Endlich Wochenende
Lesen, Tanzen, Entdecken: Tipps fürs Wochenende
Das Historische Museum in Bamberg widmet dem Märchen "Nussknacker und Mausekönig" eine Ausstellung.
Das Historische Museum in Bamberg widmet dem Märchen "Nussknacker und Mausekönig" eine Ausstellung.
Foto: Matthias Hoch
Christoph Hägele von Christoph Hägele Fränkischer Tag
Bamberg – Wenn es um Kultur geht, ist unser Redakteur Christoph Hägele Enthusiast. Jeden Freitag schaut er auf die Woche zurück und gibt Tipps zum Ausgehen.

Liebe Freundinnen und Freunde der Kultur, 

eine traurige Nachricht läutet das Wochenende ein. Hans Magnus Enzensberger ist tot. 
Er wurde 93 Jahre alt. 

Enzensberger war Dichter, Schriftsteller, Herausgeber, Übersetzer und Redakteur.
Aber das sind nur begriffliche Krücken. 

Enzensberger war ein großer Durchblicker 

In Wahrheit war Enzensberger ein öffentlicher Intellektueller, der seine Zeit in Gedanken fasste.

Enzensberger war ein Bescheidwisser und Durchblicker, dem anders als seinen Zeitgenossen Walser, Böll, Grass oder Habermas alles  Autoritäre und Repräsentative abging.

Eher glich Enzensberger bis ins hohe Alter einem hochbegabten Kind, das sich unentwegt für Neues interessiert. 

Enzensberger zählte  zu jenen Geistesmenschen (es waren seinerzeit tatsächlich vor allem Männer), die sich nach den geistigen und moralischen Verheerungen des Nationalsozialismus um die intellektuelle Neugründung der Bundesrepublik verdient gemacht haben.    

 

Gerne hätte ich gewusst, was Enzensberger von der symbolischen Geste der deutschen Nationalmannschaft  hält. 
Vor ihrem Spiel gegen Japan pressten sich die Spieler die Hände vor die Münder. 

Es drohten gelbe Karten 

Aber von wem hatten sie sich denn zum Schweigen bringen lassen: von einem diktatorischen Regime etwa, das sie mit dem Tod bedroht? 

Nein, zum Schweigen gebracht fühlten sich die Spieler lediglich von aufgeblasenen  FIFA-Funktionären. 

Und auf dem Spiel stand nicht Leben oder Freiheit, sondern allenfalls gelbe Karten oder Punktabzüge. 

Die vor Münder gepressten Hände waren sicherlich gut gemeint. 
Dennoch ging mir die Aktion in ihrer hochmütigen Selbstergriffenheit kolossal auf die Nerven.

Markus Lanz spricht von "Gratismut" 

Enzensberger schweigt für immer, Markus Lanz aber hat noch zu (fast) allem eine  Meinung.    
Der attestierte der Nationalmannschaft in seiner Sendung "Gratismut". 
Und das ist noch sehr zurückhaltend ausgedrückt.

 

Ein Popstar macht Urlaub in Bamberg 

Nein, das Welcome Hotel Residenzschloss in Bamberg ist kein Chelsea Hotel.
Dort in Manhattan versteckten sich Giganten wie Bob Dylan, Leonard Cohen oder Janis Joplin nicht nur vor der Welt.
Sie schufen im Chelsea Hotel auch große Werke. 

Aber ein weißer Fleck in der Geschichte des Pop ist das Bamberger Hotel jetzt eben auch nicht mehr. Der englische Sänger Paul Heaton, der einst mit den Housemartins berühmt und später mit Beautiful South noch berühmter wurde, hat im Residenzschluss die Musik zu seiner neuen Platte "N.K-Pop" geschrieben.

Der Anlass dazu ist traurig. Musikalisch hat Heaton die Zeit in Bamberg aber Glück gebracht. "
N.K-Pop" schoss auf Platz 1 der britischen Charts. 

 

Tipps fürs Wochenende: 

Mit Kindern:

Das Historische Museum in Bamberg widmet seine Weihnachtsausstellung in diesem Jahr E.T.A. Hoffmanns Märchen "Nussknacker und Mausekönig". 

Die Besucherinnen und Besucher können in eine Welt der lebenden Spielzeuge, sprechenden Standuhren und verzauberten Prinzen eintauchen. Dort treten sie in die Fußstapfen der kleinen Marie Stahlbaum, um dem berühmtesten Nussknacker aller Zeiten in seinem Kampf gegen den siebenköpfigen Mausekönig zur Seite zu stehen. 

Es bleibt noch Zeit für den Weihnachtsmarkt 

Die Ausstellung hat Charme und Witz.
Außerdem hat sie nichts zu tun mit einer Expedition ins  bildungsbürgerliche Hochgebirge, mit der Kinder einen Sonntag im Museum oftmals verbinden (ich spreche aus eigener Erfahrung).

Nach einer Stunde ist man fertig mit der Ausstellung.
Da bleibt noch genügend Zeit für den Weihnachtsmarkt, für Videospiele oder den Fußballplatz. 


Zum Tanzen: 

An den Wochenenden blicken viele fränkische Diskotheken eher lustvoll zurück, als dass sie der musikalischen Gegenwart den Puls fühlen. Womöglich hat das damit zu tun, dass die 90er das letzte Jahrzehnt waren, in dem sich eine breite Mehrheit auf dieselben Bands und Moden einigen konnten.  

Vielleicht waren die 90er aber auch nur ein musikalisch fruchtbares Jahrzehnt mit Hits, Hits, Hits. 

Am Samstag, 26. November, nehmen sowohl der Live-Club in Bamberg als auch der Club Stereo in Nürnberg ihre Gäste mit in die 90er.
Los geht es jeweils gegen 22 Uhr. 

Falls ich mir ein Lied wünschen dürfte: irgendwas von Oasis, danke! 

Die englische Band Oasis definierte den Sound der 90er.
Die englische Band Oasis definierte den Sound der 90er.
Foto: Wikipedia

 

Zum Nachdenken: 

Die Redewendung von der "gespaltenen Gesellschaft" hat sich verselbstständigt.
Man nutzt sie ohne auf ihre empirische Plausibilität einzugehen.
Auch das dahinter stehende Gesellschaftsbild bleibt häufig unterbelichtet. 

Der Buchtitel "Die Gespaltene Gesellschaft" (Rowohlt Verlag, 286 Seiten, 24 Euro) hat deshalb instinktiv Überdruss in mir ausgelöst. 
Zum Glück habe ich noch den Klappentext gelesen und später das ganze Buch. 

Ein schlaues Buch

In "Die Gespaltene Gesellschaft" zeigen die Autoren Jürgen Kaube und Andre Kieserling, dass Konflikte und Ungleichheiten zu modernen Gesellschaften schlicht und ergreifend dazugehören. 

Kaube und Kieserling entlarven die Angstlust der "Gespaltene Gesellschaft"-Aufsager, ohne bestehende Konfliktlinien samt und sonders zu verharmlosen. 

Ein unaufgeregtes und schlaues Buch, das sich die Zeit zum Nachdenken nimmt.  

 

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