Heimatgeschichte
Bambergs Bäder – von Badestuben bis zum Brausebad
Badespaß in den 1960ern: An das Stadionbad in der Pödeldorfer Straße wurde später das „Bambados“ angebaut.
Badespaß in den 1960ern: An das Stadionbad in der Pödeldorfer Straße wurde später das „Bambados“ angebaut.
Foto: Archiv/Hans Tillig
Bamberg – Schwimmbäder haben in Bamberg eine lange Tradition. Sie waren im Laufe der Geschichte an verschiedensten Orten zu finden - sogar auf der Altenburg.

Waren die Menschen in früheren Zeiten dem Baden tatsächlich weniger zugeneigt? Gegen diese landläufige Meinung spricht, dass es bereits im Mittelalter in jeder Stadt und in jedem größeren Landort Badestuben gab.

Durch Kreuzzüge wurde die Tradition der teils mit dem Untergang des Römerreichs verschwundenen, hingegen im Orient reich vertretenen Badekultur nach Europa zurückgebracht. Auch in allen Stadtteilen Bambergs wurden seit dem frühen 13. Jahrhundert immerhin zwölf Badestuben urkundlich genannt.

Die älteste davon, die Badestube am Steinbrunnen im Bereich des Unteren Kaulbergs, wurde 1203 erwähnt und existierte nur bis etwa 1577. Bekannter geblieben ist das „Café Sandbad“, an dessen Stelle von 1267 bis etwa 1803 eine Badestube am Sand vorhanden war. Weitere Badstuben lagen im Bereich der Immunität St. Stephan direkt am Fluss, bei St. Jakob, im Abswerd, der heutigen Kapuzinerstraße 3, dem Zinkenwörth und der Langen Gasse, was von 1330 bis ins 18. Jahrhundert bezeugt werden kann.

Badespaß auf der Altenburg

Bis zur Judenvertreibung 1349 hatte auch die jüdische Gemeinde Bambergs ihre eigene „Badstube zur Sonne“ (1323/1328), heute Sonnenplätzchen 7, die danach bis 1825 von verschiedenen Badstubenbesitzern betrieben wurde. Selbst auf der Altenburg genoss man Badefreuden. 1516 wurden in den Kammerrechnungen Ausgaben für Rinnen vermerkt, „an der neuen Badstuben, dadurch das Wasser hinweg fließt“.

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In den Badehäusern konnte in der Regel zwei- oder dreimal in der Woche gebadet werden – etwa samstags und mittwochs. Die Blütezeit der öffentlichen Badstuben war im 14. und 15. Jahrhundert. Um das Jahr 1500 gab es fast 1200 Badehäuser in Franken. Bereits Ende des 16. Jahrhunderts setzte jedoch allmählich der Niedergang der Schwitz- und Wannenbäder in öffentlichen Badstuben ein, zumal im Laufe des 17. Jahrhunderts das bisherige Schwitzbad infolge von Holzmangel immens abgenommen hatte.

Mehr "Sittlichkeit" in den Badehäusern

Inzwischen hatten auch, wie etwa aus der Gemeindebadeordnung von Hallstadt aus dem Jahre 1594 zu erfahren ist, vermögendere Bürger „besondere Badstuben in ihren Häusern“ und waren nicht mehr auf den Besuch des Gemeindebades angewiesen.

Zudem waren seit 1601 die Bader durch fürstliches Mandat verpflichtet worden, Syphilis-Erkrankten den Zutritt zu verwehren und auf mehr „Sittlichkeit“ in den Badehäusern zu achten. Mit der zunehmenden Verbreitung sozialreformerischer Bemühungen und dem Krankenhauswesen wurde aber auch die Einrichtung der seit 1836 üblichen Baderschulen obsolet, die in Bamberg noch bis 1841 bestanden.

Nachdem in England Ende des 18. Jahrhunderts positive Wirkungen mit Kaltwasser zur Behandlung von Typhus erzielt worden waren, setzten sich Flussbadeanstalten immer mehr durch. Auch die Verabreichung von Mineralwasser- und Molkekuren wurde als heilsam anerkannt. In Bamberg boten sich hierzu Möglichkeiten im Anfang des 19. Jahrhunderts neu angelegten Hainpark.

