Kurzfilmtage Bamberg
Hauswand statt Kinoleinwand
Am anderen Ufer des Flusse und doch ganz nah: Die Spielstätten des Kurzfilmtags waren über die Innenstadt verstreut.
Am anderen Ufer des Flusse und doch ganz nah: Die Spielstätten des Kurzfilmtags waren über die Innenstadt verstreut.
Foto: Julian Megerle
Bamberg – Wie die Kurzfilmtage unbeschwertes Kino in die Stadt bringen und was die Zuschauer daran schätzen .

Wer sich nach dem drückend warmen Samstag die Beine in der Bamberger Innenstadt vertreten wollte, den schickte das Team der Kurzfilmtage auf einen dreieinhalb kilometerlangen Spaziergang quer durchs Weltkulturerbe. Ab 21 Uhr ging’s auf abendliche Entdeckungstour auf der Suche nach coolen Kurzfilmen trotz heißen Temperaturen.

An neun Stationen projizierte das Kurzfilmfestival, das dieses Jahr coronabedingt nur im Internet seine digitalen Pforten öffnete, seine echte Kinoversion an die Mauern der Stadt. Sozusagen die zweite Staffel nach der Januarausgabe des Festivals. „Unsere Idee war, wieder unbeschwertes Kino zu ermöglichen“, erklärt Volker Traumann vom Team der Bamberger Kurzfilmtage.

Während die Kurzfilme über bis zu neun Meter hohe steinerne „Leinwände“ huschen, gibt’s den passenden Ton sprichwörtlich aufs Ohr. Stattliche 600 Bluetooth-Kopfhörer haben die Kino-Enthusiasten am Start, um die Kinogäste zu versorgen. So sollen laut Traumann Filmegenuss im Herzen der Altstadt und die Nachtruhe der Anwohnerschaft versöhnt werden. Silent Kino nennt sich das und ist bundesweit ein Erfolgsmodell, wie der langjährige Mitstreiter der Kurzfilmtage schildert.

Kostenloses sicheres Vergnügen

Nach fünf Filmen mit insgesamt 30 Minuten Spieldauer pro Ort geht es weiter zur nächsten Station: „So sorgen wir dafür, dass sich die Menschenmengen stark entzerren“, ist sich Traumann sicher. Das Ganze ist für die Kinobesucher kostenlos.

Aber was versteckt sich nun in den Innenhöfen und Spielstätten? Es folgt ein Streifzug quer durchs filmische Arsenal. Da lässt sich Altbürgermeister Mathieu bei der Eröffnung der Sandkerwa Anno 1969 an der Rückwand des Stadtarchivs entdecken. Aber auch die wilde Fahrt eines Radlers durch die Verkehrsdschungel der Bamberger Innenstadt der 70er Jahre oder der tonlose Einmarsch der US-Amerikaner im April 1945 versammeln zahlreiche Leute. Die Kopfhörer leuchten oder blinken dabei in der gleichen Neonfarbe.

Am Kesselhaus fesselte ein Thriller namens „Die Santa Maria“ die Zuschauer, die auf den alten Schornstein blickten. „Heute Abend gibt es eine hochkarätige Filmauswahl“, findet Jörg Stahlmann aus Bamberg. Er hofft, dass diese Form von kultureller Öffnung weiterwächst. Für den Fan der Bamberger Kurzfilmtage ist klar: „Es ist schön, wie so die verschiedenen Orte wiederentdeckt werden können.“

So ist an diesem Abend auch die Ausstellung „Thriller“ im Kesselhaus bis 2 Uhr geöffnet. Bis zu dieser Zeit laufen 40 Streifen. Die Auswahl ist so vielfältig wie die Orte.

Ob zum Beispiel Naturfilme im Gärtner- und Häckermuseum, ironische Tierfilme im Naturkundemuseum oder Ganovengeschichten im Innenhof des Rathauses am Maxplatz: Das Programm zieht Menschen weit über die Stadt hinaus an. Mirjam Klinger, Marie Resch und Tino Trautmann sind extra aus Nürnberg angereist. Die drei Studierenden schauten sich den Film „Freibad“ an der Oberen Mühlbrücke an, wozu die Musik der Band „Brotmüller“ lief, die nicht nur das Trio zum Tanzen gebracht hat.

„Wir sind hier, weil an vielen anderen Orten Dinge wieder abgesagt wurden“, erklärt Resch. „Es ist schön, dass es kulturell wieder losgeht“, findet Klinger. „Es ist ein spannendes Genre, was hier gut inszeniert wird“, meint Trautmann.

Wer diesen Filmabend verpasst hat, bekommt am 26. und 28. August nochmals die Chance, Kurzfilme zu genießen: Im Rahmen des Sommerkinos des Odeonkinos bekommen die Zuschauer die Publikumslieblinge und Preisträger nochmals zu Gesicht. „Nächstes Jahr sehen wir uns dann – hoffentlich - Ende Januar wieder im Kino“, bekräftigt Traumann die Pläne für 2022.