Straßensperrungen
Koloss auf dem langen Weg nach Würgau
Auf Stahlplatten durchquert der Zug den Kreisel im Hafen.
Auf Stahlplatten durchquert der Zug den Kreisel im Hafen.
Foto: Joseph Beck
LKR Bamberg – Dicke Dinger: Mehrere Hundert Tonnen Gewicht haben die Transformatoren für das Umspannwerk, die vom Hafen zum Zielort transportiert werden.

Am Dienstagabend ging es nach einer Besprechung mit allen Beteiligten um 21 Uhr los mit dem Transport des ersten Transformators für das Umspannwerk Würgau auf dem Landweg vom Bamberger Hafen nach Straßgiech. Man merkte dem Projektmanager Olaf Weltz vom Transportunternehmen Kahl & Jansen an, dass ihm eine Tonnenlast von den Schultern fiel, als das Hubsignal zum Start ertönte.

Der Konvoi beginnt zu rollen.
Der Konvoi beginnt zu rollen.
Foto: Joseph Beck

Gemessen wird bei diesem Unternehmen nur in Tonnen: Trafo bestehend aus je zwei Trafokesseln mit je 326 Tonnen, Gesamtzuggewicht 757 Tonnen, Öl für die Trafos 95 Tonnen.

Zugfahrzeuge mit 2040 PS

Um den Koloss (Breite 6,10 Meter, Höhe 5,50 Meter) vom Kai die steil ansteigende Rampe zur Hafenstraße hochzubekommen, zogen vorne zwei Zugmaschinen und eine schob hinten rückwärts. Alle zusammen haben rund 2040 PS. Oben wurden dann die Zugmaschinen, die den Transporter Richtung Innenstadt gezogen hatten, umgehängt, so dass nun alle vorwärts Richtung Autobahn ziehen und schieben konnten.

Die Lichtklappen der Ampeln sind  zu hoch für das Überschwenken und müssen abgebaut werden.
Die Lichtklappen der Ampeln sind zu hoch für das Überschwenken und müssen abgebaut werden.
Foto: Joseph Beck

Der mit Stahlplatten ausgelegte Hafenkreisel wurde durchquert und an der Ampel in die Auffahrt zur A 70 eingebogen. Hier konnte man zum ersten Mal die raffinierte Technik des Transporters sehen, denn während der erste Teil schon quer über die Mittelinsel gefahren war, stand der hintere Teil fast im rechten Winkel dazu, der Trafo hing in der Mitte an der Stahlbrücke. Da eine Ampel umgelegt war, aber ihre Abdeckklappen nach oben standen, mussten diese erst abgebaut werden. Diese Klappen haben eine ovale Form und sind angebracht, damit die Autofahrer auch bei starkem Sonnenschein noch das Licht der Ampel sehen können.

Das erste Malheur passiert

Kurz darauf das erste Malheur: Als Burkard W. mit dem hinteren Lenkwerk auf die Mittelinsel auffuhr, wurde eine der Auffuhrhilfen, eine Fußplatte von Warnbaken, hochgedrückt und quetschte den Bremszylinder der vorletzten Achse ab. Die Monteure mussten den funktionsunfähigen linken Teil der Achse hochhängen, um weiterfahren zu können. Hierbei sah man die Professionalität aller Beteiligten. Kurz wurde die Lage besprochen, entschieden und gehandelt. Projektleiter Weltz sagte dazu nur: „Es war das erste Mal, dass so etwas in meinen Arbeitsjahren passiert ist.“

Nach einer knappen Stunde konnte die Fahrt fortgesetzt werden.

Ein Fußplatte hat sich aufgebogen und den Bremszylinder einer Achse abgerissen.
Ein Fußplatte hat sich aufgebogen und den Bremszylinder einer Achse abgerissen.
Foto: Joseph Beck

Dann gingen auch die zahlreichen Zuschauer heim. Bei Hallstadt wurde zwei Mal ein zusätzlicher Anhänger angekoppelt und später wieder abgekoppelt, um über Brücken fahren zu können. Gegen 2 Uhr erreichte der Tross dann das Bamberger Kreuz und fuhr auf die A 73 in Richtung Nürnberg. Entgegen ersten Planungen verließ der Konvoi diese nicht an der Ausfahrt Memmelsdorf, sondern fuhr weiter bis zur alten „Panzerbrücke“. Dort war die Mittelleitplanke der Autobahn abmontiert worden, der Transport wurde wieder umgestellt und fuhr nun über den Mittelstreifen der Autobahn mit drei Zugmaschinen die Ausfahrt zur Lichteneiche hoch. Auf der Autobahnbrücke hatten stundenlang rund ein Dutzend Zuschauer gewartet.

