Basketball
Brose Bamberg setzt eine Duftmarke
Michele Vitali steigt gegen Jonah Radebaugh zu einem seiner sieben Dreipunktewürfe hoch. Vier davon fanden ihr Ziel.
Michele Vitali steigt gegen Jonah Radebaugh zu einem seiner sieben Dreipunktewürfe hoch. Vier davon fanden ihr Ziel.
Foto: Daniel Löb
Bamberg – Die Bamberger besiegen den souveränen Tabellenführer MHP Riesen Ludwigsburg knapp mit 94:93. Die Hausherren wanken am Ende, fallen aber nicht.

Brose Bamberg hat den MHP Riesen Ludwigsburg die vorzeitige Hauptrundenmeisterschaft in der Basketball-Bundesliga verwehrt. Die Oberfranken fügten mit ihrem knappen 94:93 (47:37)-Heimerfolg am Freitagabend den Schwaben ihre erst dritte Niederlage in dieser Saison bei. Sollte der Spitzenreiter am Sonntag im zweiten Anlauf gegen die Telekom Baskets Bonn den ersten Tabellenplatz absichern, steht einem Duell zwischen den Bambergern und den Ludwigsburgern im Play-off-Viertelfinale so gut wie nichts mehr im Weg. Denn die Mannschaft von Trainer Johan Roijakkers ist nun von Platz 8 kaum noch zu verdrängen. Aufgrund der am Freitagabend gezeigten starken Leistung ist seinem Team auch in den Play-offs eine Überraschung zuzutrauen.

Bundesliga

Brose Bamberg – MHP Riesen Ludwigsburg 94:93

(25:10, 22:27, 22:28, 25:27)

Nach acht Siegen in Folge ist die Erfolgsserie der Schwaben in Bamberg gerissen, obwohl sie sich nach schwachem Beginn vehement gegen die Niederlage stemmten. Die Hausherren hielten aber dem wachsenden Druck stand – insbesondere Michele Vitali. Der Italiener war mit 15 Punkten Topscorer seines Team und erzielte neun Zähler im spannenden Schlussabschnitt. Zweistellig beim Sieger punkteten zudem Chase Fieler (14), Kenneth Ogbe und Tyler Larson (je 11). Center David Kravish schrammte knapp an einem Double-Double (9/10 Rebounds) vorbei.

Chase Fieler sucht einen Mitspieler.
Chase Fieler sucht einen Mitspieler.
Foto: Daniel Löb

„Beide Mannschaften hätten den Sieg verdient gehabt, wir waren etwas glücklicher. Er war aber wichtig für den Kampf um die Play-offs. Am Ende hatten wir unsere erfahrenen Spieler auf dem Feld“, sagte Roijakkers. Sein Trainerkollege John Partrick sprach von einem verdienten Bamberger Sieg: „Die Bamberger haben uns im ersten Viertel dominiert. Da haben wir die Partie verloren. Ich bin aber stolz, wie meine Mannschaft zurückgekommen ist. Wir hatten eine Chance, aber nicht die Coolness. Bamberg war wacher und hat das ganze Spiel über 100 Prozent gegeben.“

Starkes erstes Viertel

Noch nie in dieser Saison hatten die Bamberger von der ersten Sekunde an mit so viel Energie gespielt wie im Duell mit dem Tabellenführer und Vizemeister. Bei den Gastgebern lief der Ball wie am Schnürchen, das Verhältnis von Innen- und Außenspiel passte. Da sie zudem bissig in der Verteidigung zupackten, war der Gegner sichtlich beeindruckt.

Während bei den Oberfranken fast alles klappte, lief bei den Schwaben nichts zusammen. In den ersten zehn Minuten trafen sie nur drei ihrer 17 Würfe, viele davon resultierten aus Einzelaktionen. Ganz anders die Hausherren: Neun Assists (drei von Bennet Hundt) hatten sie nach dem ersten Viertel zu Buche stehen, die Trefferquote betrug 50 Prozent. Da auch das Reboundverhältnis klar mit 14:9 an sie ging, führten sie folgerichtig mit 25:10. Ausschlaggebend für diese klare Führung war auch ein 11:0-Lauf.

In Abwesenheit ihres MVP-Kandidaten Jaleen Smith, der Vaterfreuden entgegensieht, sowie Tremmell Darden (Gehirnerschütterung) fanden die Ludwigsburger anschließend besser in die Partie, verkürzen konnten sie den Rückstand zunächst aber nicht. Viel lief bei den Gästen über Barry Brown Jr., der bis zur Pause 17 der 37 Punkte seiner Mannschaft erzielt hatte. Erst als sich bei den Bambergern erste Konzentrationsfehler in Form von vier Ballverlusten einschlichen, kamen die MHP Riesen etwas näher heran. In die Pause ging das Roijakkers-Team aber noch mit einem zweistelligen Vorsprung. (47:37).

