Nachhaltig  helfen
Ein Projekt, das Hoffnung gibt
Dank der Kulmbacher Stiftung bekommen Straßenkinder in Indien ein behütetes Zuhause und Schulbildung für ein gutes zukünftiges Leben.
Dank der Kulmbacher Stiftung bekommen Straßenkinder in Indien ein behütetes Zuhause und Schulbildung für ein gutes zukünftiges Leben.
Foto: privat (2), Marion Krüger-Hundrup (2)
Kulmbach – Vor fünf Jahren hat Pater Thomas Muttam in Kulmbach die „Kinderstiftung Hoffnungsstrahl“ gegründet. Sie gibt indischen Kindern eine Zukunft.

Das, was die „Kinderstiftung Hoffnungsstrahl“ bewirkt, ist urweihnachtlich. Schließlich wurde Jesus als Obdachloser geboren. Und durch die Geschenke der Hirten und Weisen aus dem Morgenland konnte der kleine Bub die Tage im Stall überstehen.

Unzählige Kinder in den armen Ländern des Südens haben heutzutage nicht einmal einen Stall als Unterschlupf. Leben auf der Straße unter gefährlichsten Bedingungen und ohne regelmäßiges Essen. So auch in Indien mit seinen über 1,3 Milliarden Menschen, von denen rund 70 Prozent unter der Armutsgrenze in Slums ohne Elektrizität, Wasser oder Müllabfuhr hausen. Kinder müssen arbeiten oder betteln, um zum Lebensunterhalt beizutragen, und gehen deshalb nicht zur Schule: „Ein Teufelskreis entsteht“, sagt Pater Thomas Muttam. Denn ohne Bildung haben die Kinder keine Chance auf einen besseren Beruf.

Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen, hat der Priester der Ordensgemeinschaft der Missionare des Heiligen Franz von Sales vor fünf Jahren für Kinder in seiner indischen Heimat die „Kinderstiftung Hoffnungsstrahl“ mit Sitz in Kulmbach gegründet. „Kinder lagen mir schon immer am Herzen“, bekennt Pater Thomas, der zunächst in Indien in Einrichtungen für Straßenkinder und Kinder mit Behinderungen gearbeitet hat. Im Sommer 2012 schickte ihn sein Provinzoberer nach Deutschland, um dort die Möglichkeit zu nutzen, finanzielle Unterstützung für die Kinderheime zu finden.

Schützlinge von Pater Thomas freuen sich über neue Kleidung, die die Kinderstiftung finanziert hat.
Schützlinge von Pater Thomas freuen sich über neue Kleidung, die die Kinderstiftung finanziert hat.
Foto: Muttam

Der jetzt 43-jährige Ordensmann kam ins Erzbistum Bamberg, erst nach Seßlach bei Coburg, dann in die Kulmbacher Pfarrei St. Hedwig. Es gelang ihm in beiden Orten, Gemeindemitglieder für seine Visionen von einer nachhaltigen Zukunft für benachteiligte Kinder in Indien zu begeistern. So auch die Seßlacherin Elisabeth Habermann, die Pater Thomas für seine indischen Pläne im Testament bedachte. Dieser Nachlass erbrachte das Kapital für die Kinderstiftung, das durch großzügige Spenden wächst und sinnvoll für Projekte eingesetzt werden kann. Für Projekte, die „bedürftigen Kindern ein sicheres Zuhause geben, die Möglichkeit einer Schulbildung und liebevolle Betreuung, die sie zu Hause oftmals nicht kennengelernt haben“, fasst Pater Thomas zusammen.

Er ist zurzeit in Indien und besucht die von der Stiftung mit inzwischen über 180.000 Euro geförderten Einrichtungen. Zum Beispiel die Alphons-Sadhan-Schule in Kidangoor im Bundesstaat Kerala für 110 Kinder mit körperlichen und geistigen Behinderungen. Zwei Berufsförderabteilungen schließen sich an: Dort lernen etwa 50 junge Menschen mit Handicap, die Arbeitswelt zu bestehen und dadurch wirtschaftlich für sich selbst zu sorgen: „Somit werden sie auch nach Ende der regulären Schulzeit nicht alleine gelassen, sondern auf ein selbstbestimmtes Leben vorbereitet“, erklärt Pater Thomas. Während bei der „Paper Carry Bag Manufacturing Unit“ die Herstellung von Papiertragetüten erlernt wird, werden bei der „Cotton Waste Manufacturing Unit“ nachhaltige Produkte wie Putzlappen, Garn oder einfache Textilien aus Baumwollabfällen hergestellt.