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Infolgedessen hatte der durch die bayerische Regierung eingesetzte königliche Landbauinspektor Ferdinand von Hohenhausen 1815 die Errichtung eines Badehauses veranlasst, das aber bei den Bambergern trotz der verheißungsvollen Giebelüberschrift „Salubritati“ („Dem Wohlbefinden gewidmet“) weniger gut ankam, zumal die Badekabinen als „Eiskeller“ empfunden wurden. 1913 wurde das als „Sauluderbadi“ verachtete Gebäude endgültig abgerissen und Teile davon im heute noch im Hain befindlichen Musikpavillon verwendet.

Stadtbad in der heutigen Touristeninfo

Während das im Hain gelegene, pachtweise vergebene Badehaus „mit vier gut eingerichteten Flußbädern“ zunächst nur im Sommer geöffnet war, konnte die zweite, privat betriebene Badeanstalt in Bamberg, „die Lauterbacher’sche im ehemaligen Geyerswörthe-Garten“ auch im Winter besucht werden. 1818/19 wurden die dortigen Gartenpavillons infolge der Säkularisation an den königlichen Rat Dr. Franz Xaver Lautenbacher verkauft, dem Leibarzt Herzog Wilhelms in Bayern.

Mithilfe eines Verbindungsbaus, der heute der Tourismuszentrale dient, entstand eine Wannenbadeanstalt. Nach dem Ankauf durch die Stadt 1890/91 zur Anlage von Sammelbrunnen für das städtische Wasserwerk wurde 1894 ein damals dem neuesten Stand verpflichtetes Stadtbad eröffnet – das 2001 wieder aufgegeben wurde. 1899 kam im Luisenhain ein städtisches Schwimm-Freibad hinzu – vornehmlich für die Arbeiterschaft.

Das „Licht-, Luft- und Sonnenbad“ wurde 1924 am Luitpoldhain gegründet, von Bambergern „Luftä“ genannt und diente dem Schwimmverein ab 1925 neben dem Vereinsgelände in Bug als Treffpunkt. Da es bis dahin keine Möglichkeit für Männer, Frauen und Kinder gab, gemeinsam zu baden, wurde nach Lockerung der Geschlechtertrennung 1935 ein neues Familienbad geschaffen – das bis heute bestehende und in seiner Art als städtisches Flussbad originäre Hainbad.

Das Hainbad wurde 1935 eröffnet und zieht auch heute noch viele Gäste an.
Das Hainbad wurde 1935 eröffnet und zieht auch heute noch viele Gäste an.
Foto: Archiv/privat

Unter Denkmalschutz steht ein 1967 eröffnetes Hallenbad am rechten Ufer des Main-Donau-Kanals, dem Margaretendamm, das 2011 geschlossen wurde. Die Bädergeschichte Bambergs rundet das erstmals 1953 eingeweihte Stadionbad mit dem später zum „Bambados“ umgebauten Hallenbad an der Pödeldorfer Straße ab.

Für die Schwimmleidenschaft der Bamberger spricht nicht nur der Erhalt des traditionellen Hainbads und dass der hiesige Schwimmverein mit seiner Mitgliederzahl als der größte Verein Oberfrankens gilt. Auch das Baden in Flüssen scheint hier schon immer beliebt gewesen zu sein: 1737 musste der Fürstbischof Friedrich Karl von Schonborn ein Badeverbot erlassen, allerdings für das Nacktbaden „in öffentlichen Flüssen oder anderen Wässern“, wo „auf eine höchst-erfrechte und vermässene Art gebadet“ und dies „mit Einsperrung bey Wasser und Brod“ geahndet wurde. Heutzutage wertet der pandemiebedingte Reiseverzicht die regionalen Freizeitmöglichkeiten auf. Bambergs Bäder haben hierzu nicht nur historisch einiges zu bieten.