Basketball
Bamberg triumphiert im Oberfrankenderby
Der Bayreuther Matt Tiby (rechts) muss zusehen, wie Bambergs David Kravish per Dunking zwei seiner 16 Punkte erzielt.
Der Bayreuther Matt Tiby (rechts) muss zusehen, wie Bambergs David Kravish per Dunking zwei seiner 16 Punkte erzielt.
Foto: Daniel Löb
Bamberg – Medi Bayreuth verliert das 81. Derby gegen Brose Bamberg und muss seine Play-off-Hoffnungen begraben. Die Gäste treffen sensationell aus der Distanz.

Brose Bamberg hat sich mit einen 97:88 (52:55)-Sieg bei Medi Bayreuth so gut wie sicher die Play-off-Teilnahme in der Basketball-Bundesliga gesichert. Die Mannschaft von Brose-Trainer Johan Roijakkers setzte sich im bis fünf Minuten vor Schluss heiß umkämpften Oberfrankenderby mit 15 Führungswechseln und zwölf Gleichständen am Ende etwas ab. Neben den zwei Punkten entschieden die Gäste auch den direkten Vergleich für sich, nachdem sie das Hinspiel mit 67:73 verloren hatten.

Das Team von Medi-Coach Raoul Korner kann zwar mit nun 22:34 Punkten die Bamberger (28:24) in den verbleibenden sechs Spielen (Bamberg hat noch acht Partien zu bestreiten) rechnerisch noch vom achten Platz verdrängen, doch beim Blick auf das Restprogramm ist dies eher theoretischer Natur. Vielmehr kann Bamberg noch Ulm (34:33) von Rang 7 verdrängen.

Bundesliga

Medi Bayreuth - Brose Bamberg 88:97

(27:27, 38:25, 16:22, 17:23)

Matt Tiby, der zuletzt in der Partie in München eine Denkpause wegen fehlender Einstellung zum Team erhalten hatte, war wie erwartet wieder dabei und stand in der Startformation. Bei Bamberg war Christian Sengfelder an Bord, der die letzten beiden Spiele wegen einer Schulterverletzung gefehlt hatte. Dafür musste Michele Vitali wegen Oberschenkelproblemen passen.

Medi-Kapitän Bastian Doreth (links) war der überragende Bayreuther. Hier schlägt er den Bamberger Tyler Larson und zieht zum Korb.
Medi-Kapitän Bastian Doreth (links) war der überragende Bayreuther. Hier schlägt er den Bamberger Tyler Larson und zieht zum Korb.
Foto: Peter Mulaczyk

Das 81. Derby hätte die Fans sicher von den Sitzen gerissen, wären Zuschauer in der Oberfrankenhalle zugelassen gewesen. Beide Kontrahenten lieferten sich einen Schlagabtausch mit offenem Visier. Der gebürtige Nürnberger Bastian Doreth, der schon für beide Klubs gespielt hat, war sofort im Derbymodus und erzielte elf Punkte in den ersten acht Minuten. Dagegen funktionierte der Vorsatz des Medi-Kapitäns, den Bamberger Dreierschützen enger auf den Füßen zu stehen als noch beim Start im Hinspiel überhaupt nicht. Im ersten Viertel hatten die Gäste bei sechs Versuchen von jenseits der 6,75-Meter-Linie keinen Fehlwurf zu verzeichnen. Dabei feierte Tyler Larson im 16. Versuch in dieser Bundesliga-Saison seinen ersten Treffer von der Dreierlinie.

Bambergs Co-Kapitän Tyler Larson (am Ball) traf erstmals in der Bundesliga-Saison von der Dreierlinie - und das gleich dreimal.
Bambergs Co-Kapitän Tyler Larson (am Ball) traf erstmals in der Bundesliga-Saison von der Dreierlinie - und das gleich dreimal.
Foto: Daniel Löb

Und im zweiten Abschnitt ging es so weiter. Sowohl Doreth punktete konstant (15 seiner 22 hatte er nach 20 Minuten erzielt), als auch die Bamberger Dreier rauschten - zwar nicht mehr ohne Fehlwurf, aber mit hoher Quote - durch die Bayreuther Reuse (11 von 15 bis zur Halbzeit). Dagegen attackierten die Gastgeber immer wieder erfolgreiche das Brett der Westoberfranken, punkteten durch Andreas Seiferth, Dererk Pardon oder Osvaldas Olisevicius in der Zone oder brachten sich an die Freiwurflinie.

Bayreuth öfter an der Freiwurflinie

Zehnmal standen sie dort, trafen dabei neunmal. Bamberg passte den Ball gut, attackierte seltener den Korb und hatte dementsprechend nur zwei Freiwürfe bis zum Seitenwechsel - wer will es ihnen bei einer solchen Trefferquote von außen auch verdenken. Larson traf bis dahin dreimal; Bennet Hundt und Christian Sengefelder (je 2) sowie Chase Fieler, Devon Hall und Dominic Lockhart je einmal bis dahin. Dass Bamberg dennoch mit 52:55 im Hintertreffen war, lag an der überragenden Quote der Bayreuther aus dem Zweier-Bereich (14 von 20) und an sieben Ballverlusten des Brose-Teams (Medi nur zwei).