„Zu sehen, dass die Kinder spüren, dass sie auch einen wichtigen Bestandteil zur Produktion beitragen, ist einfach erfüllend!“, so Pater Thomas via WhatsApp.

Ein Besuch galt auch dem Straßenkinderheim „Deepa Nivas“ in Vijayawada im Bundesstaat Andhra Pradesh. Deepa Niva bedeutet so viel wie „Mit Licht gefülltes Zuhause“. Pater Thomas erfährt, dass die Unterstützung durch die Kinderstiftung Hoffnungsstrahl wirklich ankommt und bestens genutzt wird. „Dieses wärmende Licht erleben und spüren 70 Kinder, die auch eine Schulbildung bekommen, die ihnen ein gutes zukünftiges Leben ermöglichen soll.“

Pater Thomas Muttam besuchte auch ein Projekt für Jugendliche mit Behinderungen, die aus Baumwollabfällen Garne herstellen und damit wirtschaftlich für sich selbst sorgen.
Pater Thomas Muttam besuchte auch ein Projekt für Jugendliche mit Behinderungen, die aus Baumwollabfällen Garne herstellen und damit wirtschaftlich für sich selbst sorgen.
Foto: Muttam

Sorgen bereiten dem Ordensmann allerdings die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf einige Projekte. In vielen Teilen Indiens sei immer noch kein Präsenzunterricht möglich. Die Kinder müssten wie in Deutschland Homeschooling machen: „Wie sollen das aber Kinder, die mit ihren Familien auf der Straße leben, bewerkstelligen?“ Auch bei Kindern mit Behinderungen sei es nicht einfach, Bildung online zu vermitteln. Zumindest konnte die Stiftung den vermehrten Bitten um Lebensmittel- und Hygienespenden nachkommen. Und ein zusätzliches Beatmungsgerät speziell für Kinder anschaffen, die im San-Joe-Krankenhaus in Perumbavoor im Bundesstaat Kerala medizinisch betreut werden.

Wenige Tage vor Weihnachten telefoniert Pater Thomas auch mit Stefanie Jahrsdörfer, einer gebürtigen Seßlacherin, die jetzt in Bamberg wohnt und als Beirätin für die Kinderstiftung aktiv ist. Die 37-jährige Sachbearbeiterin im Projektreferat des Erzbistums Bamberg nutzt ehrenamtlich ihre beruflichen Erfahrungen, um Benefizaktionen für die Kinderstiftung auf die Beine zu stellen. Stefanie Jahrsdörfer erzählt Pater Thomas vom kürzlichen Weihnachtsbasar in Vierzehnheiligen oder dem Stand der Stiftung im Bayreuther Rotmaincenter, an dem von behinderten indischen Kindern hergestellte Kerzen sowie Handarbeiten von Kulmbacher Ehrenamtlichen verkauft wurden. Gern erinnert sich die junge Frau an ihre Reise 2019 nach Indien mit einer Kulmbacher Gruppe um Pater Thomas: „Abseits der Touristenrouten haben wir unsere Kinder in den Projekten besucht. Unsere Kommunikation mit Händen und Füßen war beeindruckend.“ Und die strahlenden Kinderaugen wegen kleiner Mitbringsel sei Motivation genug, sich für die Stiftung Hoffnungsstrahl ehrenamtlich einzusetzen, so Stefanie Jahrsdörfer.

Pater Thomas Muttam, der voraussichtlich im Mai 2022 nach Deutschland zurückkehrt, verbringt die Feiertage mit 13 Mitbrüdern in Pune: „Da ist eine große Pfarrei, zu der eine Schule mit 2000 Schülern gehört“, berichtet er. So geht er davon aus, dass die Christmette um 24 Uhr auch von vielen Kindern und Jugendlichen belebt wird. Sie feiern den Geburtstag eines Kindes, den Urgrund für ihre Hoffnung auf eine gute Zukunft.

INFO: Mehr im Netz unter www.kinderstiftung-hoffnungsstrahl.de

Pater Thomas Muttam, der derzeit in Indien ist, spricht per WhatsApp…
Pater Thomas Muttam, der derzeit in Indien ist, spricht per WhatsApp…
Foto: Krüger-Hundrup