias Kröner bietet täglich kostenlose Gedichte und Geschichten zum Lesen und Hören.

Mit dem Wort „Edzerdla“ würde Matthias Kröner in Lübeck wahrscheinlich auf Unverständnis stoßen. Zum Glück ist der Franke des Hochdeutschen mächtig und kann sich im hohen Norden entsprechend verständigen. Aber seine alte Heimat steckt dem gebürtigen Nürnberger halt im Blut, weshalb er sich auch in seinem neuen Lebensmittelpunkt mit Franken beschäftigt – schriftlich und phonetisch. Im Oktober hat Kröner einen „Mundart-Monat“ initiiert, für den er 31 Gedichte „aff Frängisch“ geschrieben hat. Sie können als täglicher Lyrik-Newsletter inklusive Hörfassung kostenlos abonniert werden.

„Da Mundart nicht immer einfach zu lesen ist, habe ich die in Mundart verfassten Gedichte und Geschichten eingesprochen und hefte sie zusätzlich als Audio-Datei im mp3-Format an den Newsletter an“, erklärt der 43-Jährige sein Konzept. „Dadurch kann man die 31 Ausgaben nicht nur lesen, sondern auch hören.“ Auf die Newsletter können Interessenten direkt antworten und die Gedichte und Geschichten auch auf Facebook und Twitter kommentieren.

Von drei Kulturämtern gefördert

Der Mundart-Monat wird von den Kulturämtern der Städte Nürnberg, Fürth und Erlangen gefördert und steht Kröner zufolge für kulturellen Austausch während der Pandemie. „Social Distancing zum Trotz und absolut virenfrei“, sagt Kröner und lacht. Sein gemeinnütziges Projekt, kostenlos und niederschwellig, hat auch den Bayerischen Rundfunk auf den Plan gerufen, der mit Kröner ein Interview über die Idee des Mundart-Monats gemacht hat. An allen Tagen im Oktober stehen kleine und größere Geschichten auf dem Programm, „alles wertige Literatur, aber eben im Dialekt“.

Stadtabenteuer ersonnen

Mit dem Schreiben und Veröffentlichen begann Kröner, als er 18 wurde. „Begonnen hat tatsächlich alles mit Mundart“, erzählt der Autor. „Damals habe ich meine Erlebnisse während des Zivildienstes aufgeschrieben.“ Später, während seiner Arbeit als Pressesprecher beim Erlanger Reisebuchverlag Michael Müller, ersann Kröner gemeinsam mit seiner Frau Berit die Reihe „Stadtabenteuer“. Acht Metropolen werden darin von ihrer eher unbekannten Seite beschrieben. Die Hälfte der aufgeführten Erlebnisse sind kostenlos oder günstig und eignen sich für alle Reiselustigen vom Einzelgänger bis zu Familien. Den neuesten Band über Hamburg hat Kröner ebenso selbst verfasst wie ein Reisebuch über Hamburg.

Vielfach prämierter Autor

Kein Stadtabenteuer, aber ein Reiseführer ist es auch für Kröners neue Heimat Lübeck geworden. Dorthin ist der Autor mit Frau und zwei Kindern 2007 umgezogen. „Wir wollten einfach mal woanders leben und der Norden hat uns schon immer gefallen.“ Trotzdem ist und bleibt er Franken verbunden: In Erzählungen, Lyrik – einige seiner Gedichte sind in Reclam-Bändchen erschienen – und einem Wissens- sowie einem Mundartquiz widmet sich Kröner der Region seiner Herkunft. Inzwischen wurde er für die Stadtabenteuer und seine Lyrik mehrfach ausgezeichnet. Zweimal hat er etwa einen Preis bei den Nürnberger Kulturläden erhalten und dreimal einen Buch-Award der Internationalen Tourismus Börse in Berlin; 2019 gab es dann noch ein Literaturstipendium des Landes Schleswig-Holstein.

Lyrische Post per Mail

Mitten in der Pandemie hatte Kröner eine besondere Idee: „Lyrische Post – 100 Gedichte an 100 Tagen“. Der kostenlose Newsletter, der zwischen Anfang Februar und Mitte Mai einmal am Tag in die Mailbox schneite, kam so gut an, dass Kröner mehr als 1200 Antworten auf die Gedichte erhielt. „Ich bekam sogar aus Frankreich und England Zuschriften, teilweise auch von Krankenschwestern, die mit der Pandemie gekämpft haben.“

Wissn mir wos?

Aus dem lyrischen Newsletter entstand als Folgeprojekt der Mundart-Monat. „Ich hoffe, dass meine neue Idee mit den fränkischen Texten genauso gut klappt“, sagt Kröner und gibt ein Beispiel, das Abonnenten im Oktober erwartet:

„Wos mir wissn

Kanner wass,

wosser werkli wyll.

Des is äs Broblem vo uns

Menschn.

Jeeder wass,

wosser goar ned mooch.

Des is äs Broblem vo uns

Frankn.“

Leicht zugänglicher Dialekt

Ehe sich jetzt ein Bamberger darüber mokiert, dass hier dieses spezielle, mittelfränkische „l“ greifbar zu lesen und deutlich zu hören ist, und man in Oberfranken ja eher das „r“ rollt … und ein Unterfranke sowieso nochmal eine ganz andere Aussprache für sich reklamiert, all denen sei gesagt: Kröner weist gleich zu Beginn darauf hin, dass überall in Franken ein bisschen anders Mundart gesprochen wird. Er ist davon überzeugt, dass seine Geschichten und Gedichte für ganz Franken sehr gut fassbar sind und er sie in einem leicht zugänglichen Dialekt geschrieben und eingesprochen hat. „Ich habe hier sogar Norddeutsche, die sich dafür interessieren“, erzählt der Wahl-Lübecker.

Der Mundart-Monat startet am 1. Oktober und endet am 31. Oktober. Unter www.fairgefischt.de/mundart-monat.html kann man sich jederzeit an- und abmelden. Auf dieser Internetseite kann man die Mundart-Geschichten und Gedichte auch ohne Abonnement jederzeit nachlesen und nachhören, ebenso wie die Lyrische Post vom Anfang des Jahres.