Basketball
Brose Bamberg dreht nach der Pause auf
Der Bamberger Devon Hall (r,) war kaum zu stoppen und stellte mit 25 Punkten eine Bundesliga-Bestleistung auf. Hier wird der US-Amerikaner von Andreas Obst gefoult.
Der Bamberger Devon Hall (r,) war kaum zu stoppen und stellte mit 25 Punkten eine Bundesliga-Bestleistung auf. Hier wird der US-Amerikaner von Andreas Obst gefoult.
Foto: Daniel Löb
Bamberg – Die Bamberger gewinnen nach einer starken zweiten Halbzeit gegen Ratiopharm Ulm mit 88:74 und bleiben auf Play-off-Kurs. Zwei Spieler ragen heraus.

Die Basketballer von Brose Bamberg kommen immer besser in Schwung. Beim 88:74 (36:38)-Heimerfolg gegen Ratiopharm Ulm feierten sie am Samstagabend bereits den fünften Sieg in der Bundesliga in Folge. Damit festigten sie den achten Tabellenplatz und können sich im Play-off-Rennen noch Hoffnungen auf eine bessere Platzierung machen. Denn die siebplatzierten Schwaben haben nur noch zwei Punkte mehr auf dem Konto als die Mannschaft von Brose-Trainer Johan Roijakkers, die sich wie zuletzt beim Sieg in der Champions League über Casademont Saragossa von der Dreierlinie sehr abschlussstark zeigte. Zwar trafen die Bamberger nicht noch einmal 21 Mal aus der Distanz, doch die 14 Treffer bei 27 Versuchen ergaben eine sehr gute Dreierquote von 52 Prozent.

Chase Fieler setzt sich unter dem Ulmer Korb durch.
Chase Fieler setzt sich unter dem Ulmer Korb durch.
Foto: Daniel Löb

Getragen wurden die Oberfranken bei ihrem 13. Saisonsieg von Devon Hall, der 19 seiner 25 Punkte nach der Pause erzielte, und Chase Fieler (19), der sein Team nach einem Elf-Punkte-Rückstand im zweiten Viertel bis zur Pause wieder auf zwei Zähler heranbrachte. Michele Vitali lief erst im letzten Viertel heiß. Hier erzielte der Italiener alle seine elf Zähler, davon drei Dreier ohne Fehlversuch. Ebenfalls zweistellig punktete David Kravish (12). Der Center hatte gegen Saragossa wegen einer Patellasehnenreizung passen müssen, fand aber mit sieben Rebounds und vier Assists schnell zurück zu alter Stärke.

Aufbauspieler Tyler Larson, der nach viermonatiger Verletzungspause gegen Saragossa sein Comeback gefeiert hatte, war ebenfalls einer der auffälligen Akteure. Der US-Amerikaner hielt sich im Abschluss zwar zurück (4 Punkte), gab aber sieben Assists, holte neun Rebounds und leistete sich in 29:53 Minuten Spielzeit keinen Ballverlust. Sein Vertreter Bennet Hundt, der diesmal von der Bank kam, ging wesentlich fahrlässiger mit dem Spielgerät um. Vier der insgesamt zehn Bamberger Turnover gingen auf sein Konto. Einen schwächeren Tag erwischte auch Christian Sengfelder. Der in den letzten Wochen formstärkste Bamberger hatte viel Pech im Abschluss und kam nur auf sechs Punkte bei zehn Würfen.

Die Oberfranken entschieden die Partie nach der Pause für sich. Mit 52:36 gewannen sie die zweite Halbzeit deutlich. "In der ersten Halbzeit haben wir die Energie nicht gefunden. In der zweiten waren wir dann physischer. Dazu haben wir Jungs wie Vitali und Hall, die einfach treffen können", sagte Roijakkers.

Zwei Dreier von Lockhart

Beide Mannschaften taten sich zu Beginn schwer, in die Partie zu finden. Nach fünf Minuten hatten die Bamberger erst sechs Punkte, die Ulmer gar nur zwei erzielt. Nach zwei Dreiern von Dominic Lokhart zum 14:7 (7. Minute) schienen die Gastgeber offensiv einen Rhythmus aufzunehmen zu können, doch entpuppte sich dies nur als Strohfeuer. Sie leisteten sich fünf Ballverluste und bauten den Gegner damit auf. Die Schwaben, die ihre ersten fünf Versuche von der Dreierlinie daneben setzten, steigerten sich nun aus der Distanz. Dank Dreiern von Andi Obst (2) und Per Günther gelang den Ulmern ein viertelübergreifender 15:2-Lauf, mit dem sie sich eine 22:16-Führung erspielten.

