Neue Professoren
Uni Bamberg: Frischer Wind in den Hörsälen
In wenigen Wochen beginnen wieder die Vorlesungen an der Uni Bamberg.
In wenigen Wochen beginnen wieder die Vorlesungen an der Uni Bamberg.
Foto: Ronald Rinklef/Archiv
Bamberg – Acht neue Professorinnen und Professoren haben an der Universität Bamberg ihre Arbeit aufgenommen. Ihre Themen reichen von Didaktik bis Popkultur.

Die Universität Bamberg wurde unlängst durch gleich acht neue Professoren bereichert, die nun in der Welterbestadt arbeiten, forschen und lehren.

Wolfgang Dauth
Wolfgang Dauth
Foto: Uni Bamberg

Prof. Dr. Wolfgang Dauth , der Inhaber des Lehrstuhls für Regionale Arbeitsmarktökonomie ist 38 Jahre alt. Seine Forschungsschwerpunkte sind Arbeitsmarktökonomie, Regional- und Stadtökonomie und internationale Ökonomie.

Nach einem besonders interessanten Forschungsprojekt beragt, berichtet er: „Ein Projekt beschäftigt sich zum Beispiel damit, wie sich der Einsatz von Industrierobotern auf den Arbeitsmarkt auswirkt. Hintergrund ist die gesellschaftliche Sorge, dass technologischer Fortschritt zu mehr Arbeitslosigkeit führen könnte. Die Studie hat jedoch gezeigt, dass Industriebetriebe nicht einfach Menschen entlassen und durch Roboter ersetzen. Stattdessen übertragen sie ihnen höherwertige Tätigkeiten. Zudem entstehen neue Jobs im Dienstleistungssektor. Für junge Leute ist es jedoch aufgrund der Roboter schwieriger geworden, einen Job im Industriesektor zu finden.“

Miriam Hess
Miriam Hess
Foto: Uni Bamberg

Prof. Dr. Miriam Hess ist Inhaberin des Lehrstuhls für Grundschulpädagogik und -didaktik. Die Schwerpunkte der 37-Jährigen sind Unterrichtsqualität, videobasierte Unterrichtsforschung sowie der Einsatz von Videos in der Lehrerinnen- und Lehrerbildung.

„In einem meiner Projekte untersuche ich, wie angehende Lehrpersonen von der Arbeit mit Unterrichtsvideos im Studium profitieren können“, erklärt Hess. „Der Fokus liegt darauf, dass die Studierenden lernen, worauf sie achten müssen, um ihren künftigen Schülerinnen und Schülern konstruktives Feedback zu geben. Es zeigt sich, dass die Studierenden sowohl von der Arbeit mit eigenen Videos als auch von der Arbeit mit Videos anderer Lehrpersonen profitieren und dass die Arbeit mit den Videos dann besonders effektiv ist, wenn die Studierenden im Seminar lernen, sich an klaren Kriterien zu orientieren.“

Andreas Jungherr
Andreas Jungherr
Foto: Uni Bamberg

Prof. Dr. Andreas Jungherr ist nun Inhaber des Lehrstuhls für Politikwissenschaft, insbesondere Steuerung innovativer und komplexer technischer Systeme. Er ist 39 Jahre alt, seine Forschungsschwerpunkte sind Digitalisierung in Gesellschaft und Politik sowie computerbasierte Methoden in den Sozialwissenschaften.

„In einem aktuellen Projekt schaue ich mir an, wie Medien über große gesellschaftliche Fragen wie etwa die Corona-Pandemie, Künstliche Intelligenz oder den Klimawandel berichten, wie sich diese Berichte gegenseitig beeinflussen und wie diese auch in Onlinekommunikationsräume hineinwirken“, erläutert Jungherr. „Dabei betrachten wir nicht nur etablierte Medien, sondern auch neue Online-Nachrichtenseiten sowie Online-Plattformen wie etwa Twitter oder Reddit. Letztlich sollen so neue Befunde zum gesellschaftlichen Einfluss des Internets hervorgebracht werden.“

Nina Kleinöder
Nina Kleinöder
Foto: Uni Bamberg

Prof. Dr. Nina Kleinöder ist Juniorprofessorin für Wirtschafts- und Sozialgeschichte mit dem Schwerpunkt Arbeit und Bildung. Die Forschungsschwerpunkte der 37-Jährigen sind Geschichte der Arbeit und Wandel von Arbeitswelten, Unternehmensgeschichte und historische Sicherheitsforschung.

„In meiner Forschung beschäftige ich mich unter anderem mit Unternehmen, die sich zur Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert am deutschen Eisenbahnbau in den ehemaligen deutschen Kolonien in Afrika, also zum Beispiel den heutigen Staaten Kamerun, Namibia und Togo, beteiligten. Ich besuche für dieses Thema vor allem Archive der Unternehmen selbst, die durch ihre historischen Quellen noch einmal eine ganz neue Perspektive auf die deutsche Kolonialgeschichte eröffnen. Wichtige Ergebnisse zeigen, dass die allgemein oft als kurz erinnerte deutsche Kolonialgeschichte tatsächlich tief und langfristig in Wirtschaft und Gesellschaft hineinwirkte. Dies ist umso wichtiger, um einen aktuellen Beitrag etwa zu Fragen von Rassismus und der Rolle von Kolonialgeschichte, zum Beispiel auch in der Lehre und im Schulunterricht, zu leisten“, erklärt die Juniorprofessorin.

