Herzensprojekt
Blumen und Schmetterlinge gegen das Weinen
Die Kinder malten sich ihre guten Erinnerungen an verstorbene Angehörigen aus dem Herzen.
Die Kinder malten sich ihre guten Erinnerungen an verstorbene Angehörigen aus dem Herzen.
Foto: Marion Krüger-Hundrup
Bamberg – Was bewegt die Kinder- und Jugendtrauergruppe des Hospizvereins Bamberg? Ein Bauzaun am künftigen Kinderhospiz gibt darüber nun Aufschluss.

Zwei Jahre schon besuchte Lena (Name geändert) die Kinder- und Jugendtrauergruppe des Hospizvereins. Ihr Papa, an dem die jetzt Elfjährige sehr hing, war gestorben. Lena erfuhr in der Gruppe von Leiterin Marlene Groh liebevollen Schutz der Seele, erlebte die tröstliche Gemeinschaft mit gleich Betroffenen. Und doch blieb ihr Mund verschlossen. Das Mädchen schwieg über ihre Trauer, ihre Gefühle.

Emotional

Doch „plötzlich ist viel Emotionales beim Tun aufgebrochen, Lena begann endlich zu erzählen“, sagt Marlene Groh dankbar. Das Tun: Das war die Mitwirkung an einem Herzensprojekt des Hospizvereins, an dem sich jetzt auch Erwachsene erfreuen. Auf Initiative von Konrad Göller, Vorsitzender des Hospizvereins, haben 23 Kinder und Jugendliche der Trauergruppe im Alter von vier bis 17 Jahren sowie zwei Mütter den bisher unschönen Bauzaun innen bemalt, der zwischen dem bestehenden Hospizhaus und dem neu zu errichtenden Kinderhospiz „Sternenzelt“ die Sicht auf die Baustelle versperrt.

Farbenfroh

Die Patienten der Palliativstation des Klinikums schauen jetzt nicht mehr auf einen dürren Bretterzaun, sondern auf farbenfrohe Blumenwiesen, Schmetterlinge, Boote, Leuchttürme, Flüsse und Sterne. Die Sterne verweisen auf den Namen des künftigen Kinderhospizes, „Sternenzelt“, das für lebensverkürzend schwer erkrankte Kinder und Jugendliche aus der Region vorgesehen ist.

„Was ist in der Natur, was euch an den lieben Verstorbenen erinnert?“, lautete das Leitthema, unter dem die Kinder ihrer Fantasie freien Lauf ließen.

Elke Völkl (links) gab den malenden Kindern Tipps,  und Marlene Groh sorgte für den Schutz der Kinderseelen.
Elke Völkl (links) gab den malenden Kindern Tipps, und Marlene Groh sorgte für den Schutz der Kinderseelen.
Foto: Konrad Göller

Dafür, dass die eigenen Vorstellungen von Mamas Lieblingsblume oder von Opas bevorzugtem Platz im Garten auch realistisch umgesetzt werden konnten, sorgte die Bamberger Künstlerin Elke Völkl. Nach den Planzeichnungen der Kinder auf Papier erstellte sie einen maßstabsgetreuen Entwurf.

Es war gewiss keine leichte Aufgabe, diesen 75 Meter langen und fast zwei Meter hohen Sichtschutz aus tristem Holz für Patienten und Personal der Palliativstation in eine harmonisch wirkende Landschaft zu verwandeln. „Es war für mich eine sinnhafte Aufgabe, der ich mich gern gestellt habe“, erklärt Elke Völkl, die den malenden Kindern mit Tipps und Handgriffen bei der praktischen Umsetzung zur Seite stand.

Erinnerungen

In jeweils Drei-Stunden-Schichten wurden an drei Samstagen Farben gemischt und Pinsel geschwungen. „Es war viel Lachen, Nachdenklichkeit, Trauer dabei“, blickt Marlene Groh zurück. Erinnerungen an Verstorbene, die ihre letzten Stunden auf der Palliativstation verbracht hatten, seien wieder hoch gekommen: „Aber auf einer Ebene der Leichtigkeit und der Meditation“, beschreibt die Trauergruppenleiterin.

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Spendern und Sponsoren ist es zu verdanken, dass das Projekt bunter Bauzaun auch realisiert werden konnte. So spendete etwa Malermeister Lothar Sauer aus Pausdorf bei Scheßlitz sowohl hochwertige Acrylfarben, Pinsel und Grundierung als auch viele ehrenamtliche Arbeitsstunden. Er erledigte das Auftragen eines witterungsbeständigen Malgrundes und gestaltete gekonnt einen farbigen Hintergrund, auf denen anschließend die Kinder ihre Einzelmotive platzierten.

Pizza und Getränke

Der Malerbetrieb Keber aus Scheßlitz schenkte eine große Auswahl an hochwertiger Außenwandfarbe. Der Werkladen Geyerswörth sponserte Künstlerpinsel. Und besonders berührend fand die junge Malertruppe um Elke Völkl und Marlene Groh die Zuwendung von Irene Brehm und Martina Altstötter: Die beiden Reinigungskräfte des Klinikums übernahmen aus eigenem Geldbeutel die Kosten für Pizza, Naschereien und Getränke, die für die Kunstmalerei stärkten.