Kirche ganz anders
„Jugendgodi“ nimmt Angst vor dem Tod
Pastoralreferent Christian Schneider, Nadine, Daniela und Veronika haben den Jugendgodi mit modernen geistlichen Liedern gestaltet.
Pastoralreferent Christian Schneider, Nadine, Daniela und Veronika haben den Jugendgodi mit modernen geistlichen Liedern gestaltet.
Foto: Marion Krüger-Hundrup
F-Signet von Marion Krüger-Hundrup Fränkischer Tag
Bamberg – Jugendliche haben für Jugendliche einen etwas anderen Gottesdienst in der Oberen Pfarre gestaltet. Das Angebot „Jugendgodi" rotiert durch alle Kirchen des Seelsorgebereichs Bamberger Westen.

Gedämpftes Licht, Kerzenschein, melodiöse Musik vom E-Piano: Derart eingestimmt und still geworden ließen sich die vielen jungen Leute und einige Erwachsene in der Oberen Pfarre auf ein ernstes Thema ein. Auf ein verdrängtes Tabuthema, das jedoch in der Lebenswelt mit betroffenen Familienangehörigen, Krieg in der Ukraine und anderswo, in Fernsehkrimis allgegenwärtig ist: Sterben und Tod.

Mit „...und was dann?“ war dieser etwas andere Gottesdienst überschrieben, den Jugendliche für Jugendliche vorbereitet hatten. Was kommt nach dem Tod? Geht es irgendwie weiter? Gibt es etwas, worauf die Menschen sich freuen dürfen? „Wir wollten das Thema und diese Fragen bewusst machen und anpacken, Angst vor dem Tod nehmen“, sagt die 18-jährige Daniela Kurz aus dem Vorbereitungsteam.

Thema des Gottesdiensts: Was kommt nach dem Tod?

„Wir sollten in der Alltagsroutine darüber nachdenken, dass jeder Moment der letzte sein kann“, fügt die BWL-Studentin hinzu. Der düstere Monat November biete sich geradezu an, sich mit dem Tod auseinanderzusetzen. Zumal gleich zu Beginn der Feiertag Allerheiligen und der Gedenktag Allerseelen, die die katholische Kirche traditionell den Verstorbenen gewidmet hat, dazu einlädt.

Jugendgottesdienst
In einer Mitmachaktion schrieben die Jugendlichen ihre Gedanken zu einem möglichen Leben nach dem Tod auf.
Foto: Marion Krüger-Hundrup

Allerdings nicht, ohne auch zugleich christliche Hoffnung zu schüren: „Niemand kann hundertprozentig sagen, was nach dem Tod kommt, wir können nur erahnen, was auf uns zukommen mag“, gab Pastoralreferent Christian Schneider in seiner kurzen Ansprache in diesem Jugendgottesdienst zu. „Doch wir haben einen Trumpf im Ärmel: Unser christlicher Glauben sagt uns, dass es weitergeht“, versicherte er.

Die Bibel sei dafür Quelle. Denn das Bild vom himmlischen Hochzeitsmahl etwa vermittle den Eindruck, wie es sein könne. Vor allem hätten Christen etwas geschenkt bekommen, was hoffnungsvoller sein lasse. „Wir glauben an Jesus Christus, der Ostern auferstanden ist.“

Das Angebot soll vor allem die Jugend ansprechen

Christian Schneider hatte vor einigen Monaten die Idee, im Seelsorgebereich Bamberger Westen ein neues liturgisches Angebot zu etablieren, das die Jugend anspricht. In seinen Kollegen aus dem pastoralen Team, Pastoralreferent Sebastian König und Pastoralassistentin Katharina Lurz, fand er schnell Mitstreiter. Und natürlich einen engagierten Kreis junger Leute, die sich von der Idee „Gottesdienst von Jugendlichen für Jugendliche“ anstecken ließ.

„Jugendgodi“ rotiert durch alle Kirchen des Seelsorgebereichs

Seit Januar rotiert der „Jugendgodi“ durch alle Kirchen des Seelsorgebereichs. „Ich erlebe die Jugendlichen sehr nachdenklich und interessiert“, bilanzierte Pastoralreferent Schneider die bisherigen Erfahrungen. Um auch deren Familien nicht aus dem Blick zu nehmen, starte im nächsten Jahr wieder die sogenannte Familienkirche, die während der Corona-Pandemie pausieren musste und zuvor Hunderte anlockte. Jugendgodi und Familienkirche sollen ab Januar 2023 im Wechsel angeboten werden.

Verschiedene Elemente wie moderne geistliche Lieder, Gebetsrufe, Mitmachaktion oder Bildereinspielungen per Beamer und Leinwand gestalteten diese November-Feier in der Oberen Pfarre. „Welche Vorstellungen von einem möglichen Leben nach dem Tod hast du?“ sollte zum Beispiel auf zuvor verteilte Kärtchen beantwortet werden. Diese wurden an eine Pinwand geheftet.

Teilnehmer haben verschiedene Vorstellungen vom Tod und danach

Einige Antworten: „Die Menschen sind glücklich.“, „Es gibt nichts Grausames mehr wie Krieg und Armut.“, „Ruhe, Frieden, Glücksgefühle.“, „Belohnung für das Gute, was man im Leben getan hat.“ Doch es gab auch einen Skeptiker, der trotz des Mut machenden Gottesdienstes seine Vorstellung vom Danach so ausdrückte: „Meine Vorstellung ändert sich stetig. Aber ich glaube, es ist schlechter und sehr anders und einsamer als das jetzige Leben.“

Der nächste „Jugendgodi“ wird am 26. Februar um 18 Uhr gefeiert. In welcher Kirche des Seelsorgebereichs steht noch nicht fest, wird aber rechtzeitig unter sb-bamberger-westen.de bekannt gegeben.

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