"Unsere Defense muss besser werden. Wir kassieren viel zu viele Gegenpunkte", berichtete Vitali in der Pause von Roijakkers" Kabinenansprache. "Wahrscheinlich liegt unsere gute Dreierquote daran, dass ich nicht mit dabei bin", scherzte der italienisch Distanzwerfer, erklärte aber das einfache Rezept. "Wir bewegen den Ball gut und treffen unserer offenen Würfe."

Bambergs Kenneth Ogbe (rechts) suchte immer wieder den Weg zum gegnersichen Korb. Hier attackiert er gegen den Bayreuther Osvaldas Olisevicius.
Bambergs Kenneth Ogbe (rechts) suchte immer wieder den Weg zum gegnersichen Korb. Hier attackiert er gegen den Bayreuther Osvaldas Olisevicius.
Foto: Daniel Löb

Der Schlagabtausch setzte sich im dritten Viertel fort. Kein Team ließ locker, allerdings stieg nun die Intensität in der Verteidigung. Die Bayreuther leisteten sich zwar in diesem Durchgang zwar sechs Ballverluste (Bamberg nur einen), doch beim 71:74 vor dem Schlussabschnitt war noch alles offen.

Hier trafen Kenneth Ogbe und Lockhart auch schwierige Würfe oder in Zeitnot von außen, so dass Korner bei einem Acht-Punkte-Rückstand (76:84, 34. Minute) seine Männer zur Auszeit rief. Doch die blieb wirkungslos. Drei Minuten später hatten Hall auf Kosten von Doreths vierten Foul und Sengfelder nach tollem Hundt-Anspiel aus dem Pick-and-Roll für das 78:88 gesorgt. Nach Korners nächster Auszeit verkürzten Doreth und David Walker schnell auf sechs Zähler.

Doreth und Tiby in der Schlussphase draußen

Die Schlüsselszenen folgten kurz darauf. Doreth kassierte Foulpfiff Nr. 5 und war damit draußen. Ohne ihn fehlte Bayreuth die ordnende hand. Matt Tiby meckerte nach einem Foul im Dreierversuch an Fieler noch und kassierte ein "Technisches". Mit dem "Unsportlichen" aus Viertel 3 wurde der Amerikaner disqualifiziert. Nach einem Schrittfehler von Olisevicius sorgte der überragende David Kravish für das 94:84, 73 Sekunden war da noch zu spielen. Der Brose-Center traf im achten Versuch zum achten Mal!

Chase Fieler (rechts) lässt Matt Tiby hinter sich. Der Medi-Amerikaner fehlte in der Schlussphase nach einem unsportlichen und einem technischen Foul, die eine Diqualifikation zur Folge hatten.
Chase Fieler (rechts) lässt Matt Tiby hinter sich. Der Medi-Amerikaner fehlte in der Schlussphase nach einem unsportlichen und einem technischen Foul, die eine Diqualifikation zur Folge hatten.
Foto: Daniel Löb

Doch die Bayreuther gaben nicht auf. Nach vier schnellen Pardon-Punkten war der direkte Vergleich noch offen, doch Hall beantwortete mit dem 16. Brose-Dreier zum Endstand auch diese Frage zugunsten der Bamberger.

Doreth: Ostern und Weihnachten an einem Tag

Am Magentasport-Mikrofon war Medi-Kapitän Doreth etwas angefressen: "Die Bamberger hatten Ostern und Weihnachten an einem Tag. Die haben jeden Sch...wurf getroffen. Was willst du da machen. Diese Treffer und der ein oder andere Offensivrebounds zu viel waren dann entscheidend." Zum Spiel sagte der 31-Jährige: "Das war definitiv ein heiß umkämpftes Derby. Ich hoffe nur, dass künftig für solche besonderen Spiele auch drei fähige Leute kommen, die mit solchen Emotionen umgehen können", gab der Medi-Topscorer noch einen Seitenhieb in Richtung Schiedsrichter, ohne die Schuld bei den Unparteiischen zu suchen.

Ogbe zieht fünf Fouls beim Gegner

Kenneth Ogbe sah den Schlüssel zum Derbysieg in der Verteidigung. "Die Stopps in der Defense gaben den Ausschlag, das und dass wir Basti Doreth stoppen müssen, war die Marschroute für die zweite Halbzeit. Das hat uns am Ende den Sieg gebracht." Der Nationalspieler attackierte immer wieder, zog fünf Fouls beim Gegner und kam am Ende auf 13 Punkte. "Meine Schwierigkeit ist, das anschalten zu können, dass ich so aggressiv bin. Wenn, dann bin ich nur schwer zu stoppen. Daran arbeite ich."

Am Ende standen in beiden Teams fünf Spieler, die zweistellig punkteten. Bamberg hatte es seiner überragenden Dreierquote zu verdanken und den im zweiten Abschnitt deutlich reduzierten Ballverlusten (nur noch zwei, insgesamt neun/Bayreuth zwölf, davon zehn nach der Pause), dass sie mit dem Sieg aus der Oberfrankenhalle nach Hause fahren durften.

Die Punkteverteilung

Bayreuth: Doreth (22 Punkte/2 Dreier), Bartley (12/1), Pardon (10), Jones (10/1), Olisevicius (10), Seiferth (8), Tiby (8/2), Walker (7/1), Bruhnke (1), Jalalpoor

Bamberg: Kravish (18), Sengfelder (16/2), Hall (14/3), Ogbe (13/2), Lockhart (10/2), Fieler (9/2), Larson (9/3), Hundt (8/2), Ruoff, Seric, Thompson

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