Dominic Lockhart wirft über den Ulmer Troy Caupain hinweg und trifft einen seiner drei Dreier.
Dominic Lockhart wirft über den Ulmer Troy Caupain hinweg und trifft einen seiner drei Dreier.
Foto: Daniel Löb

Bei den Bambergern lief es weiterhin nicht rund, weil sie das Spiel zu kompliziert machten. Auch zwei Auszeiten von Roijakkers bewirkten zunächst nichts. Die Gäste schraubten ihren Vorsprung auf elf Punkte in die Höhe (31:20), ehe bei den Hausherren Fieler das Ruder übernahm. Zwölf Punkte gelangen dem Power Forward in den letzten acht Minuten der ersten Halbzeit. Er führte seine Mannschaft bis zur Pause fast im Alleingang auf 36:38 heran. Das aggressivere Team waren bis dahin aber die Ulmer, die sich in der ersten Halbzeit sieben Offensivrebounds sicherten (Bamberg 5) und dem Gegner fünfmal den Ball abnahmen (Bamberg 1 Ballgewinn/8 Ballverluste).

Bamberger verteidigen aggressiver

Die Kräfteverhältnisse änderten sich nach der Pause (36:38) aber schnell. "Die Bamberger haben mit einem 8:0-Lauf das Momentum auf ihre Seite gezogen", konstatierte Gästecoach Jaka Lakovic. Die Oberfranken verteidigten nun wesentlich aggressiver und übten auch in der Offensive mehr Druck auf den Gegner aus, was bei diesem Wirkung zeigte. Angeführt von Hall und Fieler erspielten sich die Hausherren eine Zehn-Punkte-Führung (55:45, 27. Minute), die bis zum Ende des dritten Viertels noch einmal bis auf drei Zähler schmolz.

Christian Sengfelder hat sich den Offensivrebound geschnappt. Die Ulmer (von links) Andres Obst, Cameron Clar, Dylan Osetkowski  und Troy Caupain wollen sich den Ball aber zurückholen.
Christian Sengfelder hat sich den Offensivrebound geschnappt. Die Ulmer (von links) Andres Obst, Cameron Clar, Dylan Osetkowski und Troy Caupain wollen sich den Ball aber zurückholen.
Foto: Daniel Löb

Die ersten fünf Korberfolge im letzten Abschnitt waren allesamt Dreier, von denen aber vier auf das Konto der Bamberger gingen (jeweils zwei von Hall und Vitali). Damit setzten sich die Gastgeber auf 72:60 ab. Da die Ulmer ihren Gegner auch in der Folge kaum mehr am Punkten hindern konnten, sprang ein ungefährdeter Heimerfolg für die Bamberger heraus.

Über diesen freute sich auch Jonaic Grüttner Bacoul, der knapp acht Wochen nach seinem Mittelhandbruch erstmals wieder im Kader stand, aber nicht zum Einsatz kam. Im Bamberger Aufgebot, das nach der Rückkehr von Larson und Grüttner Bacoul nun wieder komplett ist, fehlte dagegen Shevon Thompson. Der Jamaikaner musste aufgrund der "6+6-Regel" aussetzen. Am Dienstag (20.30 Uhr) im Champions-League-Spiel gegen ERA Nymburk darf der Center dagegen mitwirken, da im internationalen Wettbewerb der Einsatz von sieben ausländischen Spielern erlaubt ist.

Spieler des Spiels

Chase Fieler spielte aufgrund zwei frühen Fouls im ersten Viertel nur 58 Sekunden, drehte aber nach seiner Einwechslung im zweiten Abschnitt auf und gab seinem Team Auftrieb. Der Power Forward traf fünf seiner sechs Würfe, davon drei Dreier. Zudem holte er zwei Rebounds, blockte zwei Würfe und traf drei Freiwürfe.

Die Statistik

Bamberg: Hall (25 Punkte/4 Dreier), Fieler (19/4), Kravish (12), Vitali (11/3), Lockhart (9/3), Sengfelder (6), Larson (4), Ogbe (2), Ruoff, Hundt

Ulm: Clark (12), Günther (10/2), Petrucelli (10/2), Holman (10/2), Caupain (9/1), Obst (9/2), Osetkowski (7/1), Klepeisz (5/1), Heckmann (2), Conger, Wilkins

Schiedsrichter: Lottermoser, Gutting, Mutapcic

Zuschauer: keine

Gesamtwurfquote: Bamberg 53 Prozent (34 Treffer/64 Versuche), Ulm 42 (28/67)

Dreierquote: Bamberg 52 Prozent (14/27), Ulm 42 (11/26)

Freiwurfquote: Bamberg 75 Prozent (6/8), Ulm 78 (7/9)

Rebounds: Bamberg 35 (26 defensiv/9 offensiv), Ulm 35 (22/13)

Ballgewinne/-verluste: Bamberg 1/10, Ulm 6/7

Assists: Bamberg 23 / Ulm 13

Fouls: Bamberg 15 / Ulm 16