Initiative
Sound kriegt Raum im Bamberger Sand
Das von der Stadt erworbene Haus Obere Sandstraße 20 macht Kulturschaffenden in Bamberg Hoffnung.
Das von der Stadt erworbene Haus Obere Sandstraße 20 macht Kulturschaffenden in Bamberg Hoffnung.
Foto: Stadt Bamberg
Bamberg – Gute Kunde für das "Sound 'n' Arts". Die Obere Sandstraße 20 in Bamberg soll ein Kulturhaus werden. Und auch das Marionettentheater ist im Gespräch.

Ein Stück Sandgebiet könnte wieder zu neuem kulturellen Leben erwachen, wenn auch der zeitliche Rahmen noch nicht abschließend abgesteckt ist: Die Rede ist von der Oberen Sandstraße 20, welche die Stadt Bamberg zu Beginn des Jahres 2020 im baufälligen Zustand dem Immobilienspekulanten German Property Group abkaufte. In einer Onlinerunde hatte Kulturreferentin Ulrike Siebenhaar die Akteure aus der Nachbarschaft eingeladen, um das Konzept eines Kulturhauses zu diskutieren.

Die Idee: Das Kellergeschoss bleibt dem Club "Sound 'n' Arts" vorbehalten, welcher im Sommer 2019 seinen Dancefloor schließen musste, weil das gesamte Haus einzustürzen drohte. Für die oberen Stockwerke des weiträumigen Hauses mit seinem Hinterhaus steht nun eine neue Komponente im Raum: das Marionettentheater, welches momentan im sanierungsbedürftigen Staubschen Haus in der Unteren Sandstraße beheimatet ist, könnte eventuell dorthin umziehen. Und dann wäre womöglich immer noch Platz für weitere Ideen im gleichen Haus übrig.

Offen für Vorschläge

"Wir sind grundsätzlich offen für Vorschläge", betont Maria Sebald, Theaterleitung des Marionettentheaters. Nachdem jahrelang auch die Tabakscheune an der Weide ins Spiel gebracht wurde, sei die Entwicklung nun "rasant". Für das Marionettentheater ist die Lage ein wichtiger Faktor: "In anderen Städten sind solche Theater im Stadtzentrum zu finden", erklärt Sebald, die seit 2012 die Leitung innehat. Aber es stehen auch Fragezeichen im Raum: Passt das Publikum in der Sandstraße zum Theater? Und auch lärmtechnisch könnte es schwierig werden: "Bei unseren Vorführungen darf es keine Störung durch andere Musik oder laute Geräusche geben", erläutert die Theaterleitung mit Blick auf Veranstaltungen bis 22 Uhr.

Aber egal ob Tabakscheune oder Obere Sandstraße, am liebsten wäre Sebald der Verbleib im Staubschen Haus mit seinem Charme, wo seit 30 Jahren die Puppen über die Bühne hoppeln. Dieses Haus soll aber von der städtischen Krankenhausstiftung saniert und in Wohneinheiten umgewandelt werden. "Wir haben das Versprechen vonseiten der Stadt, dass wir erst umziehen werden, wenn eine neue Spielstätte fertig ist."

Bis es so weit ist, könnten fünf bis sechs Jahre Wasser die Regnitz runterfließen. "Es muss geklärt werden, ob der Zweck zu den Anforderungen des Denkmalschutzes passt", meint Martin Lorber. Für den Ersten Vorsitzenden der Schutzgemeinschaft Alt Bamberg spricht grundsätzlich nichts gegen die Idee mit dem Marionettentheater. Es müsse geklärt werden, ob die Deckenhöhen für das Theater geeignet wären, um auch die Zuschauertribüne unterzubringen. "Wichtig ist, dass wir auch eine gute Verwendung für die Tabakscheune finden, damit eine Sanierung tatsächlich stattfindet", betont Lorber.

Für Markus Schäfer, Straßenmanager der Interessengemeinschaft Sand, ist klar: "Kulturelle Bereicherung im Sand ist auf jeden Fall zu begrüßen." Besonders die positive Nachricht für das "Sound 'n' Arts", welches seit 2019 keine Alternative mehr hat, schließe eine wichtige Lücke für kleinere Bands, denen andere Orte zu groß sind.

Auch Michael Schmitt, Kulturpolitiker von Grünes Bamberg, freut sich: "Es ist gut, dass die Stadt das Objekt erworben hat und dass neue Räume für Kultur angedacht sind." Mit Blick auf die Zeitspanne sei aber auch deutlich: Viele Kulturschaffende brauchen früher frische Räume zur Entfaltung. Im Falle des "Sound 'n' Arts" könnte möglicherweise auch eine frühere Nutzung anstehen, wenn dort zuerst saniert wird.

Am Anfang eines Prozesses

"Wir freuen uns wahnsinnig, dass hier Kultur so großgeschrieben wird", machen Elli und Wolle Geyer, die seit Jahren mit viel Herzblut den Club geschmissen haben, klar. Man könnte im Falle einer früheren Nutzung schnell wieder die komplette Technik reinzimmern. "Wir freuen uns, dass die Stadt ihr Zusage gehalten hat, dass wir auf jeden Fall bedacht werden", sind sich die beiden einig.

Dass in Zukunft im Keller wieder der Bass wummert, ist also gesetzt. Alles weitere bleibt eine offene Diskussion. "Wir sind noch ganz am Anfang eines Prozesses", erklärt die Kulturreferentin Siebenhaar. So müssten die Fragen von Denkmalschutz und Lärmschutz im Zusammenhang mit dem Marionettentheater weiter debattiert werden. "Aber was hat einen größeren Charme als eine Belebung der Sandstraße am Tag?" Denkbar wäre auch eine Art Kulturcafé oder Bar, wo sich Gäste vor und nach Veranstaltungen aufhalten könnten. Aber egal, wer in Zukunft das Haus beleben darf: "Wir werden kein Gebäude herrichten, ohne sicherzustellen, dass sich die Kulturschaffenden auch die Miete leisten können", verspricht die Kulturreferentin.

Am 11. März geht der Prozess im Kultursenat weiter. Dann muss geklärt werden, mit welchen Geldern Machbarkeitsstudien und architektonische Fachkenntnis ins Feld geschickt werden, um das Haus wieder nutzbar zu machen. Ein Hoffnungsschimmer für die Kultur.