Tyler Larson setzt sich in der Zone gegen Yorman Polas Bartolo  durch.
Tyler Larson setzt sich in der Zone gegen Yorman Polas Bartolo durch.
Foto: Daniel Löb

Das von beiden Seiten mit hohem Tempo geführte Spiel setzte sich fort. Chase Fieler und Kenneth Ogbe setzten mit zwei Dunkings nach Wurffinten innerhalb von nur einer Minute für Highlights . Diese spektakulären Aktionen reizten die Gäste offensichtlich, denn nach einer Auszeit zogen sie in der Abwehr die Zügel deutlich an. Die Bamberger fanden kaum noch den freien Mitspieler und kamen fast nur noch zu erzwungenen Würfen. Das Patrick-Team witterte nun Morgenluft, fand auch offensiv in den Rhythmus und lag vor Beginn des Schlussdurchgangs nur noch mit 66:69 zurück.

Vitali übernimmt

Vitali, der nach auskurierter Oberschenkelverletzung zurück in der Brose-Mannschaft war, eröffnete das letzte Viertel mit einem Vier-Punkte-Spiel (Dreier plus Freiwurf). Der Italiener war in den nächsten Minuten aber der einzige Bamberger, der punktete, so dass der Gast in der 36. Minute zum 79:79 ausglich. Die Partie drohte zu kippen, doch Dreier von Devon Hall und Dominic Lockhart sowie ein Korbleger von Larson verschafften den Bambergern wieder Luft (89:82, 38.). 1:22 Minuten vor der Schlusssirene waren die Schwaben nach Johannes Patricks viertem Dreier wieder auf 91:92 dran und gingen 34,4 Sekunden vor Spielende mit einem Korbleger von Lukas Herzog mit 93:92 in Führung.

Kenneth Ogbe spielte wie immer mit viel Energie und erzielte elf Punkte.
Kenneth Ogbe spielte wie immer mit viel Energie und erzielte elf Punkte.
Foto: Daniel Löb

Ogbe schlug mit einem Korbleger zurück, wurde dabei noch gefoult, konnte den Freiwurf aber nicht ausführen, weil er sich bei der Aktion verletzte. Vitali ging für ihn an die Linie, vergab aber. Nach einem Schrittfehler von Yorman Polas Bartolo in dessen 200. Bundesligaspiel kamen die Bamberger acht Sekunden vor dem Ende noch einmal in Ballbesitz. Die Ludwigsburger schafften es aber nicht mehr, die Uhr anzuhalten, weil die Hausherren den Ball klug bewegten und sich damit den knappen 94:93-Erfolg sicherten.

Am Sonntag in Braunschweig zu Gast

Am Sonntag (15 Uhr) können die Bamberger nun ohne großen Druck in Braunschweig antreten. Im Spiel bei den Niedersachsen müssen sie abermals auf Joanic Grüttner-Bacoul verzichten, der sich am Donnerstag im Training bereits zum zweiten Mal in dieser Saison die Hand gebrochen hat.

Spieler des Spiels

Michele Vitali erzielte seine 15 Punkte ausschließlich aus dem Dreierbereich (4 vier Treffer bei 7 Versuchen) oder von der Freiwurflinie aus (drei von vier). Zudem holte der Italiener fünf Rebounds (einen offensiv) und gab fünf Assists. Er leistete sich aber auch drei Ballverluste.

Die Statistik

Bamberg: Vitali (15 Punkte/4 Dreier), Fieler (14/3), Ogbe (11/1), Larson (11), Hall (9/2), Kravish (9), Lockhart (8/2), Hundt (7/1), Sengfelder (5), Plescher (3/1), Thompson (2), Seric

Ludwigsburg: Brown (23/3), Patrick (17/4), Hulls (14/3), da Silva (10), McLean (8), Polas Bartolo (8/1), Herzog (8/2), Radebaugh (4), Warren (1), Wohlfarth-Bottermann, Rodriguez

Schiedsrichter: Panther, Barth, Rey

Zuschauer: keine

Gesamtwurfquote: Bamberg 48 Prozent (32 Treffer/67 Versuche), Ludwigsburg 42 (29/69)

Dreierquote: Bamberg 41 Prozent (14/34), Ludwigsburg 45 (13/29)

Freiwurfquote: Bamberg 73 (16/22), Ludwigsburg 69 (22/32)

Rebounds: Bamberg 42 (33 defensiv/9 offensiv), Ludwigsburg 34 (24/9)

Ballgewinne/-verluste: Bbg. 1/12 Ludwigsburg 5/4

Assists: Bamberg 25 / Ludwigsburg 18

Fouls: Bamberg 24 / Ludwigsburg 22