Lagarde
Ein Quartier in Bamberg und viele Bedürfnisse
Auf der Baustelle: Besucher informierten sich auf dem Lagarde-Areal über das Projekt.
Auf der Baustelle: Besucher informierten sich auf dem Lagarde-Areal über das Projekt.
Foto: Julian Megerle
Bamberg – Die Stadt Bamberg informierte über das Bauprojekt auf dem ehemaligen Kasernengelände.

In den Pfützen auf der schlammigen Piste kann sich die Zukunft noch nicht spiegeln, aber die Zukunft lässt sich immerhin erahnen, wenn man um sich blickt. Dutzende Interessierte sind an diesem Nachmittag gekommen, um das gewaltige Areal auf der ehemaligen Lagarde-Kaserne zu erkunden.

2500 Menschen könnten hier eines Tages wohnen, rund 1500 Arbeitsplätze sind in Aussicht. Ein fast komplett neues Stadtviertel wird in den kommenden Jahren entstehen.

Diskussionen und das Ziel

Harald Lang führt mit Warnweste und Megafon über das Gelände. Der Amtsleiter für strategische Entwicklung und Konversion in der Stadt Bamberg kennt die ehemalige Kaserne und die Diskussionen um die passende Zielrichtung gut. Er erzählt von der Zentralstelle Cybercrime, Medical Valley, digitalem Gründerzentrum, und 30 Menschen hören zu.

Wo der Blick noch über Erdhügel streift, ist erst Stopp am Gebäuderiegel, der das Ende des Reviers zur Zollnerstraße markiert. Eine Besucherin fragt: „Warum lässt sich die Stadt auf den Investor der P+P- Gruppe ein?“ Türen und Fenster seien lange Zeit offen gestanden. „Ich unterstelle hier volle Absicht, damit man das Gebäude abreisen darf, sobald es zu baufällig ist“, kritisiert sie. Die P+P-Gruppe hätte längstens den Gebäudezug entwickeln müssen, meint die Besucherin.

Lang verweist darauf, dass es im Konversionssenat in der kommenden Woche erneut Gespräche über den Fortgang geben wird: „Ich denke, dass die Politik dort eine Entscheidung trifft.“

Das ist jedoch nicht die einzige Baustelle, welche die Stadt im Bestand offenbar neu regeln muss: Der Oberbürgermeister Andreas Starke hatte bei seinem kurzen Abstecher zur Baustellenbesichtigung die neueste Wende im Fall des heiß diskutierten kulturellen Mittelpunktes mitgebracht. Die Investitionskosten sind in der Posthalle, die drei intensive „Kontaktfestivals“ miterlebte, zu hoch. Stattdessen soll die benachbarte Reithalle mit gleichem Konzept in Schuss gebracht werden. Näheres kommt in dieser Woche auf den Tisch im Stadtrat.

Michael Schmitt, langjähriger Verfechter von Kultur auf der Kaserne und Stadtrat von „Grünes Bamberg“, hat sich mit der Initiative machbar direkt im Bestand an der Weißenburger Straße eingerichtet. Für den „Kosmos Ost“ mit Werkstätten und Gruppenräumen gilt: Nach einer Sanierungsphase können diese Initiativen wieder einziehen. „Die Bürgerbeteiligung zur Lagarde hat viele Erwartungen geweckt. Diese müssen jetzt auch eingelöst werden“, hält Schmitt fest.

Energieversorgung

Neben den Entwicklungen im Bestand gibt es aber auch echte Neuheiten auf dem Campus: Wo bereits karge Betonwände sich emporrecken, soll in Zukunft die Energiezentrale zu Hause sein. Die Wärmeversorgung basiert auf vier Säulen: Photovoltaik auf den Dächern der umliegenden Gebäude, ein Abwasserwärmetauscher, Geothermie sowie zwei Blockheizkraftwerke mit Erdgas. Warum nun doch keine Wasserstofflösung zum Einsatz kommt, will ein Interessent wissen. „Wir haben Platz für die Technik gelassen, aber bei der aktuellen Förderrichtlinie lohnt sich diese Größe nicht“, erklärt Stefan Loskarn von den Stadtwerken Bamberg.

Weniger Stellplätze

Auf die zu 70 Prozent nachhaltige Wärmeversorgung dürfen sich auch die Mieter freuen, die zum Jahreswechsel 2022/2023 in die neuen Wohneinheiten entlang des frisch asphaltierten John-F.-Kennedy-Boulevards einziehen werden. Im neuen Quartier bekommt das Auto eine geringere Rolle: Stellplätze gibt es nur noch zu 80 Prozent in Parkpaletten, der Rest der Wohnungen erhält eine Mobilitätskarte für den öffentlichen Personennahverkehr. Ein Anwohner aus Bamberg-Ost rügt: „Das könnte zu Platzproblemen in bestehenden Straßen führen.“

In direkter Nachbarschaft gibt es jedoch noch „eine harte Nuss zu knacken“, wie Lang beschreibt. Besagter Boulevard wird noch vom Zaun der Bundespolizei durchschnitten. 2028 ist damit hoffentlich Schluss, wenn sich der Wohnraum für die Polizeianwärter verkleinert und ein durchgehendes Band von der Weißenburger Straße bis zum Lindenanger ziehen wird. Dann steht wohl auch der kompletten Nahverkehrserschließung nichts mehr im Wege.

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