Jan Lenhart
Jan Lenhart
Foto: Uni Bamberg

Prof. Dr. Jan Lenhart ist Juniorprofessor für Pädagogische Psychologie. Die Schwerpunkte des 31-Jährigen sind Sprachförderung und Sprachintervention bei Kindern im Vorschul- und Kindergartenalter sowie soziale Kognition.

„In meinem aktuellen Projekt aus dem Bereich Sozialer Kognition möchte ich die Frage beantworten, inwiefern Geschichten unsere sozialen Kompetenzen fördern“, berichtet Lenhart. „Gerade während der Pandemie verbringen viele Menschen die meiste Zeit zu Hause und konsumieren viele verschiedene Arten von Geschichten – sei es in Form von Literatur oder auch Fernsehserien. Was machen diese Geschichten mit uns? Können bestimmte Geschichten unsere Sichtweisen und Einstellungen beeinflussen und vielleicht sogar unsere empathischen Fähigkeiten fördern?“

Peter  Riedlberger
Peter Riedlberger
Foto: Uni Bamberg

Prof. Dr. Dr. Dr. Peter Riedlberger ist Professor für Geschichte und Kultur der Spätantike. Der 48-Jährige forscht schwerpunktmäßig in den Bereichen Spätantike, spätantikes Recht und spätantike Kultur. „Derzeit beschäftige ich mich vor allem mit spätantiken Konstitutionen“, erklärt Riedlberger.

„Das sind die Texte, mit denen man in dieser Zeit Gesetze erlassen hat, die aber so gar nicht zu unseren Vorstellungen von Normen, also kurz, prägnant, klar, zumindest für den Juristen eindeutig, passen wollen. Es sind vielmehr lange, kunstvoll verfasste, oft obskure Kompositionen, denen man sich aus verschiedenen Blickwinkeln – juristisch, aber auch linguistisch und literaturwissenschaftlich – nähern muss.“

Timo Schmid
Timo Schmid
Foto: Uni Bamberg

Prof Dr. Timo Schmid ist Inhaber des Lehrstuhls für Statistik und Ökonometrie. Der 38-Jährige forscht zur Nutzung großer Datenmengen, zur kleinräumigen Schätzung soziodemographischer Indikatoren und im Bereich Survey-Statistik.

„Ich forsche zur kleinräumigen Schätzung soziodemographischer Indikatoren und das möglichst mit alternativen Datenquellen. Das hört sich jetzt erst einmal kompliziert an. Anhand eines Beispiels wird es anschaulicher: Nehmen wir an, ich interessiere mich für die Armutsquote in Deutschland und möchte mir die Zahlen aber nicht auf der großen Ebene der Bundesländer anschauen, sondern ich interessiere mich für die Armutsquote in Kreisen oder Gemeinden“, erklärt Schmid. „Oft stehen nicht ausreichend Daten zur Verfügung. An dieser Stelle komme ich ins Spiel: Mit statistischen Modellen kann ich klassische Umfragedaten mit alternativen Daten verbinden, um etwas über die Armutsquote in bestimmten Gemeinden herauszufinden. Alternative Daten sind zum Beispiel Mobilfunkdaten oder Satellitendaten.“

Theresa  Summer
Theresa Summer
Foto: Uni Bamberg

Prof. Dr. Theresa Summer ist Juniorprofessorin für Fachdidaktik Englisch. Die 38-Jährige forscht zu Popkultur und popkulturellen Artefakten, Bildung für nachhaltige Entwicklung und zur kritischen Fremdsprachendidaktik.

„In einer Onlineumfrage habe ich gemeinsam mit Kolleginnen rund 800 Jugendliche zwischen 13 und 19 Jahren zu Tabuthemen befragt – inwiefern ihnen diese Themen in der Freizeit begegnen und inwieweit sie sich wünschen würden, dass diese Themen im Unterricht vorkommen“ berichtet sie über ein besonders Forschungsprojekt. „Hintergrund der Umfrage, die zu meinem Forschungsschwerpunkt der Kritischen Fremdsprachendidaktik passt, ist, dass im Englischunterricht an Schulen kaum kontroverse Themen aufgearbeitet werden. Zu diesen Tabuthemen zählen zum Beispiel Drogen, Krankheit oder Rassismus. Ein wichtiges Ergebnis der Studie ist, dass 90 Prozent der befragten Personen es wichtig oder sehr wichtig finden, sich mit solchen Themen im Unterricht auseinanderzusetzen. Hier zeigt sich eine Kluft zwischen dem, was junge Menschen wichtig finden und dem, was ihnen teilweise noch im Unterricht angeboten wird.“

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