Endlich freie Tage
Lesen, Tanzen, Entdecken: Tipps fürs Wochenende
Ein Foto aus besseren Tagen: die englische Gruppe The Smiths mit ihrem Sänger Morrissey (M.)
Ein Foto aus besseren Tagen: die englische Gruppe The Smiths mit ihrem Sänger Morrissey (M.)
Foto: Archiv/ft
Christoph Hägele von Christoph Hägele Fränkischer Tag
Bamberg – Wenn es um Kultur geht, ist unser Redakteur Christoph Hägele ein Enthusiast. Zum Wochenende schaut er auf die Woche zurück und gibt Tipps.

Liebe Freundinnen und Freunde der Kultur,

an diesem Sonntag beginnt die Fußball-WM in Katar.

Selbst wer keinerlei Freude am schönen Spiel empfindet oder sich aus Abscheu vor notorisch korrupten Funktionären längst vom Fußball abgewendet hat, muss sich zu dieser WM  auf irgendeine Weise verhalten.

Wem nutzt ein WM-Boykott?

Wegducken geht nicht, weil sich die gesellschaftlichen Zustände in Katar zu sehr von westlichen Grundüberzeugungen unterscheiden.

Jeder muss für sich auch klären, wem ein TV-Boykott denn überhaupt nutzen würde: nur dem eigenen Selbstwertgefühl oder tatsächlich auch den in Katar unterdrückten Minderheiten und ausgebeuteten Arbeitskräften?
Der Bamberger Medienwissenschaftler Markus Behmer hat über diese Frage scharf nachgedacht.  

Nie wieder „Sweet and Tender Hooligan“? Nein!

Vor ähnlichen kritischen Selbstbefragungen stehen im Übrigen regelmäßig auch Freundinnen und Freunde der Kultur.

Mir etwa bedeutet die englische Popgruppe The Smiths sehr viel.
Leider blamiert sich deren Sänger Morrissey seit geraumer Zeit mit rechtspopulistischem und identitärem Quark.

Der englische Sänger Morrissey  ist künstlerisch   brillant. Leider blamiert er sich mit rechtspopulistischem Quark.
Der englische Sänger Morrissey ist künstlerisch brillant. Leider blamiert er sich mit rechtspopulistischem Quark.
Foto: Robin Burns, dpa

Morrisseys fortgesetzte Peinlichkeiten verleiden mir die Songs der Smiths, das schon.
Aber deshalb nie wieder „How Soon Is Now?“ oder “ Sweet and Tender Hooligan“ anhören?
Nein, das ginge entschieden zu weit. 

Andere Beispiele für Künstler, die es ihren Anhängern schwer machen:  Richard Wagner, Ezra Pound, Knut Hamsun.

Oder auch Gottfried Benn. Im Privaten muss er ein ziemliches Ekel gewesen sein. Im Politischen sympathisierte er früh mit den Nationalsozialisten.
Aber seine Gedichte? Die berühren ihre Leserinnen und Leser noch heute. 

Der Autor Florian Illies („1913") hat jetzt einen schmalen Band über seine Liebe zu Benn geschrieben.
Illies stellt sich darin auch der Frage, ob man zwischen einem Künstler und seiner Kunst kategorisch trennen kann.
Oder das vielleicht sogar zwingend sollte.

Anderes Thema: Klimaproteste

Täuscht der Eindruck, ob verlieren viele in Deutschland gerade die Geduld mit den Klimaaktivisten?
Der Ton jedenfalls wird rauer, inzwischen müssen sich die Everybody’s Darlings von einst schon als „Klima-RAF“ beschimpfen lassen.

Vor wenigen Tagen habe ich Jörg Alt in Nürnberg besucht.
Er ist 61 Jahre alt, Jesuit, Priester – und Klimaaktivist.

Als ich ihn traf, war seine linke Hand von Brandblasen gezeichnet.
Alt hatte sich wenige Tage zuvor auf eine Straße in München geklebt.

In Nürnberg sprach ich mit Alt über seine Radikalisierung und Überzeugungen.
Alt ist ein Mann, für den Weltverbesserer“ kein Schimpfwort ist.

 

Tipps zum Wochenende:

Zum Tanzen:

Erlangen und San Carlos sind Partnerstädte. Am Samstag, 19. November, feiert das E-Werk in Erlangen ab 20 Uhr diese Freundschaft zwischen Mittelfranken und Nicaragua.

Es gibt Cocktails, nicaraguanischen Häppchen und Latino-Musik. Die Gruppe „Caña Que Que“ um den Musiker Gabriel Morales Riggioni spielt Salsa, Merengue, Son Cubano und Cumbia. Anschließend legt DJ José Luis Ortega Lleras auf. 

Für Kinder:

Im Bamberger E.T.A.-Hoffmann-Theater feiert am Samstag, 19. November, um 16 Uhr das diesjährige Weihnachtsmärchen Premieren.

In „Bär im Universum“ sitzt der Eisbär Benny auf seinem selbst gebauten Floß und treibt auf dem weiten Meer. Sein Zuhause im ewigen Eis gibt es nicht mehr – alles weggeschmolzen. Dea Lohers erstes Kinderstück erzählt poetisch und fantasievoll vom Glauben an Freundschaft, von der Suche nach Heimat und der Entdeckung fremder Welten.

Tickets kosten zwischen fünf und 15 Euro. Weitere Aufführungen folgen bis Ende Dezember; unter anderem auch am Sonntag, 20. November, um 16. Uhr

Zum Nachdenken:

Der Journalist und Autor Daniel Schreiber lebt und arbeitet derzeit als Stipendiat der Villa Concordia in Bamberg.

In der kommenden Woche darf ich ihn treffen, worauf ich mich schon sehr freue.
In seinem aktuellen Buch „Allein“ (Hanser Verlag, 20 Euro)  denkt Schreiber über Einsamkeit nach und die Frage, ob feste Paarbeziehungen nicht besser durch  Freundschaften ersetzt werden sollten. 

Der Autor Daniel Schreiber lebt und arbeitet gerade in Bamberg.
Der Autor Daniel Schreiber lebt und arbeitet gerade in Bamberg.
Foto: dpa

Daniel Schreiber denkt und schreibt radikal subjektiv.
Das erinnert mich an die Bücher des französischen Literaturstars Édouard Louis („Im Herzen der Gewalt“). 

Auf jeder Seite von "Allein" finden  sich interessante Gedanken.
Man muss nicht allen zustimmen.
Aber alle regen sie zum Nachdenken an.

 

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