Selbsthilfe
Nach Schlaganfall: Das Leben zurückgewinnen
Dieter Bornkessel, Alfred Will und Armin König (v. l.) sind seit Jahren Mitglied im Verein der Schlaganfallbetroffenen Bamberg, der ihnen durch schwere Zeiten half und hilft.
Dieter Bornkessel, Alfred Will und Armin König (v. l.) sind seit Jahren Mitglied im Verein der Schlaganfallbetroffenen Bamberg, der ihnen durch schwere Zeiten half und hilft.
Foto: Julian Megerle
Dieter Bornkessel arbeitet gerne mit dem Sandstein und hat sich so einen Teil seines Lebens zurückerobert.
Dieter Bornkessel arbeitet gerne mit dem Sandstein und hat sich so einen Teil seines Lebens zurückerobert.
Foto: Julian Megerle
Dieter Bornkessel, Alfred Will und Armin König (v. l.) sind seit Jahren Mitglied im Verein der Schlaganfallbetroffenen Bamberg, der ihnen durch schwere Zeiten half und hilft.
Dieter Bornkessel, Alfred Will und Armin König (v. l.) sind seit Jahren Mitglied im Verein der Schlaganfallbetroffenen Bamberg, der ihnen durch schwere Zeiten half und hilft.
Foto: Julian Megerle
F-Signet von Julian Megerle Fränkischer Tag
Bamberg – Von der Partnerin verlassen, aus der Gesellschaft gerissen: Doch es gibt Hilfe. Ein Verein unterstützt seit 25 Jahren Schlaganfallpatienten in Bamberg.

In der Luft liegt etwas Staub, welcher aus der offenen Tür seinen Weg Richtung Morgensonne findet. Eine Eule, ein Elefant und ein Kind, das geborgen in einer Hand sitzt, schauen einen freundlich an, wenn man in das kleine Reich von Armin König, Dieter Bornkessel und ihren Mitstreitern eintritt.

Hier im Creativ-Centrum-Contraplex in der Siechenstraße 69 kommen sie jeden Montag ab 9 Uhr zusammen, um aus dem Sandstein Skulpturen zu hauen – und ihr Leben zurückzuerobern.

Jahrelanger Kampf gegen die Folgen eines Schlaganfalls

„Durch das Steinklopfen bin ich wieder selbstständig geworden“, erzählt Bornkessel. Denn eines haben alle gemein: Sie haben einen Schlaganfall erlitten und kämpfen gegen seine Folgen. Damit dieser Kampf gelingen kann, gibt es seit 25 Jahren die Selbsthilfegruppe der Schlaganfallbetroffenen in Stadt und Landkreis Bamberg. Hier sind Betroffene, Angehörige und Unterstützer organisiert.

Zum Jubiläum in der Kufa kamen gut 80 Menschen, um auf die erfolgreiche Zusammenarbeit zurückzublicken. Aufklärung und Unterstützung gehören zu den Kernaufgaben. Denn Schlaganfälle sind leider keine Seltenheit: Eine Viertel Million Schlaganfälle passieren jährlich. Eine Diagnose, die das komplette Leben umwerfen kann.

Bornkessel war gerade einmal 33 Jahre alt, als er einen Schlaganfall erlitt. „Meine Familie musste immer Rücksicht nehmen. Die Kinder wussten, dass sie leise sein müssen, um den Papa zu schonen“, erzählt der heute 64-jährige, der bis zur Einschränkung als Fliesenleger arbeitete. Früh kam er zum 1997 gegründeten Verein, wo er sich gemeinsam mit anderen austauschen konnte. Nun wusste er, dass er mit seinen Erfahrungen nicht allein ist.

Auf schwerem Weg seit 2017 begleitet

Auch der 50-jährige König, der seit 2017 bei den „Klopfern“ dabei ist, hat einen schwierigen Weg hinter sich: Nach seinem Schlaganfall musste er nicht nur das Laufen und Sprechen erneut lernen. Seine Partnerin trennte sich von ihm.

Aber zum Glück gibt es den Verein: „Hier sind viele Freundschaften entstanden“, betont der gelernte Landschaftsgärtner. Hier mit dem Sandstein vor sich, sind die beiden Männer ein gutes Team: König kümmert sich um die gröberen Umrisse und Bornkessel macht die Feinheiten. Bis 14 Uhr, dann gibt es Essen. „Wir machen solange wir können. Manchmal geht fast nix. Am nächsten Tag kannst du wieder Bäume ausreißen“, beschreibt der gebürtige Strullendorfer die Zusammenarbeit.

Welche Formen die Steine annehmen, merke man erst im Prozess. Fest steht: Die künstlerische Arbeit findet Platz quer durch den Landkreis. Vom Rathaus in Hirschaid bis zum Kurpark in Bad Staffelstein standen die Werke schon oder wurden von privaten Kunstliebhabern gekauft.

Verein in Bamberg bietet viele Möglichkeiten

Wer sich im Verein einbringen will, kann auch in weiteren Bereichen in den Austausch kommen: Von Wassergymnastik, über Computerkurse, hin zu Dehngymnastik oder Nordic Walking im Hain findet jedes der gut 100 Mitglieder eine Möglichkeit, Selbstständigkeit und Gemeinschaft zu erleben.

„Und die Tagesfahrten, welche wir in den Schwarzwald oder nach Trier gemacht haben, waren sehr gut, um einmal rauszukommen“, erzählt König.

Im Laufe der Jahre hat sich manches getan: „Früher wurden Menschen, die von Schlaganfällen betroffen waren, wenig in die Gesellschaft integriert“, findet Alfred Will. Heute unterstützt die Sozialstiftung Bamberg beispielsweise durch die Wassergymnastik.

Immer noch Handlungsbedarf in Stadt und Landkreis Bamberg

Allerdings sieht der erste Vorsitzende des Vereins noch immer Handlungsbedarf: „Gerade für jüngere Betroffene fehlt bezahlbarer Wohnraum.“ Sie wollen sich nicht in ein Altenheim abschieben lassen. Und auch in Sachen Barrierefreiheit verläuft die Entwicklung auch in Bamberg und im Landkreis eher zäh.

Wer zur Selbsthilfegruppe dazukommen möchte, kann das zum Beispiel zum nächsten Treffen in der Kufa in der Ohmstraße 3 am 21. November ab 18:30 Uhr. Ein Kontakt ist über die E-Mail-Adresse info@shg-schlaganfall-bamberg.de möglich.

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