Einige  interessierte Zuschauer  verfolgten an verschiedenen Punkten  das Spektakel.
Einige interessierte Zuschauer verfolgten an verschiedenen Punkten das Spektakel.
Foto: Joseph Beck

Unter ihnen war auch Michael: „Ich war selbst Fernfahrer und deshalb interessiert mich natürlich dieses Unternehmen, und ich opfere deswegen gerne einige Stunden Schlaf.“ Auch Thomas aus Scheßlitz wollte sich das Ereignis schon mal vorab ansehen, bevor er es am nächsten Tag noch einmal vor der eigenen Tür miterleben kann.

Die letzte ungewollte Unterbrechung lieferte wieder eine Ampel, nämlich dieses Mal die erste linke an der Lichteneiche. Und auch hier waren es die Lichtklappen, die abmontiert werden mussten, damit die Brücke, in der der Trafo hing, vorbeikommen konnte. Der Monteur bog sogar auf der Leiter stehend den Ampelmast zur Seite, um dem Fahrer zu helfen.

Um 6 Uhr früh ist das Ziel erreicht

Auf der Umgehungsstraße bei Memmelsdorf waren wegen des Überfahrens von Brücken unter anderem über den Leithenbach wieder die zusätzlichen Anhänger nötig. Gegen 6 Uhr früh wurde endlich der Zielpunkt erreicht, die Straße zwischen Drosendorf und Straßgiech.

Besprechung und Hochhängen der beschädigten Achsenhälfte.
Besprechung und Hochhängen der beschädigten Achsenhälfte.
Foto: Joseph Beck

Während des Mittwochs wurde der Trafo dann auf einen 37 Meter langen sogenannten Selbstfahrer umgeladen, um auf diesem in der Nacht zum Donnerstag über die Würgauer Serpentinen in das auf der Höhe gelegene Umspannwerk zu gelangen. Im Begleittross waren die Arbeiter der Firma Wörmann aus Schloss Holte-Stukenbrock. Sie errichten die Straßensperren, bauten sie wieder ab oder halfen beim „Verschmälern“ der Ampeln, sozusagen Mädchen für alles.

Die Polizei Bamberg begleitete mit zahlreichen Autos und Personen den Transport, um die Autobahnen, Staatsstraßen und Kreuzungen zu sperren, umzuleiten und für den störungsfreien Verkehr des Ungetüms zu sorgen.

Wann Aufgrund mehrerer Schwertransporte mit erheblicher Überbreite müssen in einzelnen Nächten bis 19. Juni jeweils zwischen 23 und 3.30 Uhr einige Fahrbeziehungen der A 70 sowie der A 73 bei Bamberg gesperrt werden. Die ursprünglichen Transporttermine mussten aufgrund einer Terminverzögerung verschoben werden.

Nächtliche Sperrungen der Autobahn nahe Bamberg

Wo Um eine Gefährdung der Verkehrsteilnehmer durch den Transport auszuschließen, müssen folgende Sperrungen erfolgen:

  • Die A 70 in Fahrtrichtung Bayreuth ab der Anschlussstelle Viereth-Trunstadt bis zum Autobahnkreuz Bamberg
  • Die Fahrbeziehung am Autobahnkreuz Bamberg von der A 70 aus Bayreuth kommend auf die A 73 in Fahrtrichtung Nürnberg
  • Die A 73 in Fahrtrichtung Nürnberg ab der Anschlussstelle Breitengüßbach-Süd über das Kreuz Bamberg bis zur Anschlussstelle Bamberg-Ost
  • Die A 73 in Fahrtrichtung Suhl ab der Anschlussstelle Bamberg-Ost bis zum Autobahnkreuz Bamberg

Uhrzeiten Die Sperrungen finden zu folgenden Zeiten statt:

  • In der Nacht vom 11. auf 12. Juni zwischen 23 und 3.30 Uhr
  • In der Nacht vom 15. auf den 16. Juni zwischen 23 und 3.30 Uhr
  • In der Nacht vom 18. auf den 19. Juni zwischen 23 und 3.30 Uhr

Die Umleitungsempfehlungen vor Ort sind zu beachten. Die Autobahn GmbH des Bundes bittet die Verkehrsteilnehmer um Verständnis und Beachtung der ausgewiesenen Verkehrsregelungen bzw. am besten um großräumige Umfahrung.