Endlich Wochenende
Lesen, Tanzen, Entdecken: Tipps fürs Wochenende
Carey Mulligan (l) als Megan Twohey und Zoe Kazan als Jodi Kantor in einer Szene des Films „She Said“.
Carey Mulligan (l) als Megan Twohey und Zoe Kazan als Jodi Kantor in einer Szene des Films „She Said“.
Jojo Whilden, dpa
Christoph Hägele von Christoph Hägele Fränkischer Tag
Bamberg – Wenn es um Kultur geht, ist unser Redakteur Christoph Hägele Enthusiast. Jeden Freitag schaut er auf die Woche zurück und gibt Tipps zum Ausgehen.

Liebe Freundinnen und Freunde der Kultur,

wir müssen mal wieder über den Schriftsteller Uwe Tellkamp sprechen.
Aber wirklich nur kurz.
Versprochen.

Tellkamp hat uns vor vielen Jahren den wunderbaren DDR-Roman „Der Turm“ geschenkt.

Leider tritt Tellkamp seit geraumer Zeit weniger als Schriftsteller in Erscheinung, auch wenn in diesem Jahr sein ziegelsteindicker “Turm“-Nachfolger “Der Schlaf in den Uhren“ erschienen ist.

Stattdessen versteht sich Tellkamp heute als hauptamtlicher Chefkritiker der liberalen Gesellschaft.
Tellkamp fühlt sich ausgegrenzt, verunglimpft, marginalisiert.

Ein schwer erträgliches  Geraune 

Ob Tellkamp jetzt konservativ ist, rechts oder reaktionär, ist eine müßige Frage. 
Keine der drei Positionen wären unzulässig. 
Nicht jeder muss ein vegan sich ernährender Klimaaktivist sein.

Schwer erträglich ist aber Tellkamps verschwörungstheoretischer Sound.
Dieser Sound braucht keine Beweise oder Fakten.
Dieser Sound begnügt sich damit, Dinge in raunendem Ton infrage zu stellen.

Tellkamp hat es wieder getan 

Jetzt hat es Tellkamp wieder getan.
Anlass waren die Razzien in der Reichsbürgerszene.

Bei einer Diskussion mit Sachsens Ministerpräsident Kretschmer schwang sich Tellkamp zum Sprecher „vieler Menschen“ auf.
Die würden sich die folgende Frage stellen: „Was wollen die uns hier für einen Bären aufbinden?“ 
Mit "die" meint Tellkamp Politik, Behörden, Presse. 
Mit einem Wort: das System. 

Puh.
Derlei pseudokritisches Gestammel ist eine intellektuelle Bankrotterklärung.

Und damit keiner behaupten kann, Tellkamp werde an diesem Newsletter mundtot gemacht:
Lesen Sie bitte doch Tellkamps Romandebüt “Der Eisvogel“ aus dem Jahr 2010. 

Darin geht es um Rechtsterroristen, die im Namen einer konservativen Revolution aufräumen möchten mit der liberalen Gesellschaft.
Das Buch ist unterhaltsamer und schlauer als alles, was Tellkamp seitdem politisch als Privatperson geäußert hat.

Was eine Forscherin zu den Reichsbürgern sagt

Apropos Reichsbürger: Die Nürnberger Extremismusforscherin Birgit Mair hat für uns im Interview zusammengefasst, was die Reichsbürger sind und woran sie glauben.
Und warum sie ausgerechnet auch in Franken immer wieder auffallen.

 

Anderes Thema: die Bamberger Symphoniker

Jenseits ihrer musikalischen Brillanz interessiert mich, wie die Musikerinnen und Musiker der Bamberger Symphoniker mit dem  Druck umgehen.
Sie müssen in jedem Konzert Leistung bringen, Fehler sind nicht vorgesehen.

Ich habe mich darüber mit Wolfgang Braun unterhalten.
Er ist seit knapp 40 Jahren Hornist bei den Symphonikern.

Braun verriet mir auch, ob sich alle im Orchester sympathisch finden müssen und was die Ensemblemitglieder mit einem Fußballtorwart gemeinsam haben.

Tipps zum Wochenende:

Zum Tanzen:

Mit ihrem „Alpen Klezmer“-Projekt ergründet die Münchner Sängerin Andrea Pancur seit Jahren die gemeinsamen Grundlagen der osteuropäisch-jiddischen Klezmermusik und der alpenländischen Folklore.

Jetzt denkt Pancur Weihnachten mit dem jüdischen Lichterfest Chanukka zusammen.
„Weihnukka“ heißt ihr Programm entsprechend.

Am Samstag, 10. Dezember, kommt Pancur mit "Weihnukka" zum Konzert in den Club Kaulberg, Unterer Kaulberg 36 in Bamberg.
Los geht es um 20 Uhr.

Der Club Kaulberg schreibt voller Vorfreude: 
"Es wird festlich!
Es wird fröhlich!
Es wird nachdenklich!
Es wird mitreißend!
Es wird ein Fest!"

Mit Kindern:

Die größten und glücklichsten Kinderaugen gibt es derzeit wohl bei den Karussells auf den Weihnachtsmärkten.
Fahren Sie doch mir Ihren Kindern auf einem fränkischen Weihnachtsmarkt Karussell. 
Die Kultur kann auch mal Pause machen.

Zum Nachdenken:

Gesellschaftspolitisch brisant  und dabei auch noch unterhaltsam erzählt ist der Film “She said“.
Er läuft derzeit in vielen fränkischen Kinos.

Der neue Film von Emmy-Gewinnerin Maria Schrader („Unorthodox“, „Ich bin Dein Mensch“) erzählt von zwei Journalistinnen, die 2017 den weitreichenden Machtmissbrauch gegenüber Frauen im US-amerikanischen Filmgeschäft aufdeckten.
Stichwort “Metoo“, Stichwort “Harvey Weinstein“.

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